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Kultur Ost: „Regenbögen holen mich nicht ab“
Nachrichten Kultur Ost: „Regenbögen holen mich nicht ab“
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17:47 06.11.2018
Von Thorben Bull
Morbide Maskerade: (v. li.) Jacek Zyla (Ost), Torsten Scharf (Nord), Frank Jooss (Süd) und Peter Haag (West). Quelle: Sony Music
Kiel

Was hat es mit den Masken und Himmelsrichtungs-Namen der Bandmitglieder auf sich?

Ost: Das entsprang der Anfangszeit der Band. Nachdem der Name klar war, wollten wir nicht in Standard-Outfits aus Jeans und Motörhead-T-Shirts auftreten. Bei den Himmelsrichtungen fiel uns auf, dass sie gut zu unseren Persönlichkeiten passten. Da ich aus Polen stamme, war ich natürlich gleich der Ost.

Wie kam es dazu, dass du den Großteil der Texte schreibst?

Meine schulischen Leistungen in Deutsch haben eigentlich dagegen gesprochen. Es war eine Entwicklung, denn anfangs haben wir die Texte zusammen geschrieben. Doch das Endergebnis war immer nur ein Kompromiss. Du musst in Texten etwas ausdrücken, was nur du fühlst. Das Feedback auf meine Sachen war ganz gut und so kam es, dass ich die letzten Alben alle alleine getextet habe. Natürlich haben die anderen Mitspracherecht.

Eure Texte behandeln häufig gesellschafts- und sozialkritische Themen. Fühlt ihr euch als Künstler verpflichtet, politisch Stellung zu nehmen?

Ich erwarte das nicht von jedem Künstler. Uns ist es aber total wichtig. Mir persönlich gefallen Künstler mit starker Meinung. Regenbögen und rote Rosen holen mich nicht ab. Besonders heutzutage ist es wichtig, Jugendlichen zu zeigen, dass es auch noch andere Stimmungen gibt. Ich habe das Gefühl, dass es gerade in ist, konservativ zu sein. Menschen, die Schutz suchen, als Asyltouristen zu bezeichnen, hat mich total geschockt.

Nach dem Song-Feature zu „Totgesagt doch neugeboren“ mit Frei.Wild-Sänger Phillip Burger saht ihr euch Nationalsozialismus-Vorwürfen gegenüber. Hättet ihr gedacht, dass es solche Wellen schlägt?

Dass es solche Wellen schlägt, hatten wir tatsächlich nicht gedacht. Wir haben uns vorher intensiv mit Frei.Wild beschäftigt und kannten die Jungs. Für mich sind das keine Nazis, sonst hätten wir auch niemals etwas mit denen zusammen gemacht. Sie sind so etwas wie die CDU in der Musikbranche, aber das hat alles andere als irgendetwas mit Nazisein zu tun. Mittlerweile bin ich es aber auch leid, den Anwalt für Frei.Wild zu
spielen.

Als Gitarrist bist du äußerst stilprägend für Hämatom. Magst du von deiner musikalischen Sozialisation von deiner Jugend bis heute erzählen?

Ich bin nicht mit Metal und Rock groß geworden. Eher mit Roxette, von denen ich immer noch großer Fan bin. Textlich finde ich Erste Allgemeine Verunsicherung großartig. Alles Pop-Sachen, bis ich in der achten Klasse angefangen habe, Gitarre zu spielen und dann zwangsläufig mit Nirvana, Metallica, Slayer und Pantera konfrontiert wurde. Mit der eigenen Musik habe ich erst mit 25 angefangen. Mich begeistert aber auch die neue, frische Sprache des deutschen Hip-Hop von Marteria oder Sido, die wir ja auch gecovert haben.

Wie kam es eigentlich dazu?

Das war eine Schnapsidee. Das Besondere daran ist ja, dass die Originale komplett gitarrenlos sind. Wenn man die mit hartem Gesang und Doublebass verschönert, dann wird es spannend und es hat wunderbar funktioniert. Meine Tochter erzählte mir, dass Hämatom dadurch Thema auf dem Schulhof waren.

Was war das witzigste Erlebnis in der bisherigen Hämatom-Bandgeschichte?

Das Lustigste passiert tatsächlich auf der Bühne. Unsere Show ist gespickt mit Effekten. Unser Bassist West hat einen Zopf an seiner Maske, an dem Pyrotechnik befestigt ist. Wenn die plötzlich während einer Umbauphase losgeht, ist das schon sehr witzig.

Interview: Thorben Bull

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