2 ° / -1 ° Schneeregen

Navigation:
Monolog für sechs Frauen

Polnisches Theater Monolog für sechs Frauen

Eigentlich ist Oleksandra Zapolska als Ersatz eingesprungen - aber mit dem Monologstück "Granaten" erweist sich die Kieler Schauspielschülerin im Polnischen Theater als mit viel Premierenapplaus bedachte Entdeckung.

Voriger Artikel
Kunstraub: Gemälde von Nolde wieder da
Nächster Artikel
Makina lieferte soliden Pogo-Punkrock

Eine von sechs Rollen: Als lockerer "Cats"-Verschnitt flippt Oleksandra Zapolska hier über die Bühne.

Quelle: jens Matthießen

Kiel. Explodieren oder einfach weitermachen, das ist hier die Frage. Wie sie da steht, die Granate irgendwo zwischen Mutwillen und Nachdenklichkeit in der Hand wiegend, scheint sie einen Moment lang möglich, die Katastrophe. Oder auch der Durchbruch. Aber dann landet der Sprengkörper einfach in der Eierpappe auf dem Tisch, ruft die Realität: Das Baby schreit, die Kakteenfreunde warten im Vortragssaal, der Zukünftige am Traualtar.

Sechs Frauen in unterschiedlichen Situationen und Lebensstationen, aber allesamt am Rande des Nervenzusammenbruchs zeigt Oleksandra Zapolska in dem flotten, 2001 uraufgeführten Stück der australischen Dramatikerin Joanne Murray-Smith. Und die junge Schauspielerin kriegt es eindrucksvoll hin, das Kippeln auf dem schmalen Grat zwischen Normalität und Durchdrehen, Karikatur und Drama. Wie die Mutter da in abgerissenen Sätzen zwischen offenen Rechnungen, der anstehenden Geburtstagsparty der Tochter und der fehlenden Packung Weetabix ihrem eigenen Perfektionsdrang hinterherrennt – Zapolska macht die Klischees allgemein weiblicher Überforderung lakonisch zwischen Comedy und Alltagsdrama dingfest.

Zur Hochform läuft Zapolska auf als an der Lebensleere leidende Witwe. Wie sie da am Tisch sitzt, ihre Tage im Kreise der Schicksalsgenossinnen aufzählt und kleine nervöse Gesten vom inneren Vulkan erzählen, wird die Einsamkeit am Rande der Komik berührend greifbar. Und sie kriegt auch noch die Kurve, als die Melancholie des Alters zum Schluss der Szene ins Sentimentale driftet.

Das Drama findet nicht statt in diesen Szenen, die Tadeusz Galia und Jutta Ziemke als Regisseure leise zwischen Tragik und Komik schwingen lassen. Aber die Möglichkeit bleibt der Motor, der Figuren wie Schauspielerin antreibt.

Polnisches Theater, Düppelstraße 61a, Kiel. Vorstellungen: Do, Fr, Sbd jeweils 20 Uhr. Kartentel. 0431/804099 oder unter www.polnisches-theater.de

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur 2/3