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Nachrichten Kultur Warum machen Sie Urlaub in Nordkorea, Damon Albarn?
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14:03 11.08.2018
Maulheld, Britpop-Ikone und Opernkomponist: Damon Albarn ist Frontman vieler Bands. Quelle: Maxppp

Köstlich. Genau das Richtige jetzt. Heute Vormittag brauche ich jedes Vitamin, das ich kriegen kann (trinkt einen kräftigen Schluck).

Warum das?

Wegen gestern Nacht! Normalerweise ist mein Leben recht ruhig und geordnet. Morgens stehe ich zeitig auf, mache Yoga, arbeite, esse, gucke mit der Familie Fernsehen und lege mich abends um 22 Uhr schlafen. Meistens jedenfalls. Gestern wurde es deutlich später, ich war mit Freunden unterwegs und habe anständig Sake und Wodka getrunken. Muss auch manchmal sein.

Auch, wenn Sie nicht so wirken: Sie sind seit März 50. Wie kommen Sie damit zurecht?

Älterwerden ist eine gute Sache. Ich finde, das Leben wird mit dem Alter interessanter. Es ist toll, ein bisschen reifer zu sein. Ich hoffe, dass ich mich mit dem Alter nicht zum Clown machen werde. Schauen Sie mal hier, das muss doch nicht sein (zeigt auf ein japanisches Magazin, das auf dem Tisch liegt, mit Bob Dylan auf dem Cover). Da war doch der Chirurg dran!

Sie glauben, Bob Dylan hat eine Schönheitsoperation gemacht?

Das Foto sieht auf jeden Fall so aus. Was soll das? So ein Quatsch, ich verstehe das nicht. Werde doch einfach alt, niemand interessiert sich dafür, wie du aussiehst! Wenn du irgendwann nicht mehr bist, dann hinterlässt du dein Werk, deine Arbeit. Darauf kommt es an.

“The Now Now“ ist schon im Titel ein sehr zeitgeistiges, modernes Werk. Wieso ist ein älterer Herr wie Sie immer noch einer der coolsten Künstler im britischen Pop?

Tja. Danke, dass Sie das sagen. Ich habe keine Ahnung. Ich liefere einfach mein Zeug ab, bin emsig, immer an neuen Impulsen interessiert. Ins Studio gehe ich wie andere Menschen zur Arbeit. Alles in allem ist die Musik für mich ein normaler Job. Ich bin in diesem Beruf, seit ich 21 Jahre alt bin, ich habe weder etwas anderes gelernt noch je etwas anderes gearbeitet. Deshalb finde ich es etwas sonderbar, wenn man mich dafür kritisiert, dass ich zu viel arbeite.

Macht das denn jemand?

Das kommt vor, ja. Aber ich bin stolz auf meine Arbeit. Es gibt für mich nichts Schöneres, als kreativ zu sein. Ich bin glücklich, wenn es meiner Familie gut geht und ich in Ruhe im Studio ans Werk gehen kann. Im Januar habe ich in Südafrika ein Album von Africa Express aufgenommen, und erst vor Kurzem habe ich die nächste Platte von The Good, the Bad & the Queen produziert, die auch noch in diesem Jahr erscheint.

Und kommt jetzt jedes Jahr ein neues Gorillaz-Album?

Nein. Das kann ich ausschließen. Dieses kam so schnell, weil ich neue Musik für die Liveshows haben wollte – damit wir nicht zwei Jahre lang immer dasselbe spielen müssen. Als Musiker lebst du heutzutage von den Konzerten, selbst für die Gorillaz ist es schwierig, mit Platten Geld zu verdienen. Reich mit Albumverkäufen wird eigentlich nur noch Ed Sheeran.

Damon Albarn live mit den Gorillaz beim Gurtenfestival 2018 in der Schweiz. Quelle: Anthony Anex/dpa

“Humanz“ war im vergangenen Jahr randvoll mit Gastsängern, auf “The Now Now“ singen Sie fast alles selbst. Warum diese Gegensätze?

Weil Gegensätze Spaß machen. Die Gorillaz kennen generell keine Regeln. Ich hatte mal wieder Lust zu singen und keine Lust auf den Organisationskram. Wären mehr Gäste dabei gewesen, wäre es niemals so schnell gegangen.

Geschrieben haben Sie “The Now Now“ überwiegend auf der letztjährigen Tour, die Songs heißen “Lake Zurich“, “Idaho“ oder “Kansas“. War Ihnen langweilig im Bus?

Außer schlafen und lesen bleiben dir auf diesen langen Fahrten in der Tat wenig sinnvolle Tätigkeiten. Ich kann sowieso überall Musik machen, an jedem Ort und in jedem Zustand. Sogar mit einem Kater wie heute. “Lake Zurich“ und “One Percent“ habe ich tatsächlich in Zürich geschrieben, “Soak Eye“ und “Hollywood“ in Los Angeles, “Idaho“ in Idaho. Vielleicht hätte ich mir bei den Titeln ein bisschen mehr Mühe geben sollen (lacht).

In “Idaho“ singen Sie irgendetwas über einen Elch.

Genau. Dass ich welche gesehen habe. Ich habe auf diesem ganzen Album viel über alltägliche Ereignisse geschrieben und versucht, profane Dinge zu etwas Magischem zu erklären.

Sind Sie generell fasziniert von Märchenwelten?

Ja, total. Ich liebe es, mir eine etwas andere Welt vorzustellen als jene, in der wir sind. Ich denke, das machen viele kreative Menschen so, viele Musiker. Auch Filmemacher natürlich oder Schriftsteller.

Halten Sie die ausgedachte Welt für besser als die wirkliche?

Nein. Ich finde die wirkliche Welt ziemlich klasse. Sehr kompliziert, aber wundervoll.

Bezieht sich der Albumtitel “The Now Now“ auf das Leben im Hier und Jetzt?

Ja. Unzählige Selbsthilfebücher propagieren das Leben im Jetzt. Ich gehe einen Schritt weiter und feiere das Leben im “Jetzt Jetzt“, also in der unmittelbaren und echten Gegenwart.

Will mit seiner Musik “eine positive Kraft“ sein: Damon Albarn. Quelle: Linda Brownlee/Checkyourhead

Sind das Internet und soziale Medien für Sie denn auch ein Teil des “Now Now“?

Nein. Was du im Netz erlebst, das erlebst du nicht wirklich. Ich habe nichts, kein Twitter, kein Instagram, kein Facebook. Das Einzige, was ich benutze, ist Snapchat – aber nur mit meiner Tochter und meinem Neffen.

Was schreiben Sie sich mit Ihrer Tochter auf Snapchat?

Ich frage Missy meistens, was sie zum Abendessen will.

Ihre Tochter ist 18. Wohnt sie noch zu Hause?

Noch. Missy ist mit der Schule fertig und zieht im September nach New York, sie will dort ein Jahr bei einem Magazin arbeiten und anschließend studieren, coole Sache. Vorher wollte sie unbedingt nach Nordkorea, und da fliegen wir jetzt hin – meine Frau, meine Tochter und ich.

Die Albarns machen Sommerurlaub in Nordkorea?

Wieso nicht? Wir machen eine richtige Asienreise, China, Japan, Süd- und Nordkorea. Klingt verrückt, ist es aber eigentlich nicht. Ich war früher schon mal dort, faszinierendes Land, faszinierende Leute. Kann sein, dass Trump zum ersten Mal was richtig gemacht hat.

Haben Sie Verbindungen nach Nordkorea?

Oh ja, ich kenne die Kim-Familie recht gut. Nein, tue ich nicht (lacht). Missy hatte sich Nordkorea gewünscht. Als ich das Land zum ersten Mal besuchte, war sie acht und stinksauer, dass sie nicht mitdurfte. Seitdem hat sie eine Art Obsession für Nordkorea entwickelt. Ich kann sie verstehen, denn das Lebensmodell dort ist wirklich ein radikal anderes als bei uns. Ich hoffe, dass die Wirklichkeit sie nicht enttäuscht.

Sie haben den Entschluss der Briten, die EU zu verlassen, stets scharf kritisiert und ein zweites Referendum gefordert. Der Brexit verläuft bisher chaotisch. Glauben Sie weiter an eine neue Abstimmung?

Ja. Es geht darum zu retten, was zu retten ist. Die Politik scheint einen Weg zu suchen, halbwegs heil aus dieser misslichen Situation herauszukommen. Irgendetwas wird da noch passieren. Überhaupt: Zurzeit ist es ja üblich, negativ drauf zu sein, wenn es um die Weltlage als solche geht. Ich stimme nicht mit ein in diesen Chor des Pessimismus. Ich will positive Musik machen, eine positive Kraft sein. Irgendwann bin ich von diesem Planeten verschwunden, und dann gibt es neue Menschen mit neuen Problemen. Bis dahin will ich mich daran beteiligen, unseren Problemen mit Optimismus zu begegnen.

Starteten gemeinsam mit ihren Konkurrenten von Oasis den großen Britpop-Boom: Graham Coxon, Dave Rowntree, Damon Albarn und Alex James von Blur. Quelle: Linda Brownlee/dpa

Zur Person: Damon Albarn

Vielleicht konnte der 1968 geborene Damon Albarn gar nicht anders, als Musiker und Künstler zu werden. Schließlich war seine Kindheit im britischen Essex geprägt vom unkonventionellen Geist seiner Eltern. Blues, indischer Raga und afrikanische Musik schallten durch das Haus seiner Eltern, als er klein war. Albarns Mutter war Bühnenbildnerin an einem Theater in London, und so widmete sich Sohn Damon, obwohl er schon früh Gitarre, Klavier und Geige spielte, erst einmal dem Theater.

In einem Schultheaterstück lernte Albarn dann auch seinen späteren Bandkollegen Graham Coxon kennen. Coxon beschreibt Albarn in dem Dokumentarfilm “No Distance Left to Run“ als selbstbewussten Darsteller, aber auch als ziemlichen Angeber. Zu Coxon stießen 1988 noch der Bassist Alex James und Drummer Dave Rowntree. Die Musiker gründeten die Band Seymour, die 1989 in Blur umbenannt wurde, Albarns bis heute wohl berühmtestes Projekt.

Das Debütalbum “Leisure“ von 1990 findet der Frontmann selbst heute allerdings “furchtbar“, wie er in einem Interview erzählt. Die Lieder des ersten Albums schrieb Albarn voller Heimweh während einer Amerika-Tour. Er wollte damit, wie er sagt, eine britische Atmosphäre schaffen. Den Durchbruch schaffte die Band allerdings erst 1995: Für das Album “Parklife“ erhielt die Band vier Brit Awards. Gemeinsam mit “Definitely Maybe“ von Oasis markiert die Produktion musikalisch den Beginn des Britpops.

Bei der Arbeit springt der unter Kollegen als arroganter Hitzkopf bekannte Albarn bis heute neugierig quer durch alle Genres. Neben Blur ist er in mehreren mittlerweile ähnlich berühmten Bandprojekten aktiv: 1998 etwa gründete er gemeinsam mit seinem ehemaligen Mitbewohner, dem Tank-Girl-Zeichner Jamie Hewlett, die Band Gorillaz, die aus den fiktiven Mitgliedern 2D, Murdoc Niccals, Noodle und Russel Hobbs besteht. Im Jahr 2001 stürmten die vier mit der Single “Clint Eastwood“ die Charts und landeten immer wieder große Hits – ein unglaublicher Erfolg für eine Band, die eigentlich als Kritik an dem MTV-Starkult gegründet wurde.

Bei den BBC Electric Proms präsentierte Albarn im Jahr 2006 zudem sein Bandprojekt The Good, the Bad & the Queen, an dem Tony Allen von Fela Kuti, Paul Simonon von The Clash und Simon Tong von The Verve beteiligt sind. Das Album der Band hatte Albarn ursprünglich als Soloproduktion geplant, lud die befreundeten Musiker dann aber dazu ein, gemeinsam mit ihm europäische und afrikanische Musik zu vereinen.

Doch für Ausgeglichenheit ist Albarn unter Musikerkollegen nicht unbedingt bekannt. Um die Krone des Britpop kämpfte der Brite erbittert mit Liam Gallagher, dem Frontmann von Oasis. Die zynischen Sprüche der beiden Musiker zierten viele Jahre lang die Titelblätter der Klatschpresse. Höhepunkt der Streitereien war die Äußerung Gallaghers, Albarn solle an Aids sterben.

Albarn selbst legte sich aber auch immer wieder mit anderen Musikern an, wie jüngst etwa mit der Künstlerin Adele, der er nach einer Zusammenarbeit Unsicherheit unterstellte. Auch innerhalb von Blur lief es nicht immer konfliktfrei: Graham Coxon verließ im Jahr 2002 wegen musikalischer Differenzen die Band. Sieben Jahre später rauften sich alle Musiker wieder zusammen.

Albarn berichtete vor wenigen Jahren, während der Zeit seiner großen Erfolge mit Blur heroinsüchtig gewesen zu sein. Heute lebt er gemeinsam mit seiner Frau, der Künstlerin Suzi Winstanley, und seiner nach der US-Rapperin Missy Elliott benannten Tochter Missy im Londoner Stadtteil Notting Hill.

Von Steffen Rüth

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