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Medien Collien Ulmen-Fernandes: Das Role Model für die Doku „No More Boys and Girls“
Nachrichten Medien Collien Ulmen-Fernandes: Das Role Model für die Doku „No More Boys and Girls“
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10:09 22.11.2018
„Frauen sind fürs Kochen geeignet“: Collien Ulmen-Fernandes im Gespräch mit zwei Jungen im Grundschulalter. Quelle: Foto: Martin Rottenkolber/ZDF
Mainz

ZDFneo, ehedem als vergleichsweise frisches Nischenangebot für Jüngere gestartet, ist längst eine Art Resterampe des Senders. Heute etwa ermittelt der verstorbene Peter Falk zwischen vier „Rettungsflieger“-Wiederholungen als Inspektor „Columbo“, bevor Horst Lichter in „Bares für Rares“ Antiquitäten verhökert. Richtig gestrig klingt der Nachwuchskanal aber erst, wenn ein kleiner Junge in einer Dokumentation am Abend sein Familienbild schildert. Frauen, sagt der Grundschüler zur besten Sendezeit, „sind fürs Putzen und Kochen geeignet“. Und Männer? „Fürs Reparieren und andere Sachen.“

Die Szene spielt nicht in einem Dorf in den Fünfzigerjahren, sondern in einer Kölner Großstadtschule des Jahres 2018. Die Moderatorin Collien Ulmen-Fernandes hat sie für ein Format besucht, das neudeutsch „Social Factual“ heißt. Die Sozialdoku „No More Boys and Girls“ präsentiert ein Geschlechterbild aus jenen Tagen, als Reportagen noch schwarz-weiß waren. Die norddeutsche Moderatorin mit Migrationshintergrund ist spürbar entsetzt davon, was sie bei ihrer zweiteiligen Tour durch die Welt unverwüstlicher Klischees erlebt. Siebenjährige berichten vom Vati, der stets Fußball guckt, wenn Mami bügelt.

Collien Ulmen-Fernandes: Gesellschaftlich nicht weiter als die Fünfzigerjahre

Vom Kleiderständer, den Collien testweise in die Fußgängerzone geschoben hat, wählen Erwachsene das rosa T-Shirt mit „Too pretty for math“ fürs Mädchen und sagen, Schmetterlinge seien „nichts für Jungen“. Und das ist nicht Ausnahme, sondern Regel bei der 90-minütigen Sendung.

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Die Moderatorin sagt: „Wenn die Kinder im Film zu 100 Prozent ankreuzen, Putzen sei Frauen- und Geldverdienen Männersache, ist das nicht reaktionär, sondern deren Realität.“ Ihr bitteres Resümee: „Gesellschaftlich sind wir nicht wesentlich weiter als in diesem Backmischungswerbespot der Fünfzigerjahre.“

Doch zum Glück hebt die 37-jährige Mutter einer sechsjährigen Tochter keinen Zeigefinger, sondern ballt die Faust. Genüsslich präsentiert sie Erstklässlern Männer in Frauenjobs und umgekehrt oder zeigt den Jungs, dass der Mädchenhammer beim „Hau den Lukas“ häufig härter schlägt. Von Forschern lässt sie sich die Mär vom schwachen Geschlecht widerlegen. Und das alles ist bereits wegen der unbestechlichen Faktendichte entlarvend. Wirklich imposant wird es aber, wenn sie jemand wie Collien Ulmen-Fernandes vermittelt.

Moderatorin hebt die Faust

Rein optisch bedient die ausgebildete Tänzerin mit dem offenen Naturell fast jedes Vorurteil von der Schönheit ohne Tiefgang, das ihre Biografie zusätzlich untermauert: Backgroundsängerin für Enrique Iglesias, Showdebüt bei Bravo TV. Und dann gibt sie dem Boulevard durch die Heirat mit dem TV-Star Christian Ulmen auch noch extra Zucker. Lustiges Alphatier, süßer B-Promi – so sehen die Boulevardmedien die Partnerschaft.

Die Frau mit dem Titel „The Sexiest Woman in the World 2010“ hat aber auch andere Seiten. Sie schreibt etwa eine Erziehungskolumne in der „Süddeutschen Zeitung“ und seit jeher alle Moderationstexte selbst. In der aktuellen Doku sagt sie im schnodderigen Restdialekt ihrer Hamburger Heimat: „Ich finde, dass Frauen ihre Weiblichkeit sehr wohl zeigen dürfen, ohne dass ihnen gleich jegliche Intelligenz abgesprochen wird.“

Sie will keinem Mädchen per se das Rosa verbieten. „Es geht darum, Kindern jenseits tradierter Rollenbilder die Vielfalt der Welt zu zeigen.“ Obwohl ihre eigenen Eltern eher modern waren, „hat man mir vor allem technische Fähigkeiten nicht zugetraut“, erinnert sie sich an die Achtzigerjahre. Ihrem Partner Christian Ulmen hingegen hat ihr Papa Fernandes einen Werkzeugkoffer geschenkt. Collien selbstbewusst: „Also hab ich angefangen, Möbel zu bauen.“ Ein gutes Vorbild – für Boys und Girls.

„No More Boys and Girls“ läuft am Donnerstag, 22. November ab 20.15 Uhr bei ZDFneo.

Von Jan Freitag/RND

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