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Kultur Ulrich Schulte-Wülwer nimmt seinen Abschied in Flensburg
Nachrichten Kultur Ulrich Schulte-Wülwer nimmt seinen Abschied in Flensburg
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18:52 25.11.2009
Flensburg

1944 wurde der aus einer Bremer Familie stammende Ulrich Schulte-Wülwer im niedersächsischen Meppen geboren. Nach dem Studium der Kunstgeschichte in Münster, Berlin und Kiel, das er 1974 mit der Promotion abschloss, kam er noch im gleichen Jahr als Kustos an das damalige „Städtische Museum für Kunst- und Kulturgeschichte für das Herzogtum Schleswig“ nach Flensburg. 1983 wurde er sein Direktor, und vor sieben Jahren ernannte Ministerpräsidentin Heide Simonis den Chef des inzwischen zum „Museumsberg“ erweiterten Hauses zum Honorarprofessor.

Herr Schulte-Wülwer, fällt Ihnen der Abschied schwer?

Ja und nein. Einerseits ist es doch völlig klar, dass ich mich dem Haus, in dem ich mein ganzes Berufsleben verbracht habe, auch emotional verbunden fühle. Als ich 1974 kam, war ich der jüngste Mitarbeiter, heute bin ich der älteste. Damals hatten wir ja nur das Heinrich-Sauermann-Haus mit seinen kultur- und naturgeschichtlichen sowie volkskundlichen Sammlungen. Die Bildbestände im Magazin konnten wir bis auf ein paar Nolde-Bilder kaum zeigen. Erst als 1997 das Hans-Christiansen-Haus auf dem Museumsberg dazu kam, hatten wir Gelegenheit, die Bestände vorwiegend schleswig-holsteinischer Kunst des 19. und 20. Jahrhunderts zu zeigen und zu erweitern. Anderseits freue ich mich auf neue Aufgaben. Ich bin ehrenamtlicher Vorstandsvorsitzender der Stiftung „Museum Kunst der Westküste“ und berate Frederik Paulsen, den Museumsstifter. Mit meiner Pensionierung kann ich mich jetzt auf diese Arbeit, die mir viel Freude macht, konzentrieren. Außerdem berate ich Frederik Paulsen und die Regierung des Königreichs Bhutan im Himalaja auch beim Aufbau eines Textil- und Volkskundemuseums. Zu tun werde ich also genug haben und keine Zeit finden, in ein schwarzes Loch zu fallen.

Werden Sie dem Flensburger Museumsberg als Berater erhalten bleiben?

Ganz sicher nicht. So etwas tut man nicht. Mein Nachfolger muss ohne Reinreden den Kurs bestimmen können und würde sich das auch gar nicht gefallen lassen. Und es ist sicher gut, dass nach 35 Jahren neue Impulse kommen, und die wird er unter Garantie geben. Anderseits bin ich natürlich stolz, dass wir mit Michael Fuhr vom Museum Leopold in Wien einen erfahrenen und erfolgreichen Museumsmann für die Position gewinnen konnten. Dass bis zum dortigen MuseumsQuartier unser Ruf als gutes Haus gedrungen ist, macht mich glücklich und zeigt, dass wir all die Jahre auf dem richtigen Weg waren. Und wie gesagt, ich bin sicher, dass Michael Fuhr diesen guten Ruf nicht nur verteidigen, sondern auch ausbauen wird.

Wenn Sie zurückdenken, was war die schönste Erfahrung, und was hat sie am meisten geärgert?

Am schönsten war sicherlich, dass meine Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen und ich hier in Ruhe arbeiten konnten. Dass wir große Ausstellungen auf die Beine stellen konnten, die weit über unsere Region hinaus wahrgenommen wurden. So konnten wir etwa in Zusammenarbeit mit der Stadt Zürich eine über die geborene Flensburgerin und Dada-Künstlerin Emmy Ball-Hennings realisieren. Wir haben Goya gezeigt und Max Liebermann. Emil Schumacher hat eine Ausstellung bekommen und Kain Tapper. Das sind Künstler von Weltrang, dass wir die hier zeigen konnten, macht mich stolz. Und dass wir zu vielen Ausstellungen wie zuletzt zu Sehnsucht nach Italien handbuchartige Kataloge erarbeiten und herausbringen konnten, ist auch nicht mehr selbstverständlich. Überhaupt, dass ich neben meiner organisatorischen Arbeit immer auch Zeit für wissenschaftliche Beschäftigung fand, macht mich froh.

Und ärgerlich?

Sicherlich das leidige Thema Geld. Als städtisches Museum bekommen wir keinen Pfennig vom Land wie etwa Gottorf oder die Kunsthalle Kiel. Aber ich muss in Dankbarkeit sage, dass die Stadt Flensburg immer ihr Möglichstes getan hat, den Betrieb am Laufen zu halten. Doch dass ein Museumsmann wie die Fernsehleute „Quote machen“, dass er auch den Eventmanager spielen und Sponsoren auftreiben muss, gehört sicher nicht immer zu den angenehmen Seiten des Berufs.

Eröffnung der Fayencen-Ausstellung „Baltic Rococo“ am Sonntag, 29. November um 11.30 Uhr. Internet: www.museumsberg-flensburg.de

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