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Kultur Tacheles geredet: Berliner Kunsthaus endgültig geräumt
Nachrichten Kultur Tacheles geredet: Berliner Kunsthaus endgültig geräumt
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13:06 04.09.2012
Das Kunsthaus Tacheles wird geräumt. Quelle: Marc Tirl

"In art we trust" - wir vertrauen auf die Kunst, skandiert die 57-jährige Trashkünstlerin Adler A.F. mit Tränen in den Augen. Aber es nützt alles nichts mehr: Dienstag Punkt acht Uhr übergibt Linda Cerna als Sprecherin des Kunsthauses Tacheles dem Gerichtsvollzieher Olaf Schmalbein die Schlüssel. "Wir weichen der Gewalt. Wir sind mit unseren Kräften am Ende", sagt Cerna.

Mit der gerichtlich verfügten Zwangsräumung des Tacheles geht ein jahrelanger Kampf zu Ende. Das Kunsthaus, eine gut 100 Jahre alte denkmalgeschützte Kaufhausruine mit Ateliers, Werkstätten und Theater, stand seit langem unter Zwangsverwaltung. Der letzte Eigentümer hatte das insgesamt 25 000 Quadratmeter große Grundstück in ein mondänes City-Center verwandeln wollen, geriet aber in finanzielle Schieflage. Die HSH Nordbank will als Hauptgläubiger das Filetstück in Berlin-Mitte an einen neuen Investor verkaufen - allerdings ohne Tacheles-Künstler.

"Das ist Kunstraub unter Polizeischutz", wettert der langjährige Vereinschef und Konzeptkünstler Martin Reiter, als am Dienstag ein Dutzend Polizisten in dicken Schlagwesten den Gerichtsvollzieher ins Gebäude geleiten. Die verbliebenen Künstler hatten angekündigt, auf "Gewaltfestspiele" zu verzichten. Sie sitzen inmitten letzter Habseligkeiten draußen auf dem Bürgersteig. Einer spielt auf dem Saxofon melancholischen Blues, zwei schwarz verkleidete Männer summen den Trauermarsch.

Raum für Raum geht Schmalbein durch das Gebäude, versiegelt die Türen. Über und über sind die Wände mit Graffiti bedeckt, letzte Bilder hängen herum, an eine Wand hat jemand geschrieben: "Malen kann ich überall. Bis gleich." 40 bis 60 Leute arbeiteten zuletzt noch in dem Haus, das nach der Wende von ostdeutschen Künstlern besetzt und so vor dem Abriss gerettet worden war. Viele wollen nach Angaben von Cerna im Stadtteil Neukölln ein "Tacheles im Exil" aufmachen, ganz wenige planen noch gerichtliche Schritte.

Schon früher hatte es auch zwischen den Künstlern immer wieder Differenzen gegeben. Ihr Verein musste 2009 Insolvenz anmelden, weil er sich mit Mietnachforderungen von mehr als 100 000 Euro konfrontiert sah. Im vergangenen Jahr ließ sich eine Gruppe, die die Gastronomie im Haus betrieb, für eine Million Euro "rauskaufen". Eine Woche später ließ der Zwangsverwalter den Hauptdurchgang zum angrenzenden Grundstück mit einer drei Meter hohen Mauer verriegeln.

Das einzig erfreuliche an der Sache sei, dass im Grundbuch eine kulturelle Nachnutzung für das Tacheles festgeschrieben sei, hatte Staatssekretär André Schmitz (SPD) noch am Montag im Kulturausschuss des Abgeordnetenhauses erklärt. Sobald es einen neuen Besitzer gebe, werde sich die Verwaltung bei diesem für das Anliegen einsetzen. "Wir werden Schmitz beim Wort nehmen", kündigte Grünen-Kulturexpertin Sabine Bangert am Dienstag an. Vorerst sind die Türen geschlossen.

dpa

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