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Kultur Weshalb fangen Sie immer wieder neu an?
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14:05 21.01.2018
Vom Arzneivertreter zum Bestsellerautor: Nicholas Sparks wuchs in Armut auf und kam durch einen Zufall zum Schreiben. Quelle: GETTY
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Berlin

Im Januar denken die Menschen gern über Neuanfänge nach. Im Begleittext zu Ihrem aktuellen Roman “Seit du bei mir bist“ heißt es: “Nicholas Sparks zeigt einmal mehr, dass manchmal das Ende erst der Anfang ist.“ Inwiefern gilt das für Ihre Geschichte?

Mein wichtigstes Ziel ist es, Bücher über authentische Figuren zu schreiben, die authentische Probleme haben, die essenzieller Bestandteil des Menschseins sind. Mein aktueller Protagonist Russell erlebt, wie seine Ehe zerbricht. Aber wichtiger für den Roman ist es, seinen Heilungsprozess zu beobachten. Russell realisiert, dass die Liebe ihm hilft: die Liebe seiner Tochter, seiner Familie und dieser neuen Frau, die er trifft. In meinen Augen ist es nicht so sehr ein Buch über eine Scheidung, sondern eins über Heilung und über eine Vater-Tochter-Beziehung.

Das mit der Liebe klingt nach heiler Welt. Doch zu Beginn fühlt sich Russell ganz schön überfordert von der Verantwortung für seine Tochter. Muss man manchmal an seine Grenzen stoßen, um im Leben voranzukommen?

Viel von dieser Thematik rührte von meinen eigenen Ängsten her, wenn ich mit meinen Kindern allein war. Ich stellte mir ständig diese Fragen: Tauge ich als Vater? Tue ich, was richtig ist für meine Tochter? Wie soll ich mich in bestimmten Situationen verhalten? Ich denke, diese Fragen stellen sich die meisten Eltern irgendwann einmal.

Der Roman beginnt mit einem Stereotyp: Russell hat Familie, Job, Haus, Geld. Wollten Sie mit Ihrer Geschichte auf die Vergänglichkeit solcher Dinge hinweisen?

Meine Motivation war eine andere. Ich stelle in diesem Buch die These auf: Niemand weiß, wie es hinter geschlossenen Türen wirklich aussieht. Menschen können zwar sagen: “Wow, dieses Paar ist wundervoll, die haben das perfekte Leben“ oder “Dieser Typ hat einfach alles“, aber das ist oft nur Schein. Wenn man hinter die Vorhänge schaut, dann sieht man dort dieselben Höhen und Tiefen, die einem aus dem eigenen Leben vertraut sind. Vergnügen und Herausforderung liegen bei den meisten Menschen nahe beieinander.

Auch in vielen anderen Ihrer Romane stellen Ihre Helden wiederholt alles auf Null zurück. Weshalb fangen Sie immer wieder von Neuem an?

Ich versuche, Licht in Phasen des Dunkels anzubieten. Es gibt in meinen Büchern natürlich traurige Passagen, aber meist auch ein wenig Hoffnung. Denn die meisten Menschen schaffen es irgendwie, nach schmerzhaften Erfahrungen zu heilen, weiterzuleben und wieder glücklich zu sein. Der Leser durchläuft all diese verschiedenen Emotionen und wird auf der letzten Seite gereinigt entlassen. Ich versuche, meinen Lesern ein Stück meiner Seele zu zeigen, etwas Wahres.

Ihre Familie lebte bis zu Ihrem neunten Lebensjahr weit unterhalb der Armutsgrenze. Wie hat Sie das geprägt?

Ich wuchs mit Milchpulver auf, aß Tonnen von Kartoffeln, aber um ehrlich zu sein: Mir war nie bewusst, wie arm wir wirklich waren, bis ich alt genug war, um den Wert von Dingen einschätzen zu können. Aber selbst dann war es nicht wichtig. Die Jahre, in denen ich aufwuchs, waren wunderbar und ich würde auch im Rückblick nichts daran ändern wollen.

Als Kind hat Ihre Familie sehr oft den Wohnort gewechselt. Wie hat Sie das beeinflusst?

Es hat mir geholfen, unabhängiger zu werden. Es hat mir die Zuversicht gegeben, auch an anderen Orten neue Freunde finden zu können. Und es hat mich gelehrt, Dinge zurücklassen zu können und neue Wege zu bestreiten.

Sie waren ja nicht sofort als Schriftsteller erfolgreich, haben verschiedene Jobs gehabt, unter anderem als Arzneimittelvertreter. War es ein großer Bruch für Sie, als Ihr erstes Buch veröffentlicht wurde?

Ja und Nein. Ich konnte damals ja noch nicht vorhersehen, ob der Roman ein Erfolg werden oder ob es jemals eine Filmadaption geben würde. Es fühlte sich eher an wie der erste Schritt auf einer langen Reise. Und ich hatte keine Ahnung, wo die mich hinführt.

Welche Veränderungen in Ihrem Leben waren sonst noch prägend?

Das kommt darauf an, über welche Phase meines Lebens wir sprechen. Meine Eltern zu verlieren war in meinen Zwanzigern eine große Veränderung für mich. Dann das erste Mal Vater zu werden. Und schließlich noch ein zweites Set an Kindern zu bekommen! Wir hatten schon zwei, und ich war eigentlich ganz zufrieden damit. Und dann haben wir acht Jahre später noch drei neue hinzubekommen. Veränderungen sind unausweichlich. Und sie tragen dazu bei, wer wir sind. Cathy kennenzulernen, sie zu heiraten und jetzt mit ihr ein neues Kapitel einzuleiten, gehört auch dazu.

In diesem neuen Kapitel gehen Sie getrennte Wege. Verarbeiten Sie in dem Roman „Seit du bei mir bist“ auch Ihre eigene Scheidung?

Nicht wirklich. Russell hat einen ganz anderen Charakter als ich, auch Vivian und Cathy sind zwei unterschiedliche Frauen. Ich wollte eine Vater-Tochter-Geschichte schreiben. In “Mit dir an meiner Seite“ habe ich zwar schon einmal über eine Vater-Teenager-Beziehung geschrieben, aber noch nie über die Zeit, wenn das Kind noch ganz klein ist. Russells Tochter vergöttert ihren Vater, während er sich selbst in seiner Rolle komplett infrage stellt. Die Dynamik, die sich aus den gegensätzlichen Perspektiven ergibt, finde ich spannend.

Was bedeutet Ihnen Sicherheit?

Verschiedene Dinge zu verschiedenen Zeiten. Wenn man jung ist, bedeutet Sicherheit, von seinen Eltern gehalten zu werden. Wenn man älter ist, kann es die Beziehung zum Partner oder zu einem Freund sein. Ich glaube aber nicht, dass man sich zu 100 Prozent sicher fühlen kann, das passt nicht zur menschlichen Natur. Deshalb strebe ich nach innerer Ruhe, betreibe also bewussten Aufwand, um mich sicherer zu fühlen.

Haben Sie Tipps, wie man mit Veränderungen umgehen kann?

Ich strenge mich jeden Tag an, inneren Frieden zu finden. Das ist ein sehr bewusster Vorgang. Wenn ich mit einer Veränderung Probleme habe, dann versuche ich, aus einer anderen Perspektive darauf zu schauen. Ich lenke mich ab, indem ich Freunde anrufe oder arbeite. Ich stelle meine eigenen Ansichten infrage und erinnere mich daran, dass Gefühle kommen und gehen. Wenn ich wütend bin, bedeutet das nicht notwendigerweise, dass ich grundsätzlich ein wütender Mensch bin. Es ist eine Emotion des Moments, und es hilft, sich das bewusst zu machen.

Und was entgegnen Sie Kritikern, die Ihre Romane zu vorhersehbar finden und sich in Ihrem Schreiben etwas mehr Veränderung und Abwechslung wünschen würden?

Gar nichts.

Zur Person: Nicholas Sparks

Nicholas Sparks kaut Kaugummi, seine Muskeln erinnern ans Fitnessstudio. Er gibt sich im Gespräch zuvorkommend, auf eine eher oberflächliche Art und Weise: Man könnte den Schriftsteller als Klischee-Amerikaner beschreiben. Sparks ist mit mehr als 100 Millionen verkauften Büchern – davon mehr als 17 Millionen allein im deutschsprachigen Raum – einer der meistgelesenen Autoren weltweit. Auch sein aktueller Roman “Seit du bei mir bist“ stieg auf Anhieb auf Platz eins der “New-York-Times“-Bestsellerliste ein.

Die Cover von Sparks’ deutschsprachigen Romanausgaben erzählen eine eigene Geschichte: Auffallend oft sind hier Geländer von Veranden zu sehen, durch die der Blick des Betrachters aufs Meer oder auf weite Landschaften fällt. Alles getaucht in die seichten Farben eines Sonnenuntergangs. Darin manifestiert sich die Suche nach dem privaten Lebensglück, die Sparks Romanfiguren teilen. Die Titel bestehen meist aus zwei Hauptwörtern: “Das Lächeln der Sterne“, “Weg der Träume“, “Das Schweigen des Glücks“, “Das Leuchten der Stille“, “Das Wunder eines Augenblicks“, “Ein Tag wie ein Leben“, “Die Nähe des Himmels“. Auch die Geschichten des Autors um Liebe und Schicksalsschläge folgen Mustern. Ehebruch oder vorehelicher Sex kommen bei Sparks – einem überzeugten Katholiken – nicht vor. 2005 gründete er die christliche Schule Epiphany School of Global Studies in New Bern, North Carolina.

Sparks wurde in der Silvesternacht 1965 geboren, ein Jahr später kam seine Schwester Danielle hinzu. Die Familie zog oft um, von Minnesota nach Nebraska und Kalifornien. Heute lebt er in North Carolina, wo auch die meisten seiner Romane spielen. Sparks war zu Schulzeiten ein guter Leichtathlet und bekam ein Sportstipendium an der University of Notre Dame.

Ein Sportunfall machte ihn zum Autor: Während Sparks drei Monate lang zu Hause rumsaß, um seine Verletzung zu kurieren, schlug ihm seine Mutter vor, es doch mal mit Schreiben zu probieren. Acht Wochen später war sein erstes Manuskript fertig: “The Passing”. Der Roman wurde allerdings nie veröffentlicht. Seine spätere Ehefrau Cathy lernte er 1988 kennen und warb mit 150 Liebesbriefen um sie. Ein Jahr später heirateten sie. Kurz darauf kam Sparks’ Mutter im Alter von 47 Jahren bei einem Reitunfall ums Leben.

Nicholas hatte eine Reihe Jobs: Immobilienmakler, Hausrestaurator, Kellner und Vertreter von Zahnpflegeprodukten. Schließlich gründete er seine eigene Firma – als Hersteller von orthopädischen Produkten. Im Juni 1994 begann Sparks wieder zu schreiben. Er nahm sich vor: Er würde es noch mit drei Büchern versuchen. Wenn keins davon veröffentlicht werden würde, wollte er sich von seinem Traum verabschieden.

Doch es kam anders: “The Notebook“ (“Wie ein einziger Tag“) begründete 1996 seinen internationalen Ruf als Bestsellerautor. Ab jetzt lieferte der einstige Vertreter Arznei für die Seele, Wohlgefühl in Worten. Der Roman – 2004 verfilmt mit Ryan Gosling – ist nur eine von vielen Sparks-Adaptionen für das Kino. Seit “Safe Haven – Wie ein Licht in der Nacht“ (2013) fungiert der Autor auch selbst als Produzent.

Fast alle seiner fünf Kinder kommen als Hauptfiguren in seinen Romanen vor. Unter dem Titel “Das nächste Kapitel“ arbeitet er für den Sender ABC an einer Comedy-Sendung, die von seinem Leben als Romantikautor nach der Scheidung inspiriert ist. Sparks ist nicht nur ein Vielschreiber, sondern auch ein Vielleser: Rund 125 Bücher verschlingt er nach eigener Aussage im Jahr.

Nicholas Sparks: “Seit du bei mir bist“. Aus dem Amerikanischen von Astrid Finke. Heyne. 576 Seiten, 19,99 Euro.

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