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Kultur In Ravels Kristallkugel geschaut
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16:20 02.07.2017
Die französische Pianistin Hélène Grimaud glänzte unter der Leitung von Thomas Hengelbrock mit Ravels Klavierkonzert.
Lübeck

Die zweite Suite aus der raffiniert abgemischten Ballettmusik Daphnis und Chloé schillert und flirrt reichhaltig. Und das NDR Elbphilharmonie Orchester erreicht vielleicht nicht die allerletzte Brillanz und Traumschönheit, wirkt aber quecksilbrig beweglich und hat tolle Soli zu bieten (wie vom leider nicht namentlich genannten Flötisten).

All das passt hervorragend zu der Glasperlen-Interpretation des mit Jazz-Anklängen à la Gershwin gewürzten G-Dur-Klavierkonzerts des reifen Ravel, auch wenn die Elbphilharmoniker hier im Vorkonzert noch letzte Genauigkeit in Rhythmikreflexen und Bläserintonation vermissen lassen. Hélène Grimaud festigt ihren Ruf als Idealbesetzung am Flügel. Der beinahe perkussiven und souverän virtuosen Clarté in den bisweilen skurril aufblitzenden Tonkaskaden der Ecksätze stellt die 48-Jährige eine wunderschön versonnene, melodisch frei atmende Ruheinsel im langsamen Mittelsatz gegenüber. Selbst wenn der Steinway im rasanten Forte etwas hart klingt: Faszinierender kann das kompakte Meisterwerk von 1931 wohl kaum vorüberfliegen.

Nach der Pause wendet Hengelbrock den Blick zurück in die „Belle Epoque“ der Musikmetropole Paris, zu den Wurzeln Ravels. Auffällig prägnant fächert der Dirigent auch hier die spätromantischen Wagnerismen und mächtig orgelnden Register des dreisätzigen d-Moll-Kolosses von César Franck auf. Das hat allerdings auch seinen Preis: Es fehlt an auratischem Parfüm und die dynamischen Höhepunkte reihen sich ein wenig penetrant grell aneinander.

Von Christian Strehk

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