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19:03 20.11.2016
Von Sabine Tholund
Zum Thespis-Abschluss gab es drei erste (Geld-)Preise, erneut von den Kieler Nachrichten gestiftet, sowie drei besondere Anerkennungen der Jury und einen Preis der Festivalleitung: Thespis-Preisträger 2016 sind (v.li.) Vladimir Petrovich (1. Preis, für Elena Dudich, „Secondhand-Zeit“), Yaser Khaseb (1. Preis, „Mysterious Gift“), Stephen Ochsner („The Maxims of Peter Pockets“), Nozomi Satomi (1. Preis, „A Life in my Bag“), Souad Janati („Mira“) und Mateusz Nowak („Von vorne und von hinten“). Quelle: EN; Erik Nielsen
Kiel

Abschiedsstimmung schwang bereits am frühen Abend im Schauspielhaus mit, wo vor der Aufführung von „Koba/Stalin“ noch das eine oder andere Erinnerungsfoto geschossen wurde. Dann war der Litauer Aleksandras Rubinovas an der Reihe. Das Stück, das ein Pseudonym Stalins im Titel trägt, blickt aus der Perspektive eines engen Vertrauten zurück auf eine Jugendfreundschaft, die mit Stalins Aufstieg zum Diktator eine jähe Wendung nimmt. Mit unsicheren Schritten schlurft Rubinovas alias Fudzi über die Bühne – ein alter, gebrochener Mann, der zu den melancholischen Klängen georgischer Volksweisen in seinem armseligen Haushalt hantiert. Stockend ist seine Sprache, wenn er die guten gemeinsamen Jahre von Koba und Fudzi Revue passieren lässt und sich in Gedanken an die Zeit nach dem Sieg der Revolution immer wieder verstohlen die Tränen aus den Augenwinkeln wischt. Von Freunden und Weggefährten erzählt er, die in Stalins Lagern verschwanden wie er selbst, der den einstigen Freund zu fürchten lernt, wie niemanden je zuvor. Und der sich von ihm dennoch nach seiner Freilassung kaufen lässt, getrieben von einer Mischung aus alter Zuneigung, Angst und Erleichterung. Eindringlich ist dieses Spiel, geprägt von einer Atmosphäre aus Ohnmacht, Wut und Scham – begeisterter Applaus ein angemessener Dank.

 Schauplatzwechsel in die Pumpe, wo Pip Utton als „Adolf“ eine Satire servierte, bei der das Lachen im Halse stecken blieb. Bereits 2003 hatte der Brite bei Thespis in nahezu perfektem Hitler-Mimikry geglänzt. Mit einer aktualisierten Version außerhalb des Wettbewerbs setzte er einen famosen Schlusspunkt unter das Festival. In Kostüm und Maske dem Österreicher genauso anverwandelt, wie in der aufbrausend zornbebenden Körpersprache, redet dieser Adolf dem Publikum ins Gewissen und erläutert Strategien zur Manipulation des Volkes durch wirksamen Aufbau von Feinbildern – schaurig, wie aktuell das alles ist. Richtig gruselig wird es, als der Schauspieler, befreit von Kostüm und Maske, scheinbar als Privatmann ins Plaudern gerät – ein lustiger Zeitgenosse, der en passant die aktuelle Weltlage von Brexit bis Trump kommentiert und dabei schleichend zum Wutbürger mutiert. Und plötzlich ist sie wieder da, die zornbebende Körpersprache des Österreichers. „Meine Stimme ist heute überall zu hören“, sagt dann der eben noch so harmlose Jedermann leise. „Du musst mich nur einlassen. Den Rest besorgt sich dann von selbst.“ Monodrama – ganz groß.

 

 Die Thespis-Preisträger 2016

 Zum Thespis-Abschluss gab es drei erste (Geld-)Preise, erneut von den Kieler Nachrichten gestiftet, sowie drei besondere Anerkennungen der Jury und einen Preis der Festivalleitung: Thespis-Preisträger 2016 sind Vladimir Petrovich (1. Preis, für Elena Dudich, „Secondhand-Zeit“), Yaser Khaseb (1. Preis, „Mysterious Gift“), Nozomi Satomi (1. Preis, „A Life in my Bag“) sowie Stephen Ochsner („The Maxims of Peter Pockets“), Souad Janati („Mira“), Rebecca Vaughan („I, Elizabeth") und Mateusz Nowak („Von vorne und von hinten").

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