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Kultur "Ein Volksfeind" als Jugenddrama
Nachrichten Kultur "Ein Volksfeind" als Jugenddrama
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18:00 26.09.2018
Von Ruth Bender
Widerstreitende Meinungen: (v.i.) Lise (Patricia Windhab), Petra (Elisabeth Frank) und Jakob (Lasse Wagner). Quelle: Struck/Loulsuder
Kiel

Die Regisseurin denkt den Umweltskandal, der in einem aufstrebenden Kurort unter den Brüdern Stockmann für Streit sorgt, von der jugendlichen Seite her. Dafür hat Autor Christoph Busche das Original bearbeitet und zu Ibsens Vater-Tochter-Paar Thomas und Petra Stockmann zwei neue Figuren dazu erfunden: Lise, die Tochter von Amtmann Peter Stockmann und in der Gemeindeverwaltung tätig, und Jakob, einen jungen revolutionsbewegten Arbeiter, der Thomas bewundert und Petra liebt.

Die Drei hauen sich die Sätze um die Ohren, die sonst ihre Väter sagen oder die Leute im Ort. Sie sind Spielball und Sprachrohr für die Erwachsenen, zerrieben zwischen deren Ansichten und den eigenen Bedürfnissen. Für die beiden neuen im Ensemble Patricia Windhab und Elisabeth Frank ein guter Einstand. Windhab zeigt Lise weniger hinterfragend als zickig auftrumpfend, Frank eine luzide, immer wieder anrührende Petra, um deren zerbrechliche Härte man stets fürchten muss. Und daneben lässt Lasse Wagner in dem braven Jakob auch die dunkle Seite aufscheinen.

Sehr gelungen hat Christoph Busche Ibsen hier verdichtet, und es ist frappierend, wie lässig der großenteils erhaltene Originaltext mit den neuen Figuren harmoniert. Astrid Großgasteiger setzt das allerdings mit dem unbedingten Willen zur Deutlichkeit um. Nicht immer glücklich, denn das Überklare überdeckt auch die Zwischentöne. Und Horst Stenzel, der das Ambivalente in der Rolle sonst bestens beherrscht, darf Thomas Stockmann im Dreh- und Angelpunkt nur als schlimmen Manipulator vorführen, übergriffig womöglich bis zum Missbrauch.

Erst im Schlussbild nach der Pause, als das Leben der Familie in Schutt und Asche liegt, bekommt Stenzel die Gelegenheit, die Figur zwischen Recht und Rechthaben zum Schillern zu bringen. Da ist die zwischen Kammerspiel und Stellungskrieg pendelnde Inszenierung wieder bei sich und dem jungen Publikum durchaus zu empfehlen.

Theater im Werftpark. 30. September, 18 Uhr. 13., 26., 27., 30. Oktober. Karten: Tel. 0431/901901, www.theater-kiel.de

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