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Kultur Verschmitzt: Paeffgen-Werke im Landesmuseum Schloss Gottorf
Nachrichten Kultur Verschmitzt: Paeffgen-Werke im Landesmuseum Schloss Gottorf
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18:39 21.08.2009
Schleswig

Es ist eine leichte Schau, die man genießen kann, ohne die Stirn in kunstwissenschaftlich vergrübelte Falten zu legen. Paeffgen ist ein Schelm, ein Künstler, dem nichts ernst oder gar heilig zu sein scheint. Eine flüchtig hingemalte Maus vor einem Matisse-Signet erklärt er zum Matisse-Fan, ein Arrangement aus weiß gestrichenen Obstkisten zur Brüsseler Spitze, ein zur Schleife gebundenes Kabel vor grünem Bildgrund nennt er schlicht Grünes Schleifchenbild.

Zeitungsfotos berühmter Persönlichkeiten vergrößert er beinahe bis zur Unkenntlichkeit, zieht die Umrisse der Figuren mit feisten Linien nach und degradiert die Dargestellten durch die extreme Abstraktion zu plumpen Dummies. Seine Kunst scheint an Deutlichkeit kaum zu übertreffen. „Doch vor Hintersinn sei gewarnt“, so Thomas Gädeke, stellvertretender Direktor des Hauses. „Paeffgen ist ein ausgesprochener Kauz, humorvoll und verschmitzt.“

Seit Mitte der 60er Jahre begleitet der gebürtige Kölner, der zehn Jahre nach dem Abschluss seines Jurastudiums als Autodidakt zu malen begann, mit seiner Kunst die Zeitgeschichte. Tagesaktuelle Szenen und Ereignisse pickt er sich heraus und stellt sie durch ironische Brechung in neue Kontexte. Dabei geben vermeintlich harmlose Textzeilen Hinweise auf die Identität der Personen, die in Gruppen oder einzeln für die Zeitungsfotografen posieren: Ein nichtssagende Eierkopf entpuppt sich als Helmut Kohl zugehörig, der scharf Gescheitelte ist Hellmut Schmidt. Ein Zeitungsfoto von Karl Kubisch, bekannt als Unterdrücker der Schwarzen in der ehemaligen Kolonie Deutsch-Südwest, verfremdet Paeffgen 1968 durch sein markantes Lineament und rahmt das durch bizarre Runzeln entstellte Konterfei mit den Zeilen: „Damals siegten noch die Weißen. Heute ist Karl Kubisch 96 und lebt von den Erinnerungen.“

Paeffgen macht vor niemandem Halt. Ob Josef Stalin oder Monica Lewinsky, John F. Kennedy, Willy Brandt oder Michael Jackson - auf stille, leichte Art zieht er sie alle durch den Kakao. Bis in die Gegenwart reichen seine eigensinnigen Kommentare, darunter auch so abstrakte Botschaften wie der lichtlose Halbmond über dem roten Schriftzug „Krise“ von 2008 oder das Bild mit sechs Nullen vor dem Komma, denen die nüchterne Feststellung: „viel kein Geld“ beiseite gestellt ist.

Einen zweiten Schwerpunkt der so sehenswerten wie unterhaltsamen Schau bilden die Objekte des heute 76-Jährigen - kuriose, verspielte, verrückte Arbeiten, zusammengefügt aus vielen kleinen Readymades, die mit Draht umwickelt sind. Zu stelenartigen, farbigen Wandobjekten gebündelt oder als amorpher Haufen übereinander getürmt, finden Alltagsgegenstände, Wohlstandsmüll und Kinderspielzeug zu ungewohnter Einheit und erhalten durch die metallisch schimmernden Umwicklungen unvermutet ästhetischen Reiz.

www.gottorf.de

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