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Kultur Menschen auf der Brücke
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07:00 06.04.2016
Von Maren Kruse
Wiederentdeckung in der Raststätte Gudow Süd: Peter Nagel. Quelle: bos: Björn Schaller
Kiel

75 Jahre wird der realistische Maler und Kieler Kulturpreisträger heute alt. Und statt lange Rückschau zu halten, will der Künstler lieber über seine jüngste Wiederentdeckung sprechen.

 34 Jahre ist es her, dass in Gudow-Süd am innerdeutschen Grenzkontrollpunkt an der A 24 eine neue Raststätte nach dem Entwurf des Kieler Architekten Hans Joachim Schnittger eingeweiht wurde. Mit seiner Idee für die künstlerische Ausgestaltung gewann Peter Nagel den damals ausgeschriebenen Wettbewerb für „Kunst am Bau“. Er realisierte für den Innenraum einen zehn mal 1,60 Meter großen Wandfries unter dem Titel Auf der Brücke. Das Projekt musste pünktlich zum lange geplanten Treffen Erich Honeckers mit dem damaligen Bundeskanzler Helmut Schmidt fertiggestellt werden. Nagel: „Honecker sagte ab, aber die Raststätte stand, mein Wandbild hing.“ Es überstand Wende und Privatisierung im Jahr 1994. Gudow-Süd gehörte inzwischen der Unternehmensgruppe Tank & Rast, und der neue Pächter stellte kurzerhand eine Reihe von Getränkeautomaten vor den Wandfries. Immerhin schützte er das Gemälde mit einer Plexiglasscheibe. „Das war wirklich ein Glück“, sagt Peter Nagel, „in der Raststätte gab es ja noch kein Rauchverbot.“

 Ein Freund hatte das Bild auf der Fahrt nach Berlin hinter Becks, Coca Cola und Fanta entdeckt. Die folgenden Verhandlungen mit Tank & Rast seien unkompliziert gewesen, sagt der Künstler. Für den symbolischen Preis von 20 Euro konnte er seinen Wandfries zurückkaufen und unversehrt zurück in sein Atelier bringen. „Aber meine Bilder sollen ja gesehen werden“, meint Peter Nagel und ging auf die Suche nach einer Wand. Keine leichte Aufgabe angesichts der zehn Längenmeter. Durch Initiative der Sparkassenstiftung wurde nun ein Platz gefunden, der räumlich ideal ist und noch dazu im Verkehrsministerium den inhaltlichen Bezug herstellt. Sein Gemälde nach über drei Jahrzehnten wieder zu betrachten, ist ein bisschen so, als schaue der Maler sich selbst über die Schulter. „Es ist etwas atypisch für mich, auch in der brauntonigen Farbgebung“, sagt der Maler. Eine Spur sozialistischen Realismus macht er darin aus. Unsentimental sollte die Darstellung sein. „Aber mir kam es auf eine versöhnliche Geste an.“

 Die Menschen, die da auf der Brücke an einem offenbar historischen Tag wie zufällig wieder zueinanderfinden, sind Ost-West-Alltagsfiguren. Ob er 1982 daran geglaubt habe, dass die Szene sieben Jahre später schon Wirklichkeit werden würde? „Nein, das hat mich überrascht“, sagt Nagel.

 Auch wenn es ein Nagel der Achtziger ist, das Bildprogramm ist wie stets bei dem realistischen Künstler konsequent durchgearbeitet, die Farbsetzungen entschieden und wohl kalkuliert. „Ich will nicht unbescheiden sein“, sagt der Künstler, „aber eine bestimmte bildnerische Intelligenz muss eben wirksam werden.“

 Im Großen Sitzungssaal werden Schleswig-Holsteins bröckelnde Brücken weiter auf der Dringlichkeitsliste stehen. Immerhin hat der Bund jetzt eine Zustandsstatistik veröffentlicht (wir berichteten) und einen Sondertopf aufgelegt. Für Nagels Brückenfries jedenfalls musste Schleswig-Holsteins Verkehrsminister Reinhard Meyer sein Budget nicht belasten. Er habe schließlich 1982 Honorar bekommen, sagt Peter Nagel zufrieden. Der Fries hängt jetzt als Dauerleihgabe des Künstlers im Ministerium.

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