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Kultur SHMF : Wie klingt Heimat? - Interview mit Peter Lund
Nachrichten Kultur SHMF : Wie klingt Heimat? - Interview mit Peter Lund
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19:15 04.08.2009

Und er muss es wissen, denn sein aktuelles Projekt Grün ist die Heimat. Aber wie klingt grün? kommt am 6. August im Rahmen des SHMF-Länderschwerpunktes Deutschland auf die Bühne der Musik- und Kongresshalle Lübeck. Zur Begriffsklärung spannt der gebürtige Flensburger das Konzert von den großen Orchesterklängen des 19. Jahrhunderts über Filmmusik des DDR-Klassikers Paul und Paula über

Die Geierwally und Winnetou bis zum Sandmännchen. Ausgehend von den Heimatfilmen der 50er und 60er Jahre begibt er sich gemeinsam mit der Südwestdeutschen Philharmonie Konstanz, Dirigent Frank Strobel und drei Schauspielern auf eine musikalische Spurensuche und bringt dabei die deutsche Filmgeschichte umfassend zum Klingen.

Was bedeutet Heimat für Sie?

Als „Quasi-Exilant“ in Berlin weiß ich, dass das kindliche Heimatgefühl eine starke Verwurzelung mit der Landschaft und der Lebensform ausmacht. Ich glaube, es ist sehr zentral, in welchem Familienverbund man aufgewachsen ist. Das gibt ein Heimatgefühl, bei dem man weiß: hier bin ich zuhause. Das kann aber überall auf der Welt entstehen, wenn es ähnliche Bedingungen gibt. Dieses großstädtische Heimatgefühl, das man sich angeeignet hat, ist selbst gestaltet. Daran hänge ich eigentlich noch mehr und bin stolz darauf.

Kann man in einem Land, das 40 Jahre lang geteilt war und in dem viele der „Heimat“ mit Skepsis begegnen, unbefangen darüber nachdenken?

Bei der Recherche zu unserem Projekt ist uns klar geworden, was man eigentlich schon weiß: dass der Begriff Heimat in unglaublich viele Facetten zerfällt. Am Anfang ist es vielleicht die Landschaft, in der man aufgewachsen ist. Zahlreiche sozialtheoretische Abhandlung zeigen aber, dass der wirklich emotionale Heimatbegriff relativ wenig damit zu tun hat, woher man kommt, sondern mit wem und in welchem gesellschaftlichen Verbund man lebt. Oft entsteht Heimat auch erst als Gefühl, wenn man sie nicht mehr hat. Das sind alles Aspekte, die in unserem Bühnenprojekt anklingen werden. Der Begriff wird immer wieder neu beleuchtet. Und am kritischsten da, wo er zu deutsch-nationalen, revanchistischen Gefühlen und Taten geführt hat und missbraucht wurde.

Ist es einfacher Heimat mit Musik zu erklären? Und wie klingt dieses merkwürdige Wesen?

Auch hier sind wir von mehreren Ansätzen ausgegangen. Nicht umsonst soll unser Projekttitel an den Heimatfilm Grün ist die Heide erinnern. Wir wollten die mit diesem Genre verbundene Musik auf die Bühne bringen, die ja sehr symptomatisch und durch den Orchesterklang des 19. Jahrhunderts geprägt ist. Sie besitzt teilweise großartige Qualität. Auf der anderen Seite haben wir die gefühlte Heimat und Musik, die zur Heimat wird durch Melodien aus

Winnetou, Sandmännchen, Raumpatrouille Orion oder Paul und Paula. Für Lübeck haben wir natürlich auch Die Buddenbrooks dabei. Das sind Klänge, mit denen man sofort ein Lebensgefühl verbindet. Dem gegenüber steht die UFA-Entwicklung, bei der wunderbare Musik schändlich missbraucht wurde.

Wie bringen Sie diese Puzzleteile zusammen auf die Bühne?

Grundlage war die Qualität der Musik, denn wir haben ein großartiges Orchester und einen Dirigenten, der geübt ist im Umgang mit Filmkompositionen. Dramaturgisch aufbereitet haben wir den Abend durch drei Schauspieler. Der erste vertritt in Form eines Produzenten den kommerziellen Machbarkeitsaspekt der Branche. Der Komponist-Schauspieler kämpft immer wieder um die Eigenständigkeit der Musik und vertritt den anti-nationalistischen Standpunkt. Und Daniela Ziegler reagiert als Publikum oder öffentliche Meinung auf das Geschehen. Dadurch wird transparent, was für Theorien und Ideologien dahinter stecken, und was daraus entstanden ist. Das Publikum bekommt dadurch hoffentlich einen lustvollen Erkenntnisgewinn.

Haben Sie durch die intensive Beschäftigung mit dem Begriff eine eindeutige Antworten auf die Frage „Wie klingt Heimat?“ finden können?

Heimat klingt immer wie das, was man häufig gehört hat. Man muss es erlebt haben, nur dann wird es zur eigenen Heimat. Daher sind die Klänge für jeden unterschiedlich. Aber man könnte sicherlich jede Melodie zur Heimatmusik machen, wenn man sie einem Kind oft genug vorspielt. Natürlich gibt es daneben kollektive Momente, die wir in unserem Projekt aufblättern in der Hoffnung, dadurch Überraschungsmomente zu erzeugen.

www.shmf.de

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