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Kultur Sehnsüchtig auf der „Straße der Ameisen“
Nachrichten Kultur Sehnsüchtig auf der „Straße der Ameisen“
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15:37 02.06.2018
Von Ruth Bender
Zwischen Sehnsucht und Alltag: (v. Li.) Claudia Friebel (Tochter), Jasper Diedrichsen (Freund), Claudia Macht (Großmutter) und Ellen Dorn (Mutter). Quelle: Olaf Struck
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Kiel

Sie sitzen da wie im Wartestand: Großmutter, Mutter, Tochter und deren Freund. Dicht gedrängt auf ihrem Sofa reden sie von einer Schneeflocke unterm karibischen Himmel, der Sehnsucht, die Welt von oben zu sehen, oder einfach die nächste Folge der Telenovela. Und vom Großvater, der 42 Jahre auf ein Paket wartete - das nun kommt ...

Irgendwo zwischen Müllkippe und Traumland schweben die Bilder (Bühne: Lars Peter) mit dem glitzernden Plastikflaschenmeer im Hintergrund. Und zwischen Traum und Realität bringt Ulrike Maack das 2015 in Havanna uraufgeführte Stück zum Schweben. Mit minimalen Mitteln malt die Regisseurin das Familienporträt aus zu einer Fabel von Sehnsucht und Enttäuschung.

Karge Sätze, Wiederholungsschleifen

Dabei lässt Schimmelpfennig die Figuren in kargen Sätzen weniger miteinander reden, als sich quer durch Räume und Zeiten selbst erzählen. In Erinnerungen und Wiederholungsschleifen, als wollten sie ihre Träume der Welt einschreiben. Und Ulrike Maack kann sich dabei auf vier gut getunte Darsteller verlassen, in dem Ellen Dorn (Mutter) und Claudia Macht (Großmutter) mit ihrem beiläufigen Spiel hervorstechen.

In dem Paket finden die vier nichts weniger als ihre eigenen Sehnsüchte, versteckt in den Gegenständen, die plötzlich magische Wirkung entfalten. Ihre Besitzer reich machen - und krank.

Schimmelpfennig ist hier auch Moralist; aber seine Dystopie wogt federleicht durch den Raum, angetrieben von einer stillen Trauer, die auch ihre komischen Seiten hat. Dazu nimmt Ulrike Maack das märchenhaft Irreale darin so selbstverständlich wie den Realismus, und so hebt dieser kleine intensive Abend immer wieder locker ab, bevor ihn einer der Protagonisten brutal in die Wirklichkeit zurückholt.

Programm:

Schauspielhaus Kiel, 6., 7., 13., 15., 22., 23. Juni. Kartentel. 0431/901901, www.theater-kiel.de

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