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Kultur „Sing und weine nicht!“
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14:02 22.07.2018
Lübeck

Dass sich der große Junge am Lagerfeuer der großen Gefühle ganz unter diesen Poncho flüchtet, sein Liedauswahl in Bariton-Lage kaum einmal tenoralen Höhenglanz fordert, werden böse Zungen der nur halb überstandenen Stimmbandkrise zuschlagen. Aber wie gekonnt Villazón das singt, wie ehrlich empfunden die Emotionen dabei wirken, ist beeindruckend.

Spanische Volkslieder von Manuel de Falla

Hohe Kunst ist bereits klar, wenn die "Sieben spanischen Volkslieder" von Manuel de Falla gedrechselt werden. Zumal Villazóns hypersensible Partnerin, die kanadische Pianistin Carrie-Ann Matheson, den Steinway-Flügel wie eine spanische Windharfe oder eine Flamenco-Gitarre klingen lässt.

Reise ins eher Unbekannte

Von de Fallas „Ay!“ aus beginnt eine spannende Reise ins eher Unbekannte, zum zarten Duft von Federico Mompou und bis zu den leicht skurrilen Windungen der "Canciones clásicas espanolas" von Fernando Obradors.

Schauspielerisches Talent Villazóns

Dem schauspielerischen Talent des 46-jährigen spielen dann die amüsant angeschrägten "Fünf Kinderlieder" nach García Lorca vom mexikanischen Komponisten Silvestre Revueltas in die Hände. Und traumverloren strömt hierzulande völlig unbekanntes lateinamerikanisches Lied-Repertoire von Guastavino, Ginastera, Nepomuceno oder Calvo.

Mexikos heimliche Nationalhymne als Zugabe

Im Zugabenblock bleibt der Mittelamerikaner konsequent bei seiner Melancholie-Linie, kippt aber mit "Cielito lindo", der heimlichen Nationalhymne der Mexikaner, seinen Holsteiner Fans schließlich doch noch einen Tequila hinter die Mitsängerbinde: „Ay, ay, ay, ayaaaaa ...! Canta y no llores!“ – Sing und weine nicht!

Von Christian Strehk

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