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Kultur Revolution in der Stadtgalerie
Nachrichten Kultur Revolution in der Stadtgalerie
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07:00 28.09.2018
Von Ruth Bender
Stadtgalerie-Leiter Peter Kruska (2.v.re.) und Sönke Kniphals mit Julius von Bismarcks Figurengruppe "Polizei", die den Eingang besetzt. Quelle: Marco Ehrhardt
Kiel

Reglos steht sie da, eine Gruppe Polizisten, wie man sie aus Nachrichtenbildern von Großdemonstrationen kennt: gesichtslos und dicht gedrängt hinter Schilden und Helmen. So versperren sie den Weg in die Stadtgalerie und bringen den Betrachter mit ihrer radikalen Präsenz in die Konfrontation. Schutzwall oder Kampflinie – alles ist möglich in der provokanten Installation von Julius von Bismarck, die die Ausstellung einleitet.

Dahinter spüren zwölf Künstler auf vielfältige Weise den Themen Protest und Revolution nach - und deren medialem Niederschlag. Es gibt die aus dem Punk geborene Lichtinstallation von Julia Bünnagel, Lars Breuers eindrückliche Wandmalerei im Foyer; und als Vorläufer der digitalen Welt ist das Video von Harun Farocki und Andrei Ujica mit Bildern aus Ceausescus letzten Tagen zu sehen. Das Choreografische im Protest greift die Berliner Künstlerin Yvon Chabrowski auf und entdeckt darin eine moderne Ikonografie. Und Julian Röders Szenen von unterschiedlichen G8-Demonstrationen changieren subtil zwischen Reportage und Malerei-Motiven.

Bemerkenswert auch die Installation "More than a feeling", in dem die Leipziger Künstlergruppe FAMED an die friedliche Revolution 1989 in Deutschland erinnert. Nachlass einer inszenierten Demo, mit der die Künstler im vergangenen Jahr durhc Leipzig zogen. Übrig sind davon die Utensilien des Protests übrig: Plakate, auf denen die Künstler eigene Ausstellungstitel verewigt haben, ein Megafon, die Video-Dokumentation. Ein vielschichtiges Experiment, in dem die Kraft der Masse so sichtbar wird wie das manipulative Moment darin und die Frage nach der Austauschbarkeit des Aufstands.

Auch der Venezolaner Javier Téllez hat 2005 seinen eigenen Protest inszeniert, ein hintersinniges Spektakel an der mexikanisch-amerikanischen Grenze, auf dessen Höhepunkt eine menschliche Kanonenkugel über den Grenzzaun geschossen wird. Verwirrend vielschichtig daneben die komplexen Videos von Steffen Zillig: Da prallt Dieter Bohlen auf Avatare, Popkultur auf politische Positionen. Und der Hamburger collagiert die digitalen Bilderschnipsel so scheinbar wahllos, wie sie sich im Gedächtnis des Netzes, aber auch des Betrachters schichten. Eine spannende Ausstellung, an der man sich vielfältig reiben kann.

Stadtgalerie, Andreas-Gayk-Straße 31. Bis 25. November. Eröffnung 28. September, 19 Uhr. Rahmenprogramm mit Film (25. 10., 1.11., 15.11. jeweils 19 Uhr) und Kuratorenführung (21. 11., 18 Uhr). www.stadtgalerie-kiel.de

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