Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Kultur Bernstein Award für Urbanski
Nachrichten Kultur Bernstein Award für Urbanski
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:55 09.02.2015
Von Dr. Christian Strehk
Das Schleswig-Holstein Musik Festival teilte am Montag mit, dass die Auszeichnung am 17. Juli beim traditionellen Preisträgerkonzert in Lübeck überreicht werden soll. Quelle: SHMF
Lübeck

Krzysztof Urbanski ist am Pult ein Überflieger. Der Pole, der mit seinen Anfang Dreißig bereits bei den Berliner Philharmonikern und beim Chicago Symphony Orchestra debütiert hat, erhält beim SHMF 2015 den Leonard Bernstein Award. Er wird damit nach einer Riege von Instrumentalsolisten wie den Pianisten Lang Lang oder Kit Armstrong, dem Schlagzeuger Martin Grubinger oder den Streichern Lisa Batiashvili und Alisa Weilerstein der erste Dirigent sein, der besondere Ehren durch den mit 10000 Euro dotierten Preis der Sparkassen Finanzgruppe erhält. Reinhard Boll, Präsident des Sparkassen- und Giroverbandes für Schleswig-Holstein, freute sich gestern über die Entscheidung: „Wir sind stolz, auch in diesem Jahr wieder einen Ausnahmekünstler zu ehren, der sich hervorragend in die Reihe der großen Namen der Preisträger des Leonard Bernstein Award einreiht.“

Wenn sogar ein Christoph Eschenbach in der Jury einen jungen Kollegen für preiswürdig befindet, darf man tatsächlich sicher sein, eine ganz besondere Persönlichkeit vor sich zu haben. Wer Krzysztof Urbanski im Sommer 2013 bei den Proben mit dem Festivalorchester in der ACO-Thormannhalle Büdelsdorf aus der Nähe erlebt hat, hegt daran sowieso keinerlei Zweifel. Das geht schon bei der reinen Gedächtnisleistung los: Urbanski probte ausgerechnet Dmitri Schostakowitschs großformatige Zehnte Symphonie vollkommen auswendig, hatte dabei sowohl Taktzahlen als auch einzelne Noten und kleinste Partituranweisungen parat. Entscheidender als solche Hirnakrobatik aber ist seine Fähigkeit, eine ganz präzise Klangregie und Ausdrucksgewalt dem Orchester auch wirklich vermitteln zu können. Zum präzisen, bestens lesbaren Schlag der rechten Hand kommt ein frei modellierende, vielsagende Linke. Den Rest besorgen die sehnig sportive Körpersprache und die sprechende Mimik. Schön, dass er im Sommer erneut bei der Orchesterakademie aktiv sein wird. Zwischen dem 13. und 16. Juli erarbeitet er mit dem dann neu formierten SHFO unter anderem Strawinskys epochale Ballettmusik Le Sacre du Printemps und tut sich mit einem anderen Bernstein-Preisträger mit polnischen Wurzeln zusammen, um Werke von Chopin einzustudieren: Jan Lisiecki. Das gemeinsame Preisträgerkonzert ist für den 17. Juli in der Lübecker Musikhalle geplant.

Urbanski hat in Warschau bei Antoni Wit studiert, nachdem er erst mit zwölf Jahren begonnen hatte, ein Instrument, das Horn, zu spielen. Noch ist er Chefdirigent im norwegischen Trondheim und Musikdirektor des Indianapolis Symphony Orchestra. Und es geht weiter aufwärts: Das NDR Sinfonieorchester Hamburg hat ihn sich ab der kommenden Saison bereits als Ersten Gastdirigenten gesichert – neben Thomas Hengelbrock und auf Augenhöhe mit seinem Vorgänger Alan Gilbert, der inzwischen Chefdirigent der New Yorker Philharmoniker ist.

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!