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Kultur Songs mit Sogwirkung
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14:23 09.01.2016
Von Beate Jänicke
Sofia Talvik bei ihrem Konzert im Statt-Café in Kiel. Quelle: Björn Schaller
Kiel

Schon einige Male war die Schwedin in Kiel zu Gast, und jedes Mal wächst ihre Fan-Gemeinde weiter an. Zu Recht, kann man nur sagen, wenn man erlebt, mit welcher Präsenz sie die Bühne ausfüllt. Im Hippiekleid und Schlapphut schnallt sie sich den Schellenkranz um die Cowboy-Boots, mit denen sie später rhythmisch stampfend das perkussive Fundament unter ihre Songs legt. Ansonsten begleitet sie ihren Gesang nur mit der Western-Gitarre. Von Ehemann Jonas Westin mit Effekten schön raumgreifend und atmosphärisch mit viel Hall zum vibrierenden Twang beflügelt. Dabei gilt: Sofias Stimme ist und bleibt der strahlende Mittelpunkt.

Wirkmächtig kann sie mit ihrer Stimme spielen. Kann seelenvoll modulieren wie im vorwärts trabenden „Cold, Cold Feet“, bei dem sie das Publikum zum animierten Background-Chor formt. In hypnotischen Schleifen verleiht sie ihrem Gesang Sogwirkung. Sie kann americana-inspiriert sehnen, wie in „Give Me A Home“, ein Lied vom Abschied und Aufbruch. Entstanden – wie die meisten ihres neuen Albums „Big Sky Country“ – auf ihrer eineinhalbjährigen Tour mit dem Camping-Bus durch 37 (!) Staaten der USA. Eine wahre Ochsentour für einen Musiker, von der sie zehrt, was Songideen und Performance beweisen: Locker plaudert sie zwischen den Stücken, erzählt Geschichten von der Reise, vom rhythmischen Trommeln des Regens auf das Autodach, das sie nachts weckte und zum Songschreiben drängte.

Andre Stücke wirken stilistisch offener, wie „The Garden“ vom Album „The Owls Are Not What They Seem“, angelehnt an Sofia Talviks Lieblingsserie „Twin Peaks“, das düsterer mit hart gezupfter Basssaite und sphärisch kippendem Gesang daherkommt. Natürlich sind die Songs auf den Studio-Alben noch unterfüttert, mit Drums oder auch mal einem Banjo, aber bei der Live-Soloversion kommt man dank Sofias gesanglicher Qualität absolut auf seine Kosten.

Besonders andächtig wird die Stimmung, als sie, a cappella, verteilt über den Abend einige traditionelle skandinavische Folksongs interpretiert. Wie das wunderschöne, aus dem 16. Jahrhundert stammende „Min Ros, Min Lilja“, das sie puristisch mit glasklarer Stimme vorträgt. Da wird hautnah spürbar, wie sich die Nähe vieler skandinavischer Songwriter zur amerikanischer Folkmusik begründet. Ist der American Folk doch entstanden aus den Musiktraditionen verschiedener Einwanderer – nicht zuletzt der Skandinavier. Dazu passt auf ganz besondere Weise auch Sofia Talviks letzte Zugabe, ein Lied über die schwedischen Auswanderer aus dem 19. Jahrhundert mit dem Titel „Emigrantvisa“, ein berührende Erinnerung, die gerade wieder hochaktuell erscheint.

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