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Kultur Maulwurfn als Sieger der Herzen
Nachrichten Kultur Maulwurfn als Sieger der Herzen
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21:59 22.02.2016
Von Manuel Weber
Kommunikation mit Witz: Mariks Frosch und Maulwurfn. Quelle: Manuel Weber
Kiel

Tingeln mit dem „Best Of“ – das ist in der Tat oft auch der Abgesang auf die eigene Relevanz und Kreativität. Doch das „Hello Again“ von Marik und seiner Handpuppentruppe nach vier Jahren Ruhepause ist allseits willkommen – selbst bei den Kritikern. Die seit Herbst letzten Jahres laufende Tour ist fast überall ausverkauft. So auch im Kieler Schloss.

 Vielleicht ist das so, weil die Figuren, die der Berliner Schauspieler, Musiker und diplomierte Puppenspieler geschaffen hat, den Menschen helfen, sich selber und ihr eigenes Scheitern nicht ganz so schwer zu nehmen. Wenn einer wie „Maulwurfn“ durchkommt – dauerhaft unglücklich verliebt, gutmütig aber cholerisch, fast blind, begriffsstutzig und mit seinen massiven Sprachfehlern fast kommunikationsunfähig, dann schafft man es vielleicht auch. Ob er als „Bob der Maulwurfn“ mit gelbem Bauhelm und Presslufthammer an der Befreiung des Excalibur-Schwerts scheitert, sich beim Anvisieren seines Urlaubsziels zwischen Mond, Packeis und Afghanistan verirrt oder in Momenten der Selbsterkenntnis zwischen „Matrix“-hafter Theaterlügenentlarvung und der niederschmetternden Wahrheit seines ihn verhöhnenden Spiegelbildes herzzerreißend überfordert ist – irgendwie geht es für Maulwurfn immer weiter.

 Selbst als er am Ende eines vergeblichen lebenslangen Liebeswerbens um die Barbiepuppe „de Barbe“ mit gebrochenem Herzen auf der A9 unter die Räder kommt, fährt er in einem Leinwandspielchen zur wirklich wunderbaren Live-Musik von René Marik mit einem Chopper auf der Route 66 der untergehenden Sonne entgegen. Maulwurfn ist ein unbeirrbarer Sympathieträger, ein Sieger der Herzen – obwohl, oder vielmehr weil er sich regelmäßig für den arroganten, blasierten und selbstgefälligen Frosch Falkenhorst als völlig enttäuschender, völlig ungeeigneter Gesprächs- und Spielpartner entpuppt.

 Bemerkenswert ist nicht nur das enorme Timing, mit dem René Marik Spannung in die minimalistischen Geschichten bringt, bemerkenswert ist auch, dass Marik sich für Zwischenkommentare oder ein paar elegant, flausch-groovy und unprätentiös gespielte Evergreens der schweren Herzen aus der Deckung begeben kann, ohne den Zauber der Illusion zu brechen.

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