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Kultur Syrischer Künstler malt Wandgemälde
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00:18 17.03.2013
Von Maren Kruse
Khaled al Khani mit "The Beginning" in der Kunsthalle Kiel Quelle: Frank Peter, www.frank-peter.de
Kiel

Der erste Eindruck, der sich in dem Raum einstellt, der Alt- und Neubau der Kunsthalle verbindet, ist Intensität und eine von innen heraus leuchtende Wärme. Ist das eine antike Agora, wo sich die Menschen versammeln, wo sie hitzig debattieren, die Khaled al Khani hier aufeinandertreffen lässt? Ein arabischer Riad mit Innenhof und den umlaufenden Galerien? Und überhaupt, was erzählen die schemenhaften Gestalten, die sich da unter den Rundbögen begegnen, sich drängen, einander zu- oder abwenden oder von oben herab auf die anderen schauen? Khaled al Khani, 1975 in Hama in Syrien geboren, musste 2011 aus seiner Heimat fliehen. Seitdem lebt er im Pariser Exil. Als Junge erlebte er 1982 die Zerstörung seiner Heimatstadt durch die Truppen Hafis al-Assads, des Vaters des jetzigen Machthabers. Sie ermordeten al Khanis Vater auf bestialische Weise, nachdem sie ihm die Augen ausgestochen hatten. Zwischen 10000 und 30000 Zivilisten, so die Schätzungen, verloren damals ihr Leben.

 „Heute male ich, um meine Schmerzen zu heilen“, sagt al Khani im Gespräch mit Kunsthallendirektorin Anette Hüsch. Seine Kunst und auch sein Raum für Kiel sei eine Art Heimat, die er mitgenommen habe. Eine Heimat, die in diesem Wandbild nicht idealisiert wird. Sie lässt alte Geschichten aufscheinen, spricht von Gegenwart, lässt Farben wie Blut strömen, lässt Mythen anklingen oder Musik klingen in der Figur eines Flötenspielers, richtet den Blick nach unten, wo Leblose liegen oder Frauengesichter durch Gitter blicken. Eher Gefühle als Konkretes teilen sich hier mit. Man solle sein Land riechen können, sagt der Künstler.

 Für westliche Augen sei das eine fremde Bilderwelt, sagt Maren Welsch vom Kunstverein und verweist auf das islamische Bilderverbot. Dass auch dieses differenziert zu betrachten ist, lässt sie in ihrem Katalogtext nicht unerwähnt. Khaled al Khani hält sich offenbar an die überlieferten Regeln, wenn er sein Personal wie Schattenfiguren auftreten lässt. Diese Wesen sind zeitlos, agieren zwar ohne Gesichter und ohne jegliche Körperlichkeit, sind aber dennoch präsent. Mit Acrylfarben in unterschiedlichen Schichten hat er die Wände bemalt. Immer wieder rahmen oder begrenzen architektonische Elemente die Komposition. Zuweilen scheint es, als wolle der Maler den drängenden und widerstreitenden Massen dadurch jenen kulturellen Halt verordnen, der heute angesichts des grausamen Bürgerkriegs verloren scheint.

 Ob er denn noch Hoffnung für sein Land habe, wurde der Künstler gestern gefragt. Wenn sich die internationale Gemeinschaft engagiere, werde es ein kurzes Ende nehmen, meint al Khani. Und genau diese Gemeinschaft sei es, die den arabischen Staaten im Umbruch den Weg zu Demokratie zeigen müsste. Dass al Khani die Hoffnung nicht aufgeben mag, dafür gibt es im Übrigen auch in dem von ihm ausgemalten Raum einen Fingerzeig. Ein Rund im Zentrum der Decke hat er weiß ausgespart. „Der Himmel, das Licht“, sagt er und lenkt den Blick nach oben. Das mag pathetisch klingen für unsere Ohren, aber deshalb nicht weniger glaubwürdig.

 www.kunsthalle-kiel.de

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