5 ° / 0 ° wolkig

Navigation:
Tschechows "Drei Schwestern" aufgemischt

Landestheater Schleswig Tschechows "Drei Schwestern" aufgemischt

"Nach Moskau, nach Moskau" treibt es die "Drei Schwestern" in Tschechows gleichnamigem, 1901 uraufgeführtem Bühnenklassiker. Wolfgang Apprich hat ihn im Landestheater auf die Bühne gebracht - und auch noch das Drama unter der Resignation inszeniert.

Voriger Artikel
Glücklich erfüllter Anforderungskatalog
Nächster Artikel
„Star Wars“: Was der erste Trailer über „Solo“ verrät

Die Monotonie des Alltags: (v.li.) Anne Franck, Lorenz Baumgarten, Uwe Kramer, Lisa Karlström, Manja Haueis, Timon Schleheck und Karin Winkler.

Quelle: Henrik Matzen

Schleswig. Der Regisseur setzt die Figuren erstmal aus auf einer Sofalandschaft, die sich unter einer breitwandigen Fensterfront genauso bühnenbreit dehnt (Ausstattung: Miriam Benkner). Hier kann man endlos Plätze wechseln, ohne dass sich Grundsätzliches ändert. Heiter ermattet tröpfelt bald das Personal herein. Die Schwestern hängen sich auf die Polster. Tschebutykin, der alte Arzt, kommt dazu. Tusenbach, der Soldat, der Irina liebt, und Soljony, der das auch tut. Und im lockeren Geschnatter vibriert erstmal die Erwartung: Eine neue Kompanie ist in der Stadt, ein neuer Oberst aus Moskau, eine Idee von Aufbruch.

Aufgeregt unaufgeregt flirren sie durch ihre Sehnsüchte und die Monotonie des Alltags, so beiläufig wie Tschechows müde, vom Leben angefasste Helden das zu tun pflegen. Manja Haueis' Irina eine beharrliche Melancholikerin mit verhangenem Blick. Karin Winklers Olga immer ein großes Stück zu laut, zu schrill vorgeführt. Und Mascha breitet Lisa Karlström wunderbar zwischen Apathie und Agonie aus. Eine hellsichtige Träumerin, die pendelt zwischen der Ehe mit dem Lehrer Kulygin (Simon Keel), bei dem handzahm und häusliche Gewalt dicht beieinander liegen, zur Verheißung eines anderen Lebens mit dem Oberst.

So läuft der Abend erstmal locker wie eine Sitcom. Und so neu-tschechowisch könnte es bleiben in seiner Trägheit und kühlen Stilisierung. Aber Apprich will noch etwas mehr, will das Drama unter der Resignation zeigen. Die enttäuschten Hoffnungen von Mascha, der Frust von Olga, die vom Leben erledigte Romanze – und die ganze bösartige Natascha, die Alexandra Pernkopf in eine Art cholerischen Schwiegermutter-Modus steigert. Alles muss raus nach der Pause. So kennt man sie gar nicht, Tschechows Helden. Bis sie am Ende wieder auf dem Sofa hocken - der Aufbruch in Trümmern, das Leben ein langer ruhiger Fluss. Und die ganze Aufregung umsonst.

Schleswig-Holsteinisches Landestheater. Weitere Vorstellungen: 9.2., 11.+15. 3. (FL), 15.2. (NMS), 24.2., 22.4. (RD). www.sh-landestheater.de

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
Ruth Bender
Kulturredaktion

Mehr aus Kultur 2/3