21 ° / 9 ° heiter

Navigation:
Rotzige Räuberbande im Schauspielhaus

Premiere Rotzige Räuberbande im Schauspielhaus

Mit Wums beginnt die Aufführung im Kieler Schauspielhaus am Sonnabend. Spannungsgeladene Musik der Band um Ture Rückwardt brandet auf, komponiert von Marcus Wiebusch und Reimer Bustorff (Kettcar). Eine Videosequenz führt hinter dem zweigeteilten Bühnenaufbau von Lars Peter in das Setting ein.

Voriger Artikel
Philipp Boa mit ein bisschen Handbremse
Nächster Artikel
Beyoncé bringt Destiny’s Child zum Coachella

Die Räuber Schwarz (Eirik Behrendt), Schweizer (Christian Kämpfer), Spiegelberg (Rudi Hindenburg), Razmann (Jasper Diedrichsen), Schufterle (Marius Borghoff) und Roller (Claudia Friebel, v.l.) stehen hinter ihrem Anführer Karl Moor (Oliver Schönfeld, re.).

Quelle: Olaf Struck

Kiel. Der alte Moor (Zacharias Preen) und sein ungeliebter Sohn Franz (Marko Gebbert) fristen ihr verbittertes Dasein im schmucken Penthouse-Loft auf der linken Bühnenseite. Da sehnt sich der gebrechlich und doch gebieterisch auftretende Vater nach seinem verlorenen Lieblingssohn Karl (Oliver Schönfeld), einem zerrissenen Idealisten, der allem Anschein nach in der Ferne auf die schiefe Bahn gekommen ist. Eifersüchtig biedert der jüngere Franz sich an, schmiegt sich kriecherisch an seinen stets abweisenden Vater, um den verhassten Bruder in Ungnade zu bringen.

Herausragend: Rudi Hindenburg als rotziger Rebell Spiegelberg

Das Trauma des ungeliebten Kindes nimmt man Gebbert vollends ab: Fulminant gibt er den manipulativen Franz, der neben dem Vater auch Amalia (Magdalena Neuhaus), die zurückgelassene Geliebte seines Bruders, für sich einzunehmen versucht – vergeblich. Die changiert hinreißend zwischen sehnsuchtsvoller Melancholie, Trauer und leidenschaftlichem Hass, als der zudringliche Franz ihr Avancen macht, und weiß auch gesanglich mit glockenreiner Stimme zu überzeugen. Neben dem gefeierten Anführer Karl Moor ragt Moritz Spiegelberg (Rudi Hindenburg als rotziger Rebell und Verführer) aus der mitreißend-rockigen Räuberbande heraus: Den Rest des wütenden Mobs spielt und singt er in der ersten Hälfte fast an die Wand. 

Fließende Übergänge durch Beleuchtungswechsel

Eine Verdichtung der Kulisse haben Regisseur Daniel Karasek und Dramaturg Jens Paulsen in Aussicht gestellt. Sowohl räumlich als auch spielerisch wird dieses Versprechen ganz selbstverständlich eingelöst. Beleuchtungswechsel schaffen immer wieder fließende Übergange in die punkige Anarchoszene der Räuberbande – eine eigene Matrix inmitten von Containerbauten, alten Autoreifen, Bierhefe, Zigaretten und Lagerfeuer.

Anhaltender Beifall nach furiosem Finale mit Zugabe 

Einziges Manko der durchweg unterhaltsamen Rockoper: Die eingebauten Videosequenzen konkurrieren zu oft mit dem Bühnengeschehen. Das Publikum honoriert den Abend nach einem furiosen Finale mit minutenlangem Beifall, sodass das Ensemble mit Tod oder Freiheit gerne noch eine Zugabe einlegt: „Wir sind eine Idee“, heißt es da. Augenscheinlich eine gute.

Restkarten für die Vorstellungen am 18. April, 2.und 4. Mai, Tel. 0431/901901, www.theater-kiel.de

doc6zp1qaz1teow6rqua8g

Gelungene Premiere: Nach dem gefeierten Sommertheater 2016 inszeniert Daniel Karasek seine Rockoper "Die Räuber" zur Musik von Kettcar im Schauspielhaus.

Zur Bildergalerie
Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur 2/3