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Kultur Gischt und Gebete
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17:53 08.02.2016
Von Dr. Christian Strehk
Herausforderung mit Halffter: Bratschist Nils Mönkemeyer, Dirigent Daniel Carlberg im Schloss. Quelle: ehr - Marco Ehrhardt

Motivisch ist sein Part der im Kieler Opernhaus im Mai 2013 uraufgeführten Zweig-Vertonung Schachnovelle entlehnt. Umnebelt wird er von der Halffter-typischen, aus einem Tröpfchengewimmel von Einzelstimmen evozierten Klanggischt. So bohrt sich das häufig sonore, manchmal auch schwerelos abhebende Solo-Gebet tief ins Hörgedächtnis.

 Das gut zwanzigminütige Werk, so kennt man den Kieler Kulturpreisträger Halffter, hat immer wieder Faszinierendes zu bieten: darunter gleich das einsam ausgesungene Solo der Bratsche zu Beginn, später die mahnenden Uhrschläge in Harfe und Schlagwerk oder den berückenden Anklang von spanischer Renaissance-Polyphonie kurz vor Schluss. Die gern unterschätzte Viola hat auf jeden Fall ein gewichtiges 22-Minuten-Solokonzert mehr im Repertoire, eines, das beim anhaltend applaudierenden Publikum Eindruck macht: Der sichtlich beseelte Komponist erntet einen weiteren Erfolg mit den Kieler Philharmonikern.

 Zuvor beweist der souverän mitgestaltende Dirigent Daniel Carlberg nach der starken Tosca erneut seine Qualitäten als Klangregisseur und -maler. Im gut besuchten Kieler Schloss wird der philharmonische Auftakt zum Max-Reger-Gedenkjahr unter seiner Leitung tatsächlich zur ausdrucksintensiven Hommage an den Schweizer Symbolisten Arnold Böcklin. Schon in der ersten der vier Tondichtungen, dem Geigenden Eremiten, fesseln das innig intensivierte Strömen und die – gleichsam unter Engelsflügeln sanft nachgebeteten – Soli von Konzertmeister Maximilian Lohse. Carlberg führt die spürbar willigen, mit Gewinn in historisch richtiger, „altdeutscher“ Aufstellung platzierten Philharmoniker (Violinen stereophon verteilt vorn, Celli und Bässe links) immer wieder in dynamische und agogische Grenzbereiche.

 Die gleitende Überfahrt zur Toteninsel gewinnt so den nötigen schauerlichen Hauch und löst sich schließlich in jenseitiges Wohlgefallen auf. Ins Bacchanal von 1913 schleicht sich am Vorabend des Ersten Weltkriegs schon das panische Erschrecken vor der Selbstüberdrehung der spätromantischen Welt. Carlberg und den hochgespannt musizierenden Instrumentalisten gelingt es auf diese Weise, Regers Böcklin-Suite als keineswegs gestrigen Tanz auf dem Vulkan auszuweisen – auf Augenhöhe mit Strawinskys Sacre und Ravels La Valse.

 Nach der Pause feuert Carlberg mit bloßen Händen Beethovens Achte an. Die gewitzte F-Dur-Symphonie des reifen Wiener Klassikers gerät nach den Schwergewichten ein wenig hektisch und hakelig, hat aber – beispielsweise im Menuett (mit schönen Fagott-Soli von Riklef Döhl) – auch starke Momente. Außerdem bleibt ihre fetzige Frische nicht ohne Eindruck auf das Publikum.

www.musikfreunde-kiel.de

Das Konzert wird am 8. Februar 2016 um 20 Uhr im Kieler Schloss wiederholt. Karten: 0431 / 901 901.

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