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Kultur Die Tonne als Wundertüte
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00:33 08.06.2014
Fügen zusammen, was in den Tonnen ankam: Dirigentin Bettina Rohrbeck und Regisseur Christian Banzhaf. Quelle: ehr
Kiel

Zum Ende der zweijährigen Kooperation zwischen dem Theater Kiel und dem freien Performancekollektiv Lunatiks Produktion legen sich alle Beteiligten noch mal ins Zeug.

 „Das Projekt war in jeder Hinsicht völlig offen“, erzählt Regisseur Christian Banzhaf, der auch für die Konzeption verantwortlich zeichnet. „Es handelte sich um die erste thematisch nicht gebundene Recherche von Lunatiks. Eigentlich ein Blindflug“, so Banzhaf weiter. „Das ganze Vorhaben beruhte tatsächlich auf absoluter Freiwilligkeit“ ergänzt die musikalische Leiterin Bettina Rohrbeck. Demnach seien nicht nur die Tonbandaufzeichnungen aus der Tonne eine reine Wundertüte. Auch die an der Aufführung beteiligten Künstler aus Opern- und Schauspielensemble sowie dem Orchester hätten dies aus freien Stücken getan und ihre Musikvorschläge in den Topf geworfen. Banzhaf: „Das hieß für uns zunächst sammeln, sichten, sortieren und dann alles niederschreiben.“ Gemeinsam mit der Chefdramaturgin Cordula Engelbert, habe man versucht, aus all diesen Fragmenten Korrespondenzen zu erkennen und einen roten Faden zu entwickeln.

 Viele Scherze, einige Rüpeleien, Kommentare übers Wetter, feingeistige Aphorismen, philosophische Splitter, Lebensweisheiten. Affekt-Fragmente und ausbuchstabierte Leidenschaften hätten die Kieler von sich gegeben, erläutert Banzhaf. Daraus habe man dann eine klassische Drei-Akt Struktur gemacht: Der 1. Akt Was ich rede, ist nur Müll gehe über Müll allgemein; der 2. Akt Eine kurze Geschichte des Mülls sei als theoretische Aufladung des Themas zu verstehen; der 3. Akt Affekt und Reinigung beträfe dann die Lunatiks-„Kernkompetenz“.

 Für die musiktheatralische Weiterentwicklung dieses Konzept war Bettina Rohrbeck zuständig. „Der Einstieg war nicht einfach, aber nachdem die dramaturgische Struktur Gestalt angenommen hatte, kamen die musikalischen Ideen dann auch recht schnell. Man hat ja doch mittlerweile so viele Opern und Stücke im Kopf, die zu einer Stimmung oder einem Thema passen könnten. Hinzu kamen die vielen Vorschläge der Künstler selber“, sagt Rohrbeck und gibt ein plastisches Beispiel: „Dem Gegensatzpaar ’sauber und schmutzig’ haben wir mit ’Weia Waga’, der Szene mit dem hässlichen Zwerg Alberich und den reinen Rheintöchtern aus Wagners Rheingold musikalisch Gestalt gegeben.“

 Termine am 11. und 18. Juni, jew. 20 Uhr, Foyer Oper Kiel. Karten: 0431 / 901 901. www.theater-kiel.de

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