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Kultur Wandel und Begehrlichkeiten
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07:00 16.08.2013
Von Dr. Christian Strehk
Die Diskussion ist so alt, wie das Festival jung geblieben ist: Wo wird wieviel und was genau angeboten? Wo spielen die besonders teuren Stars, welche Räume bieten sich akustisch für welche Art von Musik an? In der Lübecker Intendanz gibt es eine große Tafel, die wie ein Flügelaltar den jährlichen Verteilungskampf anzeigt. Quelle: Nickolaus
Kiel

Die Diskussion ist so alt, wie das Festival jung geblieben ist: Wo wird wieviel und was genau angeboten? Wo spielen die besonders teuren Stars, welche Räume bieten sich akustisch für welche Art von Musik an? In der Lübecker Intendanz gibt es eine große Tafel, die wie ein Flügelaltar den jährlichen Verteilungskampf anzeigt.

 Begehrlichkeiten gibt es allerorten. Schließlich schmückt der Image-Gewinn, locken attraktive SHMF-Veranstaltungen Gäste an, die verzehren, vielleicht sogar vor Ort übernachten. Deshalb hat auch die Landesregierung gute Gründe, auf einer möglichst weit gefächerten Flächenbespielung zu bestehen. Denn schon 2009 hat eine seriöse Emnid-Studie gezeigt, dass die Subventionen des Landes (damals 1,7, heute 1,2 Millionen Euro) um den Faktor vier erhöht zurückfließen, weil die positiven wirtschaftlichen Effekte bei mindestens 6,67 Millionen Euro liegen. Dieses Geld kommt dann auch Regionen zugute, die es sonst nicht leicht haben.

 Die Bespielung zwischen den Meeren hat sich in den Jahren der Intendanz Rolf Beck verändert. Unsere Karte zeigt im Vergleich von zwanzig Jahren eine Verschiebung gen Osten und Süden sowie eine deutliche Zunahme im benachbarten Hamburg. Burkhard Stein, auch im kommenden Jahr Eins nach Beck Verwaltungsdirektor und Stellvertretender Intendant, sieht unvermindert „den Anspruch und die Verpflichtung, die Bespielung der Fläche in der Gesamtheit“ aufrecht zu erhalten. Denn: „Die Flächenbespielung prägt das Gesicht des SHMF.“

 Mit guten Gründen verwahrt sich Stein gegen den Eindruck, man ziehe sich an Lieblingsorte mit hoher Verkaufsgarantie zurück. Im Gegenteil: „Es gibt heute mehr Spielstätten denn je“, so Stein. Die Zahl sei von einst 54 auf 66, zwischenzeitlich sogar mal 87 hochgeschraubt worden, trotz des finanziell und logistisch oft hohen Aufwands.

 Flensburg hat es besonders extrem erwischt: Von ehemals acht ist noch ein einziges Konzert verblieben. „Das derzeitige Angebot innerhalb des SHMF wird der kulturellen Bedeutung Flensburgs und seinem Umland schon seit Jahren nicht mehr gerecht“, kritisiert deshalb auch Flensburgs Oberbürgermeister Simon Faber. Er stehe aber bereits „in gutem Dialog mit der neuen Festival-Leitung“, um weniger eine quantitative als eine qualitative Weiterentwicklung der Festivalpräsenz in Flensburg zu erreichen.

 Kulturministerin Anke Spoorendonk, als stellvertretende Vorsitzende des SHMF-Stiftungsrates in Mitverantwortung, sieht angesichts schwieriger wirtschaftlicher Rahmenbedingungen keinen Anlass für Kritik an der Flächenverteilung. Die Spielorte seien sogar von 35 auf bis zu 49 gestiegen. Allerdings wünscht sie sich mehr kleinere und attraktive Spielstätten in Flensburg, die eine hohe Auslastung gewährleisten.

 Hamburg bleibt für das SHMF attraktiv – nicht nur wegen der Elbphilharmonie, die eines schönen Tages mal fertig werden wird. Dort sind vielmehr potente Firmen ansässig, die als Konzertsponsoren einzelne Veranstaltungen finanzierbar machen. Burkhard Stein: „Wichtig ist dabei aber unser unumstößlicher Grundsatz: Keinerlei Geld darf aus Schleswig-Holstein nach Hamburg fließen!“ Ansonsten gelte es, die Begeisterung der Hamburger für das SHMF wach zu halten oder zu wecken. Was dann auch die spürbare Pflege des „Speckgürtels“ erklärt.

 Zu den Baustellen, die vom zukünftigen Intendanten Christian Kuhnt unbedingt beackert werden müssen, gehört ganz sicher die bessere Pflege der Ortsbeiräte und Vereinsmitglieder. Während Rolf Beck die treuen Fans und ehrenamtlichen Helfer geradezu lästig erschienen, machen sie doch den Stamm und ganz besonderen Charme des SHMF bei der liebevollen Künstlerbetreuung aus.

 Gefragt ist auch für die beliebten „Musikfeste auf dem Lande“ ein neues, kraftvolles Konzept. Denn von einst acht Wochenenden mit stolzen 32 Eventblöcken, die ihren Charme aus Chaos und Überraschungen bezogen, sind sie in diesem Jahr auf verschämte drei mit lediglich sechs festgezurrten Konzertblöcken zusammengeschrumpft.

 Nach wie vor für viele SHMF-Fans unbefriedigend erscheint das Problem der Kartenvergabe. Anders als im internationalen Musikbetrieb gewohnt, können im Vorverkauf keine bestimmten Plätze, sondern lediglich Preisgruppen gewählt werden – wobei noch nicht einmal transparent ist, welchen Zuschauer-Feldern der einzelnen Spielstätten diese tatsächlich zugeordnet sind. Doch was nicht ist, kann ja alles noch werden.

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