Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Kultur Verdis "Falstaff" in Salzburg umjubelt
Nachrichten Kultur Verdis "Falstaff" in Salzburg umjubelt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:13 30.07.2013
Elisabeth Kulman (Mrs.Quickly) und Ambrogio Maestri als Sir John Falstaff in Salzburg. Quelle: Barbara Gindl
Salzburg

Das sehen die Zuschauer auf einer Großleinwand, ehe der Prospekt durchsichtig und der Blick frei wird auf das Innenleben des Hauses: schwere, etwas altmodische Sitzmöbel und natürlich ein Verdi-Porträt. Dieser Ort mit seinen exzentrischen Bewohnern ist selbst eine Art Opernbühne und kein schlechter Platz für die umjubelte Neuinszenierung von Verdis "Falstaff" am Montagabend bei den Salzburger Festspielen.

Im Ambiente des Seniorenheims erlebt man die turbulente Komödie um den veramten, aber immer noch für alle irdischen Versuchungen aufgeschlossenen Edelmann Sir John Falstaff als den nächtlichen Traum eines alternden Sängers. Dieser hat früher selbst den Falstaff verkörpert und zehrt im Ruhestand von seinen Erfolgen. Immer wieder verschwimmen die Grenzen zwischen der Realität des Altenheims und den imaginierten Ausschweifungen, denen sich der nimmersatte Künstler hingibt.

Der italienische Regisseur Damiano Michieletto, der in Salzburg im vergangenen Jahr eine stilsichere "Bohème" mit Anna Netrebko realisierte, hält seine Idee bis zum Schluss durch, ohne dabei verkrampft zu wirken. Es gelingen ihm originelle Bilder, wie der Zimmerpflanzen-Wald aus Gummibäumen und Yuccapalmen, zwischen denen die vom liebestollen Falstaff hintergangenen Windsor-Weiber samt Anhang dem fettleibigen Schürzenjäger eine mitternächtliche Lektion erteilen - Beerdigung auf dem Altenheim-Sofa inklusive.

Die festspielwürdige Aufführung von Verdis Spätwerk, das in seinem abgeklärten Charakter mit den großen dramatischen Verdi-Opern nur wenig zu tun hat, hätte noch mehr glänzen können, wenn die Wiener Philharmoniker unter Zubin Mehta nicht fast durchweg zu laut gespielt hätten. Mehta ließ das Blech dröhnen, was dem filigranen Geflecht von Verdis Wunder-Partitur nicht gut tat. Erst in der Nachtszene im dritten Akt fand der Dirigent zu einer etwas differenzierteren Spielweise.

Glücklicherweise verfügt der erfahrene Bariton Ambrogio Maestri über eine derart mächtige Stimme, dass er die Klangwogen aus dem Orchestergraben mühelos zu übertönen vermochte. Maestri ist auch rein körperlich der geborene Falstaff, ein hünenhaftes Schwergewicht, neben dem Mehta beim finalen Applaus fast zierlich wirkte. Buhfreier Jubel für alle Beteiligten, vor allem auch für den schmachtenden Tenor von Javier Camarena als Fenton und den anrührenden Sopran von Fiorenza Cedolins als Mrs. Alice Ford. Zum Schluss verschwand Maestri kurz hinter der Bühne, um seine Senioren-Strickjacke abzulegen und im klassischen Renaissance-Gewand wieder zu erscheinen. Da hatte der Vollblut-Mime endgültig die Herzen des Publikums erobert.

dpa

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Die Bayreuther Festspiele hatten noch vor der Aufführung gewarnt: "Verehrte Besucher, wir weisen Sie darauf hin, dass es im 2. Aufzug zu einem lauten Bühneneffekt (Gewehrsalve) kommt", heißt es auf Hinweisschildern, die vor der Premiere von Richard Wagners "Siegfried" im Foyer des Festspielhauses hängen und sogar auf den Toiletten.

30.07.2013
Kultur Festivalorchester - Semyon Bychkov probt Wagner

Die Stimmung schwankt in der ACO Thormanhalle: Bedrohlich scharfe Jagdhörner-Fanfaren schmettern aus dem Nebenraum herüber, auf der Bühne schauern nächtliche Schatten, bald schwellen sehnsuchtsvolle Leidenschaften. Semyon Bychkov, nach 2006 erneut Leiter einer Probenphase bei der SHMF-Orchesterakademie, studiert den zweiten „Aufzug“ des Musikdramas Tristan und Isolde von Richard Wagner ein.

Dr. Christian Strehk 29.07.2013

Michael J. Fox (52) wird bei seiner Rückkehr ins Fernsehen Privat- und Fernsehleben kräftig durcheinandermischen. Bei der im September startenden "The Michael J.

29.07.2013
Anzeige