2 ° / -1 ° Schneeregen

Navigation:
Ravel-Edelsteine – in Mozart gefasst

SHMF Ravel-Edelsteine – in Mozart gefasst

Ein Fall für die Millionenfrage bei Jauchs TV-Quiz: Welcher Komponist schrieb die Zauberflöte? Wenn dann der Name Mozart bei den vier möglichen Antworten fehlt, sehen 99 Prozent der Befragten alt aus. Nicht aber die kundig gemachten Maurice-Ravel-Hörer beim SHMF im Kieler Schloss.

Voriger Artikel
Großer Bahnhof für den Festivalchor
Nächster Artikel
Wer hat den Längsten?

Mit links: Der Pianist Alexandre Tharaud (re.) und Dirigent Andrew Manze – hier allerdings beim Konzert in der Lübecker Musikhalle.

Quelle: Axel Nickolaus

Kiel. Die ließen sich vom Parfum verführen, das die Sopranistin Christiane Karg schon auf ihrer prachtvollen Berlin-Classics-CD in Ravels köstlichem kleinen Zyklus Shéhérazade impressionistisch duften lässt – die Zauberflöte im asiatischen Garten der Lüste inklusive. Karg trifft die Lockrufe sehr schön, bleibt aber mit ausgestellt klarer Diktion der Tristan-Klingsor-Texte und einer leicht herben Note dabei jeglichem Kitsch fern.

Für das andere, allerletzte Ravel-Highlight des SHMF-Schwerpunkts sorgt der neben Aimard und Thibaudet im Moment wohl bedeutendste französische Pianist: Alexandre Tharaud. Der 48-jährige Pariser hat sich die Mühe gemacht, jenes tiefernste D-Dur-Klavierkonzert für die linke Hand einzustudieren, das für den kriegsverletzten Pianisten Paul Wittgenstein entstand.

Gleich vom knurrenden Kontrafagott-Thema an stellt sich Faszination ein. Eingefasst vom prismaklar aufgefächerten Farbenspiel der NDR Radiophilharmonie unter Andrew Manze erfasst Tharaud den rubinrot schillernden, sagenhaft virtuos aus der Bassregion heraufwogenden Klavierpart perfekt und prägnant. Der jüngst von der Pianistin Ulrike Payer dankenswerterweise aus dem Dornröschenschlaf erweckte Bösendorfer-Imperial erweist sich dabei als ideales Medium. Wer die Augen schließt, hält die Beschränkung auf eine Spielerhand genauso für undenkbar wie in der charismatischen Skrjabin-Zugabe (Prélude op. 9 Nr.1) nach dem Bravo- und Beifallssturm.

Wenn es zu Konzertbeginn und -ende um Mozart geht, explodiert der Londoner Kapellmeister Andrew Manze am Pult geradezu. Und man staunt, wie wendig und theaternah gestenreich die Hannoveraner die energiegeladenen Sätze abschnurren lassen.

Von Christian Strehk

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Nachrichten: Kultur 2/3