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Kultur Ist das (NS-)Raub- oder Beutekunst?
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05:00 04.10.2018
Von Konrad Bockemühl
Kritischer Blick bei Radierungen von Prestel und Quaglio mit verdächtiger Herkunft: Grafik-Chefin Annette Weisner, Kunsthallendirektorin Anette Hüsch und Provenienzforscherin Mathilde Heitmann-Taillefer (v.li.). Quelle: Marco Ehrhardt
Kiel

Provenienzforschung wird an der Kunsthalle zu Kiel seit 2014 systematisch betrieben. Mathilde Heitmann-Taillefer ist durch ihre Mitarbeit in der Task Force Gurlitt nach dem spektakulären Schwabinger Kunstfund und eine Publikation zur privaten Kunstsammlung Hermann Görings mit der Thematik Raub- und Beutekunst bestens vertraut. Sie besetzt bereits die zweite, vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste befristet finanzierte Stelle.

Der "Waldweiher" wurde restituiert

Ihr Vorgänger Kai Hohenfeld hatte sich von Mai 2015 bis Herbst 2017 insgesamt 85 Gemälde und neun Skulpturen näher vorgenommen – und intensiv recherchiert, ob es sich hier um (NS-)Raub- oder (Kriegs-)Beutekunst handeln könnte.

Ganz konkret nachgewiesen wurde das im Fall des "Waldweihers" von Vasilij Polenov. Im Herbst 2017 wurde das Gemälde deshalb restituiert, zurückgegeben an den Literatur- und Architekturhistorischen Museumspark im südrussischen Taganrog.

16 Gemälde in der Lost Art Datenbank

In 16 weiteren Fällen bleibt der Verdacht, dass es sich um Raub- oder ebenfalls Beutekunst handelt – den letzten Beweis jedoch konnte Hohenfelds Spurensuche nicht erbringen. Diese als bedenklich eingestuften Gemälde sind nun in der internationalen Lost Art Datenbank zur Dokumentation von Raub- und Beutekunst gelistet.

Ziel ist, weitere Hinweise zur Herkunft, zu Opfern wie Tätern zu erhalten – um letztlich die rechtmäßigen Eigentümer zu ermitteln und die vor 20 Jahren in der Washingtoner Erklärung formulierte Rückgabeverpflichtung von NS-verfolgungsbedingt entzogenem Kulturgut zu erfüllen.

Spurensuche nun bei 600 Grafiken

Die Kunsthalle, betont Direktorin Anette Hüsch, geht das Thema offensiv an. So will sie auch den Ausstellungsbesuchern Details zur Biografie der Bilder nicht vorenthalten. Während die Arbeit Hohenfelds zunächst abgeschlossen ist, steht seine Nachfolgerin bei den Grafiken noch ganz am Anfang.

Nach einem ersten Überblick geht es in die Detailrecherche, wenn es auch nur ansatzweise Hinweise auf eine problematische Herkunft gibt. Annette Weisner, Leiterin der Graphischen Sammlung und zugleich Projektleiterin Provenienzforschung an der Kunsthalle, hat aus dem gesamten Bestand von 40000 zunächst 600 Arbeiten mit lückenhafter Biografie ausgewählt, die im kritischen Zeitraum zwischen 1933 und 1950 angekauft wurden.

Oft reichen die Indizien nicht

Drei unklare Provenienzen hat Mathilde Heitmann-Taillefer seit Mai aus bislang 200 vorgesichteten Grafiken gezogen. Sehr oft, weiß sie, „muss man leider sagen, ich komme mangels Indizien nicht weiter“. Dann ist Hand-in-Hand-Arbeit mit Forschern aus anderen Museen gefragt.

Aber auch die Gurlitt-Sammlung hat gezeigt, in vielen Fällen kann die Herkunft nicht restlos geklärt werden, bleibt es beim Verdacht: Ganze sechs Werke aus dem spektakulären, 1600 Exponate umfassenden Schwabinger Kunstfund Cornelius Gurlitts konnten seit 2012 zweifelsfrei als Raubkunst identifiziert werden. Immerhin hat dieser Fund für ein heikles Thema nachhaltig sensibilisiert – auch in Kiel.

Zum Download: Provenienzforschung der Kunsthalle zu Kiel - Gemälde und Skulpturen

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