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Kultur Bis ein Song zu Tränen rührt
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19:10 14.06.2016
Von Thomas Bunjes
Intensiver Gesang, der vom zarten Falsett bis fast zum Gebrüll reichte: Ryan O'Reilly. Quelle: bos: Björn Schaller
Kiel

Doch egal, welches Thema er wählt: Der irischstämmige, im Süden Englands aufgewachsene und momentan in Berlin beheimatete Singer/Songwriter beweist, dass seine Herkunft ihm das gesungene Geschichtenerzählen zur Gitarre wohl in die Wiege gelegt hat.

 Besagtes Love Is sitzt offenbar noch nicht richtig, denn O’Reilly verspielt sich, muss es gleich nach den ersten Versen abbrechen. „Sorry, I fucked it up“, entschuldigt er sich mit schiefem Lächeln im offenen Gesicht, und schiebt mit trockenem Humor hinterher: „Which is a good metaphor for love ...“ – lautes Lachen im Rund. Wie viele von O’Reillys Songs, so atmet auch dieser das traditionelle irische Folk-Songwriting, das sich im reduzierten Vortrag zur Akustikgitarre noch stärker offenbart als in den eher stärker nach Americana klingenden Studioversionen mit seiner Band, mit der er übrigens im Mai auch in einer deutlich größeren Location, in der Hamburger Prinzenbar, zu hören war.

 Intensiv, kräftig, charaktervoll und beweglich vom zarten Falsett bis zum fast gebrüllten Gesang, trägt O’Reilly seine Songs vor. Übertreibt es gelegentlich live ein wenig mit den Schluchzern im Kehlkopf, die er in den Songs auf seinen EPs und seinem exquisiten, Anfang Mai erschienenen Debütalbum The Northern Line kaum hören lässt. Viel ist in den Liedern vom Verlassenfühlen die Rede, etwa wenn O’Reilly fleht „Stay with me, remain with me, stay with me tonight“ oder im starken, mit besonders heftigem Beifall bedachten Song November ergreifend ein ums andere Mal wiederholt: „I’m afraid.“

 Die letzte Ballade des Abends, Boats Against The Current, auch letzter Song auf dem Album, singt Ryan O’Reilly unverstärkt mitten im Publikum. Was ihre Wirkung aber offenbar noch verstärkt. Denn schon bald fließen bei einer Zuhörerin Tränen der Rührung. Eine Freundin tröstet sie.

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