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Schweizer Käse und frühe Achtel

Nordland-Kammermusikkurs Schweizer Käse und frühe Achtel

Neujahrsstille liegt über dem Campus des Rendsburger Nordkollegs. Doch immer wieder spaziert ein Jugendlicher mit einem verdächtigen Koffer durch den Garten der Akademie. Sein Inhalt ist leicht zu erraten, wenn er beispielsweise wie ein Cello oder eine Geige geformt ist. Mitunter aber muss man mutmaßen: Ist da vielleicht eine Querflöte drin? Oder eine Klarinette?

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In der Ensemblegruppe von Prof. Ulf Tischbirek musizieren Geraldine Galka, Flavia Pietzker (1. bzw. 2. Violine), Lisa Schwarz (Viola), Timo Jürgensen (Klavier) und Pauline Gude (Cello).

Quelle: *

Rendsburg. Folgt man einem der rund 40 jungen Musiker, die hier bereits seit dem 1. Januar zusammenarbeiten, landet man womöglich in der Ensembleklasse von Ulf Tischbirek. Der Lübecker Cello-Professor und künstlerische Leiter des 14. Nordland-Kammermusikkurses sitzt konzentriert auf einem Stuhl und hört auf das, was das „Ensemble 18“, eine von insgesamt 25 Formationen, aus Antonin Dvoráks Klavierquintett op. 81 macht. Der erste Satz steht auf dem Programm, doch weit lässt Tischbirek seine Schüler nicht kommen. Denn zunächst einmal ist hier „Knochenarbeit“ gefragt, wie er später sagen wird. „Das klingt alles noch viel zu schwerfällig“, konstatiert er und lässt die 1. Violine ein paar Takte solo geigen. „Du musst mit noch viel mehr Bogen spielen, aber es muss ein leichter Bogen sein“. Ein paar Takte später gibt er der Viola Feedback: „Das ist mir noch ein bisschen zu sehr Schweizer Käse. In der Musik sind zu viele Löcher drin. Es soll nicht so nach Luftschnappen klingen!“

 Die Atmosphäre wirkt trotz dieser Detailkritiken offen und locker. Es ist das 14. Mal, dass der Landesmusikrat Schleswig-Holstein in Kooperation mit dem Landesmusikrat Mecklenburg-Vorpommern und dem Landesausschuss „Jugend musiziert“ Hamburg den Kammermusikkurs im Nordkolleg veranstaltet, der den zwölf- bis 18-jährigen Teilnehmern vertiefte Einblicke in eine Disziplin vermittelt, die sie in dieser Bandbreite sonst selten erleben können. Vom Duo bis zum Oktett reicht dabei die Besetzungsstärke. „Für viele ist es das erste Mal, dass sie in so großen Ensembles Kammermusik machen“, sagt Tischbirek und ergänzt: „Ein unglaublich wichtiger Pfeiler der musikalischen Ausbildung!“ Dass der Kurs nicht für alle Nordland-Teilnehmer Neuland bedeutet, liegt daran, dass es auch einige Wiederholer gibt. „Sie heben das Niveau ungemein und ziehen die anderen mit“, konstatiert Tischbirek, der anfangs noch Studenten dazu lud, um entsprechende Effekte zu erzielen.

 Viele der Teilnehmer erfahren heute im Rahmen des Jugend-musiziert-Wettbewerbs von dem von der Stiftung Feldtmann unterstützten Kammermusikkurs. Zu ihnen zählt die Flötistin Catharina von Schlieffen. „Ich finde es spannend, wie jeder Dozent hier ganz eigene Akzente einbringt“, urteilt die 17-jährige Schülerin der Ricarda-Huch-Schule. „Außerdem bekomme ich Tipps, die auch jenseits des konkreten Repertoires relevant sind – beispielsweise in Sachen Atemtechnik.“ Und als sie wenig später mit sieben weiteren Teilnehmern Johann Strauß’ Kaiserwalzer probt, zeigt Dozentin Angela Firkins, dass es in der Musik mitunter auch darum gehen kann, nicht ganz richtig zu spielen: „Genau genommen müssen die ersten beiden Achtel immer etwas zu früh kommen“, erklärt die Lübecker Flöten-Professorin, die bald zum nächsten Ensemble eilen muss und ihren Schülern rät, noch ein wenig selbstständig weiterzuproben. Dass diese sich das nicht zweimal sagen lassen, spricht für sich.

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