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Kultur Robert Atzorn über den "Fall Jakob von Metzler"
Nachrichten Kultur Robert Atzorn über den "Fall Jakob von Metzler"
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13:21 24.09.2012
Robert Atzorn (r.) als Polizei-Vizepräsident Wolfgang Daschner. Quelle: ZDF /Hans-Joachim Pfeiffer

Doch er hätte diesmal auch jede noch so kleine Rolle übernommen, sagt der 67-Jährige über die Produktion. Es geht um die Entführung und Ermordung des elfjährigen Jakob von Metzlers - und um den Fall Daschner. Sie sagen, dass sie auch die kleinste Rolle übernommen hätten, um bei diesem Projekt dabei sein zu können. Warum lag Ihnen so viel daran?

Atzorn: "Weil ich es so unglaublich wichtig finde, dass wir das noch einmal erzählen. Ich kann mich noch genau an meine Gefühle erinnern, als die Entführung und Ermordung Jakobs bekannt wurde: unendliches Mitgefühl und ein immenser Respekt dieser Familie gegenüber, aufrichtige Bewunderung dafür, mit wie viel Würde und menschlicher Größe sie das ausgehalten haben. Ich glaube, ganz Deutschland war betroffen und befand sich in einer Art Amnesie."

Ihre Rolle ist die des Polizeipräsidenten Wolfgang Daschner, der später wegen der Folterdrohungen bei den Ermittlungen vor Gericht stand. Haben Sie Verständnis für sein Handeln?

Atzorn: "Ich habe mich mit Wolfgang Daschners immens wichtiger Rolle bei diesem Fall bei der Vorbereitung des Films intensiv beschäftigt. Und ich muss sagen: Herr Daschner hat von der menschlichen Seite betrachtet meine größte Sympathie - und auch Verständnis. Deshalb hoffe ich, dass dieser Film auch ein bisschen zu seiner Rehabilitierung beiträgt."

Sie hätten an seiner Stelle in einer solchen Situation auch so gehandelt?

Atzorn: "Ich bin kein Polizist, ich bin Schauspieler. Ich kann nur versuchen, die psychologischen Vorgänge nachzuempfinden. Natürlich ist Folter grundsätzlich indiskutabel. Mit der Androhung von Schmerzen zu "arbeiten" bei Menschen, ist absolut abzulehnen. Aber: Manchmal muss man auch seinem inneren Instinkt folgen. Und dieser junge Mann hat die Polizei tagelang an der Nase herumgeführt, mit einer Lüge nach der anderen. Als Wolfgang Daschner seine Entscheidung traf, ihm Schmerzen anzudrohen, blieben aus ärztlicher Sicht nur noch vier Stunden, um Jakob lebendig zu finden. Ich verstehe sein Handeln, für mich ist es total nachvollziehbar."

Ein Handeln, für das er sich später im so genannten Daschner-Prozess vor Gericht verantworten musste...

Atzorn: "Und natürlich konnten die Richter nicht anders entscheiden - das ist mir auch klar. Darin steckt ja das absolute Dilemma. Folter ist und bleibt tabu - das ist kein gangbarer Weg. Und trotzdem muss man manchmal vielleicht auch ein Gesetz beugen oder brechen, wenn einen das eigene Gewissen dazu zwingt."

Haben Sie Daschner persönlich kennengelernt, bevor Sie ihn vor der Kamera verkörpert haben?

Atzorn: "Nein, und das finde ich auch gut so. Für mich als Schauspieler besteht sonst die Gefahr, dass ich zum Beispiel seine Gesten kopiere, um näher an der Figur zu sein - und darum geht's nicht. Viel mehr geht es darum, Wolfgang Daschners innere Haltung verständlich zu machen. Gespannt bin ich allerdings schon, wie er selber meine Darstellung findet."

dpa

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