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Kultur Theater aus der Restmülltonne
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00:00 20.04.2012
Von Ruth Bender
Wollen das Theater in die mitten in die Stadt tragen: Anne Maase, Janette Mickan, Björn Paetz und Tobias Rausch (v. l.) Quelle: ehr - Marco Ehrhardt
Kiel

Eine Schweigekapsel, die in der Holstenstraße oder auch im Schauspielhaus-Foyer stehen wird und in der sich paarweise zu unterschiedlichen Themen schweigen lässt. Logbücher, die mit einem GPS versehen durch die Stadt vagabundieren, und eine Restmülltonne, in der die Kieler verbal ihren Unmut abladen können: die lunatiks, gestern bei der Pressekonferenz vertreten durch Kuratorin Janette Mickan, Björn Pätz (Organisation) und Regisseur Tobias Rausch, wollen die Stadt im Verein mit dem Kieler Theater nicht nur erkunden, sondern auch ein bisschen aufmischen. Zwischen „metaphorischem Ort“, an dem sich Stadt und Theaterkunst treffen, und „Forschungseinrichtung“ sehen die Theatermacher ihr RADAR.Institut. „Wir wollen dazu möglichst viele Kooperationspartner in der Stadt zusammenbringen und verschiedene ästhetische Erscheinungsformen ausprobieren“, so Tobias Rausch.

Aus den Logbüchern, in denen Kieler von ihrem Alltag erzählen können, soll am Ende in einer Marathonlesung im Schauspielhaus eine Art Stadttagebuch entstehen. Die Restmülltonne könnte eine „Affekt-Oper“ ergeben. Und am Werftpark-Theater will das Kollektiv, das sich seit zehn Jahren dem Recherche-Theater verschrieben hat, in der kommenden Spielzeit Jugendliche zu Spionen ausbilden (Urban Scouts), die unterschiedliche Felder der Stadt erforschen – von der Türsteher-Szene bis zum Kleingartenverein. Daneben sind auch zwei eher klassische Bühnenproduktionen geplant. In „Traumstadt Kiel“ soll sich aus Bürgerwünschen und –träumen eine bühnenreife Utopie entwickeln (2. März 2013). Unter dem Titel Burn Out – Dope In will man mit Sportlern den Mechanismen von Hochleistungssport und Hochleistungsgesellschaft nachspüren (Spielzeit 2013/14).

„Eine schöne Entwicklung“ freuen sich Generalintendant Daniel Karasek und Dramaturg Jens Paulsen über den Geldsegen vom Bund. Der ermöglicht nicht nur die Fortsetzung der nach drei Recherche-Stücken (“Statisten des Skandals“, „Einsatzspuren“, „Die Erben des Felix Krull“) bewährten Zusammenarbeit mit lunatiks produktion. Er eröffnet auch reichlich Raum für den Versuch, das Theater in die Stadt zu tragen; ein Experiment, mit dem das Kieler Schauspiel in der Reihe Blind Date, dem Festival Flächenbrand oder Produktionen wie Schonzeit in einem Schuppen am Kanal schon länger Erfahrungen sammelt.

„Uns geht es darum, künstlerische Freiräume zu ermöglichen, die mit den Bordmitteln der Theater nicht zu machen sind“, erklärt Anne Maase von der Kulturstiftung. Der neue Fonds Doppelpass soll der kontinuierlichen Zusammenarbeit zwischen einem festen Haus und einer freien Gruppe zugutekommen; und da passte das Kieler Projekt (als eins von 17 geförderten und 65 eingereichten) mit seiner „stadtspezifischen Theaterarbeit“ und der „Untersuchung einer Stadt mit Mitteln des Theaters“ ins Konzept. Inhaltliche Vorgaben macht die Stiftung nicht. „Wir wünschen uns eine Entwicklung“, sagt Anne Maase, „und ein Erfolg ist das Projekt, am Ende weder das Haus noch die Stadt auf ähnliche Projekte verzichten wollen.“

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