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Kultur Die Briefe unter der Matratze
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20:45 26.11.2015
Beginn einer besonderen Freundschaft: Als Zwölfjährige schrieb Sara Schwardt ihren ersten Brief an Astrid Lindgren. Quelle: Marco Ehrhardt
Kiel

Deine Briefe lege ich unter die Matratze ist jetzt in deutscher Übersetzung erschienen. Astrid Lindgren geht hier einfühlsam auf die Fragen und Geständnisse eines unglücklichen, fantasievollen und sprachgewandten Kindes und Teenagers ein und gibt dabei auch einiges aus ihrem eigenen Leben preis.

 Eigentlich hatte Sara Schwardt, die damals noch Ljungcrantz hieß, versprochen, dass die Korrespondenz ein gemeinsames Geheimnis bleiben würde. Nach Lindgrens Tod gab sie das Konvolut von rund 80 Briefen jedoch an das Lindgren-Archiv in der Königlichen Bibliothek in Stockholm und stimmte später widerstrebend einer Veröffentlichung zu.

 In Schweden wurde das Buch ein Riesenerfolg und auch in Deutschland stößt es auf großes Interesse – die Lesung bei Hugendubel in Kiel war sofort ausverkauft, am Folgetag gab es eine Wiederholung. Wie kam es, dass eine gefeierte Autorin, die säckeweise Post von ihren jungen Lesern bekam, einen so intensiven Briefwechsel mit einer ihr völlig fremden Jugendlichen pflegte? „Sie schrieb mir einmal, dass sie sich mir verwandt fühlte“, sagt Schwardt, die ihr Geheimnis tatsächlich bis 2002 für sich behielt. „In der Schule fühlte ich mich immer irgendwie anders als alle und wurde gemobbt. Wenn ich erzählt hätte, dass Astrid Lindgren mir schreibt, hätten die anderen gedacht ich spinne.“ Die Briefe, von denen die Mehrheit aus den 70er Jahren datieren, seien für sie eine Art Therapie gewesen, „wie ein Tagebuch, dem man alles anvertrauen kann.“

 Ein Tagebuch, das Antworten gab – von der gut 50 Jahre älteren Schriftstellerin meist mit einem liebevollen „Sara, meine Sara“ eingeleitet. Lindgrens Nichte habe ihr später einmal gesagt, es sei ein Wunder, dass sie sich gefunden hätten, erinnert sich Schwardt. „Astrid ist eine sehr gute Tante gewesen, doch eine solche Nähe hat ihre Nichte nie zu ihr empfunden.“ Obwohl die heute 57-Jährige sicher ist, dass der Briefwechsel ihr Leben positiv beeinflusst hat, hatte sie nie den Wunsch, die Freundin zu treffen. „Wir wären uns nie so nah gekommen wie in den Briefen“, ist sie überzeugt. „Vielleicht hätte ich ihr imponieren wollen und wäre dann nicht dieselbe Sara gewesen, die sie aus den Briefen kannte.“

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