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Kultur Kinderbücher zeigen männliche Arbeitswelt
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10:34 08.03.2019
In Kinderbüchern gilt eher eine klassische Rollenverteilung – im Beruf und auch zu Hause. Quelle: Arno Burgi/dpa
Hannover

In Kinderbüchern wimmelt es von Fahrzeugen: Laster, Gabelstapler, Flugzeuge, Bagger, Züge, Schiffe und Kräne. Fast immer sitzt ein Mann am Steuer, im Cockpit oder auf der Kommandobrücke. Eine stichprobenartige Untersuchung des RedaktionsNetzwerk Deutschland von Büchern für Kindergartenkinder quer durch das Sortiment der Buchhandlung Hugendubel in Hannover zeigt: Die Berufswelt in Kinderbüchern wird überwiegend von Männern bevölkert.

Zur Auswahl gehören 183 Bücher, darunter Klassiker wie Grimms Märchen, Bibelgeschichten und Erzählungen von Astrid Lindgren und Ottfried Preußler, aber auch viele Veröffentlichungen der jüngeren Zeit wie Peppa Pig, Conni und Leo Lausemaus. Insgesamt 400 Darstellungen von Berufen wurden gezählt: fast 300 davon mit einem Mann, nur etwas mehr als 100 mit einer Frau.

Frauen sind Erzieherinnen, Männer Bauarbeiter

Einige Berufe sind sowohl im Ranking der Männer als auch der Frauen vorne, zum Beispiel Verkäufer/in, Bauer/Bäuerin, Polizist/in und Arzt/Ärztin. Auch König/in, vor allem in Märchen präsent, kommt in die Top Ten der häufigsten Berufe beider Geschlechter.

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Der Beruf Erzieher/in ist dagegen den Frauen vorbehalten. Männer sind sogar häufiger Gabelstaplerfahrer als Pädagoge in einer Kindertagesstätte. Auch Krankenpfleger/in ist in der Regel eine Tätigkeit von Frauen. Dafür sind Männer umso zahlreicher auf Baustellen und in Mobilitätsberufen vertreten.

So wenig ausgeglichen die Verteilung der Berufe erscheint: Die Kinderbücher halten sich weitgehend an die Realität. Im Sektor Erziehung und Unterricht sind Frauen laut Bundesagentur für Arbeit mit rund 70 Prozent in der Mehrheit. Manche Kinder haben in Kindergarten und Grundschule keinen einzigen Mann als Bezugsperson. Auch das Personal im Gesundheits- und Sozialwesen ist überwiegend weiblich. Im Baugewerbe dagegen arbeiten fast nur Männer.

Dennoch bleibt unter dem Strich ein Missverhältnis: Hätten die Macher der Kinderliteratur den Anspruch, die tatsächlichen Verhältnisse abzubilden, müssten sie mehr berufstätige Frauen zeigen. Das gilt für männliche und weibliche Autoren gleichermaßen. Tatsächlich sind Frauen nämlich zu 70 Prozent erwerbstätig und damit nur etwas seltener als Männer mit 78 Prozent.

Größte Diskrepanz bei Leo Lausemaus

Immerhin nähert sich das fiktive Verhältnis dem realen in neueren Veröffentlichungen an. In den untersuchten Büchern der Reihen Peppa Pig, Conni, Lauras Stern und Lieselotte herrscht in etwa Parität zwischen den Geschlechtern. In den Geschichten von Bobo Siebenschläfer, zum Teil in den 1980er Jahren geschrieben, arbeiten noch in erster Linie Männer. Auch viele Klassiker spiegeln ihre Zeit wider. Die größte Diskrepanz zeigt sich allerdings in den Büchern von Leo Lausemaus – dabei sind diese keine zehn Jahre alt.

Auch die Hausarbeit ist eher klassisch aufgeteilt. Viele Tätigkeiten wie Einkaufen, Vorlesen und Kochen verrichten beide Elternteile zwar ähnlich häufig. Andere Aufgaben werden dagegen traditionell vergeben: Heimwerken und Reparieren übernimmt der Vater, Wäsche waschen und Wickeln die Mutter.

Insgesamt ist Hausarbeit mehrheitlich Sache der Frau: 56 Prozent der Tätigkeiten übernimmt in den untersuchten Büchern die Mutter. Auffällig ist die Reihe Lauras Stern mit einem präsenten Vater und einer Mutter, die sich häufig zum Celloüben zurückzieht. Die Klassiker zeigen dagegen seltener den heimischen Alltag, die Hausarbeit spielt hier also eine untergeordnete Rolle.

Der Vater von Pippi Langstrumpf lebt nicht mal im selben Haushalt, und wenn etwas zu tun ist, findet das Mädchen pragmatische Lösungen und hievt das dreckige Geschirr zusammen mit der Tischdecke in die nächstbeste Truhe. Am Ende der Reihe steht wieder Leo Lausemaus: Die Kinderbetreuung übernimmt in der Regel die Mutter.

Im Prinzip stimmt auch die Darstellung der Hausarbeit mit der Realität überein. Frauen leisten an einem Werktag durchschnittlich zwei Stunden Hausarbeit, Männer etwas weniger als eine Stunde, so eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung. In den meisten Partnerschaften entspricht die Aufgabenverteilung einem traditionellen Rollenbild: Frauen waschen die Wäsche und holen die Kinder ab. Männer erledigen unregelmäßige Aufgaben wie Bohren und Rasenmähen.

Als Grund für das größere Engagement der Frauen im Haushalt nennen die Autoren der Studie, dass Mütter nach der Geburt länger ihren Beruf ruhen lassen und in dieser Zeit hauptsächlich die Hausarbeit stemmen. Die in dieser Zeit gebildeten Gewohnheiten bleiben auch dann erhalten, wenn die Frau längst wieder arbeitet.

Die Berufswelt in Kinderbüchern wird überwiegend von Männern bevölkert. Auch die Hausarbeit ist eher klassisch aufgeteilt.

Von Johannes Christ und Alexander Flohr/RND

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