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Kultur 88 Tasten sind sein Freund
Nachrichten Kultur 88 Tasten sind sein Freund
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19:08 02.01.2017
Mitreißendes Klavierspiel, rauchige Stimme: Christian Willisohn in Postfeld. Quelle: *
Postfeld

Von Dieter Hanisch

 Auch wenn das Wörtchen Blues auf dem schwarzen Barrett des Münchners steht, so lässt sich der zum einen einfühlsame und im nächsten Moment wieder explodierende Pianist nicht auf das Genre des urigen Zwölftakters reduzieren. Wer in New York, Sydney oder Paris das Publikum in seinen Bann zieht, der schafft das natürlich auch in Postfeld. Wenn er nicht gerade singt, gibt er sich eher wortkarg. Doch vom ersten Ton an macht sich seine Aura im Raum breit und vor allem die Erkenntnis: Die 88 Tasten sind sein Freund und nicht bloß Hauptbestandteil eines Arbeitsgeräts.

 Sein Klavierspiel ist ebenso mitreißend wie fesselnd – etwas, was auch seiner fulminanten, rauchigen Stimme attestiert werden kann, ganz egal, ob er nun sumpfigen Blues präsentiert, Soulfood abliefert, sich in eine Ballade stürzt oder über den Gospel zum Chorleiter wird. Mit ein wenig Ragtime und einer kleinen Prise Honky Tonk lädt er ein in vergangene Jahrzehnte, in denen der Barpianist speziell in den USA ein oft konkurrenzloser Unterhaltungskünstler gewesen ist. Der Übergang zum noch etwas flotteren Boogie Woogie ist da geradezu ein Muss.

 Doch viele von Willisohns Titel entspringen aus improvisierten Tasten-Intros, streifen Jazz, Swing und sogar die Klassik, ehe er diese musikalische Melange virtuos in einen Melodiebogen mit ganz persönlicher Handschrift münden lässt. Höhepunkt des Konzerts ist die nicht enden wollende Instrumentalversion des Kinderlieds Hey, Pippi Langstrumpf, im Original vom schwedischen Jazzmusiker Jan Johansson. Doch auch sein als Opener gespielter Blues On The World unterstreicht, dass der Tastenakrobat aus Bayern sich ebenfalls in ruhigeren Gefilden zu behaupten weiß und dabei nicht davor zurückschreckt, an mancher Stelle auch ein wenig Pathos zu zelebrieren.

 Zur Einstimmung auf Willisohn haben die Lokalmatadoren Georg Schroeter (Piano) und Marc Breitfelder (Bluesharp) mit drei Stücken das Feld bereitet. Am Ende stehen dann alle drei Blues-Schwergewichte gemeinsam auf der Bühne. Die AMaS kann damit auf einen gelungenen Auftakt ihrer Serie Kultour Pur verweisen.

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