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Kultur Vor der Premiere im Kieler Werftparktheater: Sobries Monolog „Titus“
Nachrichten Kultur Vor der Premiere im Kieler Werftparktheater: Sobries Monolog „Titus“
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00:00 05.05.2011
Titus, Theater im Werftpark mit Thomas Bosch. Regie: Camilla Schlie Quelle: >com.apple.print.
Kiel

Titus steht auf dem Dach seine Schule und liebäugelt mit dem Sprung in die Tiefe. Unten gafft die ganze Klasse, auch einige Lehrer und sein Vater haben sich eingefunden. Ihre eindringlichen Bitten, er möge doch herunterkommen, weist er wütend zurück, denn Titus hat die Nase gestrichen voll: Nicht genug damit, dass seine Mutter und seit kurzem auch seine Großmutter tot sind. Sein Vater, dem er quasi den Haushalt führt, hat nie ein Ohr für ihn und schickt ihn lieber zum Psychiater als selbst mit ihm über die paar Macken zu reden, die er sich angewöhnt hat. Und jetzt hat ihm auch noch seine Freundin den Laufpass gegeben.

Camilla Schlie, in der dritten Spielzeit am Werftparktheater beschäftigt, gibt mit der Inszenierung ihr Regiedebüt - und gleichzeitig ihren Abschied von Kiel. Im Sommer wechselt die studierte Kulturwissenschaftlerin, die in Hildesheim mit der Performance-Gruppe Turbo Pascal auf der Bühne stand, als Dramaturgin und Theaterpädagogin ans Junge Staatstheater Berlin. Auf Titus wurde sie beim Autorenforum Frankfurt aufmerksam, wo Sobrie in der Titelrolle eine szenische Lesung gab. Nicht nur seine Präsentation hat sie überzeugt: „Der Text ist unglaublich gut geschrieben, mit einem guten Rhythmus und voller Sprachwitz.“

Da der Autor nahezu komplett auf Bühnenanweisungen verzichtet, hat die Regisseurin gemeinsam mit Ausstatterin Stefanie Klie ein Szenario erfunden, in dem die Situation des Protagonisten sich ständig verändert. Auf dem durch ein graues Podest angedeutete Schuldach, das Klie mit rotweißem Flatterband abgesperrt hat, „um das Gefühl von erhöhter Aufmerksamkeit und Distanz zu erzeugen“, hält es Thomas Bosch alias Titus nur kurze Zeit. Schnell tritt er einen Schritt beiseite, schmeißt einen Sitzsack auf die Bühne und ist in seinem Zimmer, wo er sich per Kopfhörer mit Hip-Hop zudröhnt. „Als ich den Sitzsack hatte, wusste ich: So ist Titus“, sagt Stefanie Klie. Zusammen mit den für das Publikum gut hörbaren Hip-Hop-Songs ist das schwarze Möbel eine Beigabe, das dem Protagonisten eine zusätzliche persönliche Note beschert. „Die Musik passt zu Titus“, so Schlie, „da er selbst viel reimt und sich auch durch seine Sprachfähigkeit definiert.“

Für Thomas Bosch ist „Titus“ das erste Solo. „Ohne Dialogpartner und Stichwortgeber muss man sich irgendwie selbst helfen. Aber es macht Spaß, denn es ist einfach ein toller Text.“ Wie die Regisseurin ist er gespannt auf die Reaktion des Zielpublikums ab 12 Jahren. „Man muss sich beim Spielen Zeit für Pausen nehmen, damit die unterschiedlichen Situationen nicht einfach so durchrutschen und beliebig werden. Mal sehen, wie die Jugendlichen das aushalten.“

 

www.theater-kiel.de

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