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Kultur Showtime mit Khalid Bounouar im Schloss
Nachrichten Kultur Showtime mit Khalid Bounouar im Schloss
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21:41 26.09.2018
Von Kai-Peter Boysen
Unterhaltsam-intensive Interaktion mit dem Publikum: Khalid Bounouar im Kieler Schloss. Quelle: Björn Schaller
Kiel

Er verrät, dass er den bei Hochzeiten üblichen Autokorso schwänzte, weil er früher nur einen Twingo fuhr oder in Marokko nur marokkanisches Arabisch spricht, um nicht zu Touristenpreisen einkaufen zu müssen und bereitet locker das Feld für den Hauptakteur des Abends: Khalid Bounouar, vielen sicherlich bekannt durch das TV-Format Rebell Comedy und die dazugehörigen Tourneen.

Markenzeichen: Die Fliege am Kragen

Showtime ist das erste Soloprogramm des 28-jährigen Sprösslings eines marokkanisch-algerischen Elternhauses, dessen Markenzeichen die Fliege am Kragen ist. Mit „Mein Anzug sitzt“ bringt er mit einer Prise Soul den leichten „Hauch von Las Vegas“ nach Kiel, wie in der Ankündigung versprochen. Die Kernkompetenz von Bounouar ist aber sicherlich die Fähigkeit zur Interaktion mit dem Publikum; und das setzt sich auf Nachfrage aus Kurden, Türken, Libanesen, Albanern („Wusste ich, ich hab draußen Schubkarre und Bohrmaschine gesehen“) Deutsch-Russen, Marokkanern („Wie seid ihr hergekommen? Geschwommen?“) und („Bio-“)Deutschen zusammen.

Fähigkeit zur Selbstironie

Es geht hier aber nicht um Trennendes oder um das zweifellos oft schwierige Dasein eines Migrantenkindes, sondern um die Fähigkeit zur Selbstironie, ums Comedy-typische Erzählen von selbst erlebten Alltagsgeschichten und Beobachtungen, über die alle gemeinsam lachen können. „Ich wollte schon immer anders sein“, erzählt er, „ich hab Gedichte geschrieben, die anderen haben Fussball gespielt. Die anderen wollten Kfz-Mechaniker werden – ich auch – aber bei Mercedes, nicht bei BMW“. Durch geschicktes Fragen und seine Schlagfertigkeit hat er bald ein Publikumsensemble beisammen, das später immer wieder für Gags herhalten muss – oder darf, denn Khalid Bounouar strahlt so viel positive Energie aus, dass man ihm nicht böse sein kann. Bei seinen Themen wie Angeln, ellenlange sinnfreie Sprachnotizen, Shisha-Bars oder „o dschi, original german“-Phänomene wie das Servieren von heißem Wasser und Teebeutel statt eines Tees bleibt die Politik außen vor.

Spannend ist dann aber das Zitat aus einer Rede des sachsen-anhaltischen AfD-Landesvorsitzenden Poggenburg, in der dieser, wenn auch in angeblich satirischem Kontext, von „Kameltreibern“ und „Kümmelhändlern“ spricht. Dem stellt Bonouar entlarvend gegenüber, wie die Rede eines auf demselben niedrigen Niveau parlierenden Türken klänge: klägliches Gefasel. Viel nachhaltiger sind die eigenen Worte des Aacheners, der „Vorbild“ sein und bei den migrationshintergründigen Besuchern ein Bewusstsein ihrer Möglichkeiten schaffen möchte: „Du kannst machen, was Du willst“ wiederholt er mehrmals. Und sei es, ein sympathischer Comedian zu sein, der, wie geschehen, einem Deutschen im Publikum Türkisch beibringt.

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