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12:46 05.10.2018
Von Beate Jänicke
Drusilla im Schattenreich: Mit Jule Nero, Tom Keller und Eirik Behrendt. Quelle: Marco Ehrhardt
Kiel

In ein giftig grünes Zwielicht ist zunächst alles getaucht. Ein Zwischenreich, noch nicht Hölle, aber sehr kurz davor, umfängt die drei Gestalten, die in fleischfarbene Wäsche gehüllt, jegliche Insignien ihrer Vergangenheit verloren haben.

Erst allmählich werden sich die beiden Männer klar, wer sie zu Lebzeiten waren: Wilhelm Tell (Eirik Behrendt), der Held aus Schillers gleichnamigem Drama, und der römische Tyrann Caligula (Tom Keller), dessen Geschichte Albert Camus in seinem Stück aufgegriffen hat. Die beiden lässt Bettina Hansen im Jenseits aufeinander treffen.

Jule Nero glänzt in Dreifach-Rolle

Die Frauenfigur des Stücks dagegen, weiß sofort, wer sie ist. Eigentlich muss man allerdings sagen: die Frauenfiguren. Denn Jule Nero spielt gleich drei, die sich im Jenseits einen Körper teilen: Drusilla, inzestuös missbrauchte Schwester des Caligula, Tells Gattin Hedwig und Gertrud, eine „freie Frau“, ebenfalls aus Schillers Tell-Kosmos. Wie Jule Nero diese drei gegensätzlichen Charaktere beinahe im Sekundentakt in unterschiedlichen Haltungen, Stimmen aufscheinen und interagieren lässt, das ist wirklich großartig.

Theater darf auch fordend sein

Immer wieder beserkern sich Tom Keller und Eirik Behrendt am anderen und an sich selbst ab, werfen sich mit Unbedingtheit in ihre Rollen. Die sehr dominanten Drums von Felix Stade untermalen und takten das Geschehen, könnten aber dosierter eingesetzt werden.

Und die Kämpfe zwischen Tell und Caligula ufern etwas aus. Doch das sind nur Randnotizen. Dieser Abend wagt viel, und wer sagt denn, dass Theater nicht auch anstrengend sein darf und sogar soll.

Weitere Termine "Drusilla im Schattenreich - Von Helden und Tyrannen": 6. und 7.10., 20 Uhr, Ickpunkt im Sechseckbau in Kiel

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