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Festivalklang in der Elbphilharmonie

SHMF Festivalklang in der Elbphilharmonie

Das Modewort „cool“ ist reichlich in die Jahre gekommen. Und im Jazz ist es schon weit länger ein Begriff. Es kommt einem aber in den Sinn, wenn man erlebt, wie der Bernstein-Preisträger Christopher Park als Einspringer für Tzimon Barto bei seinem Debüt in der Elbphilharmonie zu Werke geht.

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Großer Auftritt: Das Festivalorchester und der Chor unter der Leitung von Christoph Eschenbach in der Elbphilharmonie. Am Flügel: Christopher Park.

Quelle: Claudia Hoehne

Hamburg. Gleich den ersten Akkordschlag und die erste Blue-Note-Wendung in George Gershwins Concerto in F nutzt der Pianist zu einer Farbexplosion und groovender Gestaltungsfreiheit. Allenfalls im Finale spürt man die Erdenschwere, sich in zwei Tagen ein technisch anspruchsvolles Solokonzert „draufzuschaffen“, das man zuletzt vor einem halben Dutzend Jahre in den Fingern hatte. In den ersten beiden Sätzen begeistert der Bamberger jedenfalls restlos mit einer wunderbar frech, frei und filigran swingenden Interpretation – deren Feintuning er mit Chopins cis-Moll-Nocturne op. posth. noch „con gran espressione“ die Krone aufsetzt.

In seinem Mentor Christoph Eschenbach hat der 30-Jährige zudem am Pult einen optimalen Partner. Denn der Maestro mag ja ganz von deutsch-romantischer Tradition geprägt sein, als Chefdirigent in Philadelphia und zuletzt in Washington D.C. hat er offenbar aufgesogen, wie man Gershwins kunstvoll angejazzte US-Symphonik aus den Wilden Zwanzigern optimal aufs Parkett bringt.

Wieder ist es mehr als erstaunlich, auf welches Niveau in Sachen Zusammenspiel und verdichteter Klangkultur der jungdynamisch wirkende 77-Jährige die im orchestralen Format letztlich ja völlig unerfahrenen jungen Musiker des Schleswig-Holstein Festival Orchesters in kurzer Probenzeit gebracht hat.

Das gilt dann auch für die noch heikleren Beiträge zum Maurice-Ravel-Schwerpunkt des diesjährigen SHMF. Hinein mischt sich immer wieder der von Nicolas Fink einstudierte Schleswig-Holstein Festival Chor. Er begeistert mit warm strömenden, aufblühenden chorsinfonischen Klang. Das dreistündige, bejubelte Konzert schließt mit Ravels Jahrhundert-Hit, dem Boléro, als Zugabe.

Von Christian Strehk

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