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"Bericht für eine Akademie“ vor Premiere

Theater Die Komödianten "Bericht für eine Akademie“ vor Premiere

Mit dem "äffischen Leben" hat Rotpeter eigentlich nichts mehr am Hut: Seit fünf Jahren forciert er seine Menschwerdung. Drei Lektionen gibt es, um die Durchschnittsbildung eines Europäers zu erlangen: Den offenen Handschlag, Rauchen und, nun ja, sich wie ein Mensch mit Schnaps zu berauschen.

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Keine Verständigungsprobleme bei der Kafka-Probe: Austausch-Regisseur Artjom Terjochin und Schauspielerin Anke Pfetschinger im Theater Die Komödianten.

Quelle: Björn Schaller

Kiel. Doch natürlich ist alles ein wenig komplizierter als die drei banal anmutenden Lektionen suggerieren. „Die meiste Mühe machte mir die Schnapsflasche. Der Geruch peinigte mich; es dauerte Wochen, bis ich mich überwand“. Träumerische Klaviermusik vom Smartphone des Regisseurs säuselt aus einer kleinen Bluetoothbox, während Anke Pfletschinger als Affe Rotpeter vor einer Akademie hoher Herren Bericht abstattet über das „äffische Leben“. 

Kafka liebt es lang - das erschwert das Text lernen

20 Minuten lang probt Anke Pfletschinger ihr abschließendes Monologspektakel im Kafka-Stück "Ein Bericht für eine Akademie": "Für mich ist das der schwierigste Part, um ihn in den Kopf reinzubekommen", erklärt die Schauspielerin kopfschüttelnd. "Kafka liebt es ja lang. Er baut Satzstrukturen über zehn Zeilen."

Terjochin achtet auf Feinheiten. Er coacht seine Darstellerin, erarbeitet die richtige Grundstimmung mit ihr, "wie ein Maler, der noch an der richtigen Farbe mischt", erklärt er ihr auf Englisch. Es ist eine außergewöhnliche Produktion, die am kommenden Donnerstag Premiere im Theater Die Komödianten hat: Der junge Austausch-Regisseur vom Tilsit-Theater im russischen Sovetsk spricht kaum Deutsch, die Darstellerin kein Russisch. Und trotzdem habe die Sprachbarriere aufgehört zu existieren: "Wir haben viel Zeit damit verbracht, dass wir einander über das eigene Leben erzählt haben. Mir war es wichtig, die innere Welt von Anke zu verstehen, und dass sie meine versteht." Darin sieht Terjochin auch das Hauptziel der Aufführung: Man müsse versuchen, etwas über sich selbst zu verstehen.

Öffentliche Proben vor der Premiere

Der Kulturaustausch ist für Petra Bolek in zweierlei Hinsicht lohnend: "Künstler können international arbeiten und das Publikum hat die Möglichkeit, anderes zu erleben." Und das sogar schon vor der Premiere: Auch Dienstag wird um 19 Uhr öffentlich geprobt, am Mittwoch um 11 Uhr erneut. Im Anschluss können die Zuschauer mit Hilfe einer Dolmetscherin mit Artjom Terjochin und Anke Pfletschinger sprechen.

Premiere am 19. April, 20 Uhr, Theater Die Komödianten, Wilhelminenstraße 43, Karten: 16, erm. 10 Euro, Reservierung: 0431/553401, www.komoedianten.com

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