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Kultur Expressionistischer Tondschungel
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06:21 08.11.2018
Porträtfoto in expressionistischer Ästehtik: Eduard Erdmann im Jahr 1920. Quelle: Sammlung Prof. Dr. Volker Scherliess
Schleswig

Inzwischen hält die Eduard-Erdmann-Gesellschaft die Erinnerung wach. Im Auftrag des Archivs der Akademie der Künste Berlin, die den Nachlass bewahrt, ist im Neumünsteraner Von Bockel Verlag gerade ein Porträtband mit Aufsätzen über den Musiker erschienen (herausgegeben von Werner Grünzweig und Gerhard Gensch, 212 Seiten, 24,90 Euro).

Als Komponist ein Schüler des strengen Expressionisten Heinz Tiessen in Berlin, probierte sich Erdmann früh auch im sinfonischen Format aus. Die Erste Symphonie op. 10, vom hochbegabten 23-Jährigen 1919 bezeichnenderweise Alban Berg gewidmet, spricht schon erstaunlich reif die emotional sprunghaft irrlichternde Ausdruckssprache der klassischen Moderne.

Peter Sommerer findet mit den mächtig aufgestockten Musikerscharen in der eher spröden Akustik der Möller Skolen einen überzeugenden Pfad durch den zunächst düsteren, dann beinahe fratzenhaft grotesk ins Fröhliche verdrehte Tondschungel. Das allseits hörbar anspruchsvolle Großstadt-Geklingel entwickelt tatsächlich einen betörenden Sog.

Dazu passt die gleißend glitzernde Traumklangwelt von Franz Schrekers ebenfalls kurz vor den Zwanziger Jahren verfasste Opernouvertüre zu Die Gezeichneten optimal. Sommerer zeigt Sinn für sinnlich ausgekostete Klangflächen.

So wie er gemeinsam mit dem türkischen Pianisten Özgür Aydin vor der Pause in den ersten beiden Sätzen von Beethovens Es-Dur-Klavierkonzert op. 73 überzeugend nach lyrischen und klangsatten Vorboten der Romantik suchte. Nur das Finale geriet dadurch etwas zu sämig und brav.

www.sh-landestheater.de

Von Christian Strehk

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