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Kultur Überraschungen beim Leipziger Buchpreis
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15:08 08.02.2018
Die Jury hat sich durch Berge von Büchern gelesen. Quelle: dpa
Leipzig

Tausende Seiten hat die Jury für den Preis der Leipziger Buchmesse gelesen, wochenlang diskutiert und verworfen – jetzt hat sie sich auf eine Shortlist verständigt.

Die Belletristik-Liste ist voller Überraschungen: Isabel Fargo Cole mit „Die Grüne Grenze“, Esther Kinsky mit „Hain. Geländeroman“, Georg Klein mit „Miakro“ sowie Matthias Senkel mit „Dunkle Zahlen“.

Als Überraschung auf der Liste für den renommierten Buchpreis geht der Debütroman von Anja Kampmann („Wie hoch die Wasser steigen“) ins Rennen.

Hier gibt es die Nominierten in der Belletristik im Überblick:

Von populären Autorennamen oder Bestsellerlisten lässt sich auch in diesem Jahr die Jury nicht verleiten. „Unsere Kriterien sind: Was macht der Autor mit der Sprache, wie originell sind Thema und Gestaltung, wie hoch ist der literarische Anspruch und das intellektuelle Niveau“, betont die Vorsitzende der siebenköpfigen Jury, Kristina Maidt-Zinke.

Von renommierten Autoren enttäuscht

Die Juroren seien bemüht, den Kunstaspekt im Blick zu behalten. Nicht selten sei man, wie schon im Vorjahr, von renommierten Autoren enttäuscht. Dennoch freue man sich, „wenn einer unser Preisträger auf die Bestsellerliste kommt, aber das ist nicht unser vorrangiges Ziel.“

Der Leiter des Literaturhauses Hamburg, Rainer Moritz, ist von der Ausgewogenheit der Shortlist angetan: „Die Liste der Jury ist eine Wundertüte, in die bewusst viel Überraschendes hineingeworfen wurde.“

Es sei eine ausgewogene Auswahl, die nicht langweilig erscheine. Am meisten überrascht habe ihn die Nominierung von „Die Grüne Grenze“ von Isabel Fargo Cole, deren Roman bereits im vergangenen Herbst erschienen ist. „Das ist ein Zeichen, dass die Jury den Markt genau durchforstet.“

Der Literaturkritiker Hubert Winkels, der bis 2015 selbst Jury-Chef in Leipzig war, bezeichnet die Belletristikliste gar als wagemutig.

Georg Klein hat den Preis bereits 2010 erhalten

„Bei drei nahezu Neulingen kommt der Mut der Jury durch, etwas Neues zu entdecken.“ Lediglich Georg Klein mit „Miakro“ sei keine Überraschung, schließlich habe der Augsburger bereits 2010 den Leipziger Buchpreis gewonnen.

Winkels’ Favorit ist jedoch Esther Kinsky mit „Hain. Geländeroman“. „Es ist eine Italienreise als Requiem.“ Darin macht die Hauptfigur, nach dem Tod ihres Mannes, die Reise durch Italien, die das Paar gemeinsam nie geschafft hatte. „Sie bewegt sich durch das Land wie durch einen großen Friedhof. Ein todtrauriges, aber wunderschönes Buch“, schwärmt Winkels.

Das Alleinstellungsmerkmal des Leipziger Buchpreises ist laut Winkels jedoch die Hervorhebung der Sachbücher und Übersetzungen. Bei den Sachbüchern hat etwa das vieldiskutierte Buch „Die Gesellschaft der Singularitäten“ von Andreas Reckwitz die Chance auf den Preis.

Der Bezug zum Osten fällt auf

In der Sparte Übersetzungen sticht die dreibändige Werkausgabe von Laurence Sterne, aus dem Englischen übersetzt von Michael Walter, hervor.

„Gerade die Übersetzer sind für unsere Kultur enorm wichtig. Schließlich erfahren wir nur über sie etwas über andere Völker und Kulturen“, sagte Winkels. Auffällig ist in diesem Jahr zudem der besondere Bezug zum Osten. Nicht weniger als sieben nominierte Bücher und Übersetzungen beziehen sich auf Geschichten von dort.

Der Preis der Leipziger Buchmesse ist mit insgesamt 60 000 Euro dotiert, die Sieger in den drei Kategorien erhalten jeweils 15 000 Euro. „Die Jury wird sich nun in die Shortlist-Titel vertiefen. Die Entscheidung über die Preisträger fällt dann kurz vor der Verleihung am 15. März“, erläutert die Jury-Vorsitzende Maidt-Zinke.

Von Nina May/RND/dpa

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