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Kultur Kiel war ihr Heimathafen
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19:43 27.01.2014
Von Ruth Bender
Franziska Steiof inszenierte in Kiel zuletzt Die Regentrude. Quelle: fpr/Archiv
Kiel

 „Da schließt sich der Kreis ihrer Arbeit. Bei uns hat sie ihre erste Inszenierung herausgebracht und nun ist hier auch ihre letzte zu sehen“, sagt Norbert Aust, Leiter des Werftpark-Theaters und Wegbereiter und -begleiter für Franziska Steiof, seit die gebürtige Offenbacherin (Jg. 1962) 1988 nach bestandenem Diplom zum Vorstellungsgespräch in der Räucherei erschien, mit Aust über Politik, Gott und die Welt sprach und 1989 seine Regie-Assistentin wurde. Trotz oder obwohl sie, wie sie selbst schrieb, „in postpubertärem Größenwahn über eine Inszenierung lästerte, die sich dann als seine (Austs) eigene herausstellte“.

Klare Worte waren Franziska Steiof immer wichtig. Und so direkt wie ihre Rede waren das ansteckende Lachen, die sprudelnden Ideen, mit denen sie auf den Proben ihre Truppe mitnahm. „Eine starke Ensemble-Arbeiterin“ nennt Aust die Regisseurin, „sie war für uns atmosphärisch enorm wichtig Und sie wollte den Menschen mit dem Theater etwas nahebringen.“ Daneben hat sie ihren eigenen unverwechselbaren Stil entwickelt, der nicht nur das künstlerische Profil des Werftpark-Theaters schärfte, sondern bald auch über die Stadtgrenzen hinaus Aufmerksamkeit erregte. Ein Vermögen, große Dinge einfach, aber niemals simpel zu erzählen. So, dass sie durchsichtig wurden, im Kleinen das Große erkennbar machten. Die Nächte der Schwestern Bronte, ihre zweite Regie-Arbeit 1993, die von Kiel aus auf Gastspielreise ging, nach Zürich, Berlin, Österreich. Die fulminante Sandkastenversion von Heinrich V., die in Hamburg mit dem Theater Triebwerk entstand, Storms Schimmelreiter, ein Kieler Bühnenbestseller.

Das Werftpark-Theater war Ausgangspunkt und Heimathafen für die Vielbeschäftigte, die Manager-Coachings durchführte, am Mozarteum Salzburg lehrte, am Grips-Theater Berlin zweimal für den Friedrich-Luft-Preis nominiert wurde, in Hamburg, Düsseldorf, Hannover, Wien und Kiel inszenierte. Dabei war das Reisen gar nicht ihr Dinge – das Unterwegs-Sein dagegen schon. Zwischen Sparten und Organisationsformen, Kinder- und Erwachsenentheater, Stadttheater und freier Gruppe. 2003 gründete sie mit ehemaligen Schauspielern vom Werftpark-Theater die Gruppe DeichArt, ein Spielfeld jenseits des Stadttheater-Betriebs, in dem Franziska Steiof ihrer Lust an Nonsense und reinem Spiel nachgehen konnte – mit dem Dauerbrenner Schwitzende Männer im Schuhgeschäft und zuletzt mit Darüber reden. Auch das ist ihr Verdienst, sagt Aust, in Kiel eine professionelle freie Szene angestoßen zu haben. Mit DeichArt und dem Werftpark hätte Franziska Steiof auch ihr Kleist-Stück entwickeln wollen. Über einen Dichter, der mit seinem Freitod in die Literaturgeschichte einging.

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