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Kultur Pilzbefall zerstört Hecken
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12:05 13.09.2012
Mehr als sechs Kilometer Buchsbaumhecken des prachtvollen Barockgartens von Schloss Gottorf sind wegen Pilzbefalls nicht mehr zu retten. Quelle: dpa

Mehr als sechs Kilometer Buchsbaumhecken des prachtvollen Barockgartens von Schloss Gottorf sind wegen Pilzbefalls nicht mehr zu retten. „Es ist eine Katastrophe“, sagte Ulrich Schneider, Leiter des Barockgarten, am Donnerstag in Schleswig. Er habe den wieder aufgebauten Garten bei der Eröffnung 2007 in voller Pracht erlebt und müsse ihn nun als „sterbenden Schwan“ sehen. Da es bisher noch keine Fungizide gegen den Pilz Cylindrocladium buxicola gebe, müssten die Hecken mit anderen Pflanzen neu gestaltet werden. In den nächsten zwei Jahren sollen Ersatzpflanzen ausprobiert werden.

Der über mehrere Terrassen angelegte Barockgarten mit zahlreichen Heckenornamenten und Heckeneinfriedungen erlebte seine größte Prachtentfaltung Ende des 17. Jahrhunderts. Herzog Friedrich III. ließ ab 1637 den Garten anlegen, der im Laufe der nächsten Jahrzehnte mit Pavillons, Lusthäusern und weiteren Terrassen immer mehr ausgebaut wurde.

Unter dänischer Statthalterschaft verfiel der Garten. Als Schloss Gottorf 1864 zur preußischen Kaserne wurde, diente er als Reitplatz. Nach dem Zweiten Weltkrieg war das Areal aufgeforstet worden, vom Garten blieben nur noch Terrassenstufen übrig. Der zerstörte Garten wurde seit 2001 für mehrere Millionen Euro rekonstruiert. Grundlage hierfür waren Erkenntnisse archäologischer Grabungen und historische Dokumente aus dem frühen 18. Jahrhundert.

Der französische Kantenbuchs, der 2005 gepflanzt wurde, ist derzeit 20 cm hoch und breit und stellt die Binnengliederung des Schlossgartens dar, der von 80 cm hohen Hainbuchenhecken umgeben ist. „Das ist das besondere an dem Kantenbuchs, er ermöglicht eine feine Linienstruktur des Gartens“, erklärte Schneider.

Der Kampf gegen den Pilzbefall im Schlossgarten begann bereits im Jahr 2008. Der fortschreitende Befall betrifft insbesondere den französischen Kantenbuchs. Der Pilz Cylindrocladium buxicola war erstmals 1994 in Großbritannien entdeckt worden. In Gottorf färbte er die Blätter des Kantenbuchs dunkelbraun bis schwarz und tötete schließlich tausende Pflanzen. „Vom Pilz befallene Pflanzen sind innerhalb von drei Wochen tot“, sagte Schneider.

Jetzt sollen als Alternative Buchs, Eibe, Lebensbaum oder Carpe getestet werden. Zwar handele es auch um Pflanzen, die historisch fehl am Platz seien. „Das müsse man als kleineres Übel so hinnehmen“, sagte der Kurator.

Eine Spendenaktion soll helfen. Interessenten können für 70 Euro Patenschaft für je einen Meter Ersatzpflanzen übernehmen. Diese Pflanzen müssten jedoch zunächst eine komplette Vegetationsphase überstehen: sowohl den Kahlfrost im Winter als auch die trockenen Phasen im Frühjahr. Um die barocken Heckenlinien bis zum Einsatz der Ersatzpflanzen beizubehalten, werden zunächst Platzhalter, wie beispielsweise Thymian, gepflanzt. Drei Jahre werde es voraussichtlich dauern, bis der Garten wieder in altem Glanz erstrahle.

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