Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Kultur Rotzige Räuberbande im Schauspielhaus
Nachrichten Kultur Rotzige Räuberbande im Schauspielhaus
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:01 15.04.2018
Von Isabelle Breitbach
Die Räuber Schwarz (Eirik Behrendt), Schweizer (Christian Kämpfer), Spiegelberg (Rudi Hindenburg), Razmann (Jasper Diedrichsen), Schufterle (Marius Borghoff) und Roller (Claudia Friebel, v.l.) stehen hinter ihrem Anführer Karl Moor (Oliver Schönfeld, re.). Quelle: Olaf Struck
Kiel

Der alte Moor (Zacharias Preen) und sein ungeliebter Sohn Franz (Marko Gebbert) fristen ihr verbittertes Dasein im schmucken Penthouse-Loft auf der linken Bühnenseite. Da sehnt sich der gebrechlich und doch gebieterisch auftretende Vater nach seinem verlorenen Lieblingssohn Karl (Oliver Schönfeld), einem zerrissenen Idealisten, der allem Anschein nach in der Ferne auf die schiefe Bahn gekommen ist. Eifersüchtig biedert der jüngere Franz sich an, schmiegt sich kriecherisch an seinen stets abweisenden Vater, um den verhassten Bruder in Ungnade zu bringen.

Herausragend: Rudi Hindenburg als rotziger Rebell Spiegelberg

Das Trauma des ungeliebten Kindes nimmt man Gebbert vollends ab: Fulminant gibt er den manipulativen Franz, der neben dem Vater auch Amalia (Magdalena Neuhaus), die zurückgelassene Geliebte seines Bruders, für sich einzunehmen versucht – vergeblich. Die changiert hinreißend zwischen sehnsuchtsvoller Melancholie, Trauer und leidenschaftlichem Hass, als der zudringliche Franz ihr Avancen macht, und weiß auch gesanglich mit glockenreiner Stimme zu überzeugen. Neben dem gefeierten Anführer Karl Moor ragt Moritz Spiegelberg (Rudi Hindenburg als rotziger Rebell und Verführer) aus der mitreißend-rockigen Räuberbande heraus: Den Rest des wütenden Mobs spielt und singt er in der ersten Hälfte fast an die Wand. 

Fließende Übergänge durch Beleuchtungswechsel

Eine Verdichtung der Kulisse haben Regisseur Daniel Karasek und Dramaturg Jens Paulsen in Aussicht gestellt. Sowohl räumlich als auch spielerisch wird dieses Versprechen ganz selbstverständlich eingelöst. Beleuchtungswechsel schaffen immer wieder fließende Übergange in die punkige Anarchoszene der Räuberbande – eine eigene Matrix inmitten von Containerbauten, alten Autoreifen, Bierhefe, Zigaretten und Lagerfeuer.

Anhaltender Beifall nach furiosem Finale mit Zugabe 

Einziges Manko der durchweg unterhaltsamen Rockoper: Die eingebauten Videosequenzen konkurrieren zu oft mit dem Bühnengeschehen. Das Publikum honoriert den Abend nach einem furiosen Finale mit minutenlangem Beifall, sodass das Ensemble mit Tod oder Freiheit gerne noch eine Zugabe einlegt: „Wir sind eine Idee“, heißt es da. Augenscheinlich eine gute.

Restkarten für die Vorstellungen am 18. April, 2.und 4. Mai, Tel. 0431/901901, www.theater-kiel.de

Gelungene Premiere: Nach dem gefeierten Sommertheater 2016 inszeniert Daniel Karasek seine Rockoper "Die Räuber" zur Musik von Kettcar im Schauspielhaus.
Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Nein, ein Schwätzer ist Phillip Boa wahrlich nicht. Beim Konzert mit seiner Band The Voodooclub in der gut besuchten Pumpe machte Boa nicht viele Worte, bemühte sich eher verhalten um die Nähe zum Publikum, servierte aber eine Werkschau seines Schaffens, die sich wahrlich hören lassen konnte.

Thomas Richter 15.04.2018
Kultur Kieler Kulturrausch - Nacht der Clubs

Der Auftakt des Kieler Kulturrausch ist mit der Nacht der Clubs ein Trip durch die Musiklandschaft. Als sich der Gitarrist Christian List im Pogue Mahone gegen 22.30 Uhr gerade erst warmspielt und sich erste Bierselige in den Armen liegen, erlebte mancher Kulturfreund bereits mehrere Stimmungen.

Thorben Bull 15.04.2018
Kultur Saxofonistin Tini Thomsen begeistert mit “Peter und der Wolf“ - Die mit dem Wolf tanzt

Tini Thomsen ist eine der populärsten deutschen Jazzmusikerinnen. Ausgerechnet mit dem unhandlichen Baritonsaxofon mischt sie die Jazzrock-Szene auf. Und mit ihrer Version von “Peter und der Wolf“.

15.04.2018