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Finanzdrama "Junk" erstmals auf deutsch

Schauspielhaus Hamburg Finanzdrama "Junk" erstmals auf deutsch

Nach den Dramen "Geächtet" und "The Who and The What" ist "Junk" das dritte Drama von Pulitzer-Preisträger Ayad Akhtar, das am Deutschen Schauspielhaus Hamburg seine deutsche Erstaufführung hatte. Jan-Philipp Gloger hat den Wirtschaftskrimi in Szene gesetzt.

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Die alte und die neue Ordnung im Clinch: (v.li.) Samuel Weiss, Ernst Stötzner und Jan Peter Kampwirth.

Quelle: Sinje Hasheider

Hamburg. „Das hier ist eine Geschichte über Könige, oder was man heutzutage so für Könige hält“, kündigt Wirtschaftsreporterin Judy an und meint die Finanzaufsteiger, die Mitte der Achtziger entdeckten, wie sich aus Schulden (Junk) über sogenannte Schrottanleihen Geld machen lässt. Robert Merkin ist so ein Mastermind. Und er macht sich auf, das Familienunternehmen Everson Steel aufzukaufen.

Als kühles Glücksspiel hat Jan Philipp Gloger das Finanzdrama nach dem realen Fall des Aktienhändlers Michael Milken im Jahr 1985 inszeniert. Im flirrenden Stroboskoplicht und auf der von Marie Roth zur stilisierten Thronreihe verwandelten Bühne. Die lenkt den Blick auf das gut getunte Ensemble.

Das Spiel wiegt auf, dass das Stück bisweilen auch einen Hang zum Papierenen hat. Samuel Weiss‘ ist ein fulminant vielschichtiger Strippenzieher: smart, gierig, beweglich. Ein Zocker, den am Verlust von 15000 Arbeitsplätzen vor allem interessiert, wie der Kollateralschaden auf ihn zurückwirkt. Götz Schubert zeigt den Finanzmagnaten alter Schule Tresler als jovial pragmatischen Widerpart. Und Ernst Stötzners Firmenchef Tom Everson ist das ungläubige Opfer, das den Wettstreit der Geldgeier ausbaden muss.

Regisseur Gloger konzentriert das voluminöse Stück in einem Rausch von gut zwei Stunden. In denen sieht man eine Welt, die sich ihre eigenen Realitäten schafft. "Junk" ist nicht das erste Stück zum Thema, das im Kino etwa in "Wolf of Wall Street" oder kürzlich in der Fernsehserie "Bad Banks" verhandelt wurde. Aber die dem Film abgeschaute Unmittelbarkeit der Figuren wirkt auf der Bühne zusätzlich potenziert. Sie führen das Absurde wie das Unmenschliche vor an einem Wirtschaftssystem, das seit den Achtzigern zur Normalität geworden ist. 

Schauspielhaus Hamburg, Kirchenallee 39. 19., 23., 29. April. Karten: Tel. 040/248713, www.schauspielhaus.de

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