Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Kultur Uraufführung von "Assassinate Assange" in Hamburg
Nachrichten Kultur Uraufführung von "Assassinate Assange" in Hamburg
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:05 28.09.2012
Schauspieler Yuri Englert bei der Fotoprobe von "Assassinate Assange". Quelle: Markus Scholz/dpa

n. Doch die Autorin und Regisseurin, verheiratet mit dem Maler Daniel Richter, erfüllt sie dann nur teilweise. Der renommierte Künstlergatte hatte zur Uraufführung auf Kampnagel in Hamburg am Donnerstagabend T-Shirts mit dem Assange-Porträt bemalt, die zu 200 Euro für einen guten Zweck erhältlich sind.

Doch die eineinhalbstündige biografisch-dokumentarische Collage über den Begründer der Enthüllungsplattform WikiLeaks bleibt bruchstück- und skizzenhaft wie die Gesichter auf den Unterhemden: Angela Richter umkreist ihr Thema mehr, als dass sie dem angesammelten Recherchematerial eine Richtung oder dramaturgische Struktur gibt. So bleibt die Chance ungenützt, der brisanten und aktuellen Geschichte eines verfolgten Rebellen schlüssige und spannende szenische Form zu geben.

Richters Idee zum Projekt ist brillant, aber die Vorgeschichte wirkt interessanter als das Ergebnis. Sie hatte den achten und letzten Platz bei einem konspirativen Benefizessen mit und für Julian Assange und dem kroatischen Philosophen Slavoy Zizek für 1600 Euro im Internet ersteigert, konnte es filmen und bekam Kontakt zum verfolgten "Staatsfeind". Mehrmals telefonierte die Regisseurin mit Assange, stellte ihm 300 Fragen und besuchte ihn schließlich in seinem "Exil-Gefängnis" in der Londoner Botschaft von Ecuador.

Davon berichtet sie auch live auf der Bühne, während Assange in Affengestalt spricht oder im Video zu sehen ist. Im Wortlaut benutzt Richter dann auch Aussagen und Verhörprotokolle im Verfahren wegen sexuellen Missbrauchs, um Wahrheit zu vermitteln, spielt aber zugleich mit Verfremdung. Man hört, dass Assange offenbar ein Frauenheld ist, aber man hätte lieber mehr von seinem Denken und Weltbild erfahren. Assange wird in Schweden wegen Vergewaltigungsvorwürfen gesucht. Er harrt seit mehr als 100 Tagen in der Botschaft Ecuadors in London aus.

Der WikiLeaks-Gründer spricht über die Vereinheitlichung von Information durch das Internet und die Medien und kritisiert deren "massenhafte Standardisierung des Menschen", was die Enthüllungsstrategien von WikiLeaks zu verhindern versuchen. Doch dann springt Richter zum Brief einer Männerfeindin an Interpol, lässt von Greueltaten im Irak-Krieg und einer abstrusen Verpflanzung von Saddam Husseins Gehirn erzählen, Lieder singen oder die Affenhorde herumtänzeln.

So zerfällt das Stück zusehends in Einzelteile, die sich jedoch nicht zu einem Ganzen fügen. "Assassinate Assange" wird letztlich dem umstrittenen Kämpfer für Transparenz und Wahrheit in der Politik und Gesellschaft, der schillernden Figur und dem "Supernerd" nicht gerecht. Warum den Nerds die Zukunft gehören soll, bleibt weiterhin offen.

dpa

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Mit dem ersten öffentlichen Konzert auf der Baustelle der Elbphilharmonie beginnt am Samstagabend das Hamburger Theater-Festival. "In 37 Meter Höhe auf der Plaza der Elbphilharmonie können die Besucher ein einmaliges Konzert erleben", hatte Intendant Nikolaus Besch angekündigt.

28.09.2012

Mit Kaschmir als erster Station hat die cineastische Weltreise beim Filmfest Hamburg begonnen. Der idyllische Dal-See in der indischen Provinz Kaschmir ist Schauplatz des Beitrags "Valley of Saints" von Musa Syeed, mit dem das Festival am Donnerstagabend seine Eröffnung feierte.

28.09.2012

Spott dürfte als Werbemethode bei den Nobel-Juroren in Stockholm wohl nicht so gut ankommen.Während die Schwedische Akademie dieser Tage über den Literaturnobelpreis 2012 entscheidet, höhnte das US-Internetmagazin "Huffington Post": "Der Countdown für das jährliche Vorbeigehen an Philip Roth hat begonnen.

28.09.2012
Anzeige