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Kultur Theodor Plieviers Revolutionsroman
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19:00 12.02.2018
Von Ruth Bender
Wachholtz-Verleger Olaf Irlenkäuser hat den Revolutionsroman von Theodor Plievier (auf dem Foto im Hintergrund) zum Jubiläum neu aufgelegt. Quelle: Marco Ehrhardt
Kiel

Minuziös rekonstruiert der in Berlin geborene Schriftsteller, wie die allgemeine Unzufriedenheit in eine revolutionäre Stimmung umschlägt. Und wie die nach der Verhaftung der Meuterer vom Flottenstandort Wilhelmshaven gen Norden schwappt und in Kiel zur Bildung von Arbeiter- und Soldatenräten führt.

„Ein wichtiges Stück Literatur“, sagt Verleger Olaf Irlenkäuser, der das Buch wieder entdeckt hat und im Jubiläumsjahr des Kieler Matrosenaufstands im Wachholtz-Verlag herausbringt. „In dem Dokumentarroman ist Kiel das Zentrum, in dem sich im November 1918 Geschichte entschied.“ Aus den Quellen hat Theodor Plievier dafür ebenso detailreich geschöpft wie aus dem eigenen Erleben als Matrose; Kiel kannte er als Heizer auf dem kaiserlichen Hilfskreuzer „SMS Wolf“, der 1914/15 400 Tage lang über die Meere vagabundierte. Anfang der Dreißiger hat er einige Monate in Kiel recherchiert, auch in den Kieler Neuesten Nachrichten.

So malt "Der Kaiser ging …" die letzten Tage der Monarchie und des bereits verlorenen Krieges ebenso wie die Meuterei der Matrosen für „Frieden, Freiheit und Brot“. Vom Einsatzbefehl bis zum Ausrufen der Republik durch den Sozialdemokraten Philipp Scheidemann am 9. November 1918. Mitten aus dem Geschehen heraus, im hastigen Präsenz geschrieben, macht Plievier die Geschichte lebendig. Er collagiert Flugblätter, Redenprotokolle und Zeitungsberichte, dramatisiert und ergänzt: „Große Menschenmassen bewegen sich durch die Straßen – Matrosen, Werftarbeiter, Frauen… Über den Wilhelmplatz, durch die Holstenstraße und Dammstraße marschieren die Kolonnen: Richtung Feldstraße! Richtung Arrestanstalt!“

Plievier hat ein Gefühl für die brodelnde Stimmung, und man spürt, wie sich aus dem Chaos eine Bewegung formt. „Hier ist kein Roman! Hier ist ein Dokument“: So charakterisierte Plievier selbst das Buch, ein „Versuch, Geschichte zu schreiben“. Zur Neuausgabe hat der Literaturwissenschaftler Walter Arnold, der Plievier bereits in Kiel literarisch integrierte, ein Leporello geschrieben, das kenntnisreich die historische Entwicklung aufdröselt und ein Bild gibt von Plieviers rebellischem Geist.

Theodor Plievier: Der Kaiser ging, die Generäle blieben. Ein deutscher Roman. Wachholtz Verlag, 382 Seiten, 24 Euro.

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