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Kultur Eine zeitlose Geschichte zu Weihnachten
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12:46 24.11.2018
Von Thomas Richter
Das Ensemble besticht durch bemerkenswerte Spiellaune und ausgesprochen hohe Qualität: Hier Asita Roustai (Momo) und Hannes Jetzek (Beppo). Quelle: Björn Schaller
Kiel

Um Momo, das liebenswerte, aber doch irgendwie merkwürdige Kind, versammeln sich schnell viele Freunde. Nicht zuletzt, weil sie so gut zuhören kann. Sie lässt die anderen sprechen, löst damit wie von selbst Konflikte, schafft Harmonie und Lebensfreude.

Spiel im Spiel

Durch ihr besonders gutes Zuhören kann Momo auch die Phantasie der Menschen beflügeln, was eine mitreissende „Piraten-Szene“ bravourös vor Augen führt. Ein Spiel im Spiel, das voller Witz, Lebensfreude, Musik und Schabernack steckt. Dramaturgisch zeigt diese überschwängliche Feier der Freundschaft aber auch den Wendepunkt im Leben der Gemeinschaft. Das Bild verdüstert sich im zweiten Teil der Inszenierung von Regisseur Jan Patrick Faatz, der mit der studentischen Gruppe „Die Theaterkommode“ sein inzwischen achtes Weihnachtsmärchen auf die Bretter bringt. Denn eines Tages treten die „grauen Herren“ von der Zeitsparkasse auf den Plan. Sie haben es auf die kostbare Lebenszeit der Menschen abgesehen, um sie in ihren Zigarren (hier E-Zigaretten) zu „verrauchen“.

Immun gegen die Verlockungen

Nach und nach verliert das ehemals fröhliche Völkchen seine Energie. Es „optimiert“ seinen privaten und beruflichen Angelegenheiten, um Zeit zu sparen. Alles wirkt grau in grau, seelenlos, traurig. Nur Momo ist immun gegen die oberflächlichen Verlockungen der Zeitdiebe. Retten kann das Mädchen ihre Freunde und im Grunde alle Menschen nur mithilfe der alten Schildkröte Kassiopeia, die wiederum dem geheimnisvollen Meister Hora dient. Er verrät Momo das Geheimnis der Zeit und wie sie die eingefangene Zeit befreien kann. Also bricht die kleine Heldin auf, und stellt sich mit nichts weiter als einer „Stundenblume“ bewaffnet und Kassiopeia an ihrer Seite den „grauen Herren“ in den Weg.

Ensemble hat hohe Qualität

Geschickt verdichtet die Bühnenfassung von Vita Huber aus den frühen 80er-Jahren Endes komplexen aus drei Teilen bestehenden Roman zu einem spielbaren Theaterstück. Auch die Inszenierung hält die Spannung und begeistert mit einer faszinierenden äußeren Ästhetik, viel Ideenreichtum, Phantasie, behutsamen Aktualisierungen und einem wohl ausbalancierten dramaturgischen Gefälle. Mediterranes Dolce Vita hier, eiskalte Geschäftigkeit dort. Hinzu kommt die bemerkenswerte Spiellaune und ausgesprochen hohe Qualität des Ensembles.

Toller Abend mit Anspruch

Apropos Zeit: Mit gut zwei Stunden Spieldauer und einer Pause nimmt dieser tolle Abend die Konzentrationsfähigkeit der jungen Zuschauer natürlich schon ein wenig in Anspruch. Aber, eine Lehre aus der Geschichte von Momo ist ja auch, dass die Uhren im Theater womöglich viel schneller ticken als etwa im Matheunterricht oder beim Zahnarzt.

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