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17:25 25.11.2018
Schufen ein Kunstwerk zu Ehren der Demokratie: Andreas Volleritsch (l.) und Oliver Wurm. Quelle: Lars Krul
Hamburg

Manche Texte haben es einfach verdient, auf Papier gedruckt zu werden. Weil sie der Hauch des Ewigen umweht. Weil sie weit erhaben sind über die Moden und Techniken ihres Jahrhunderts, so fundamental anders und revolutionär diese auch sein mögen. Denn Geruch und Gefühl – also das olfaktorische und haptische Erlebnis – können einem großen Text noch immer eine Dimension hinzufügen, die auf den Inhalt veredelnd wirkt wie Goldstaub auf ein Kunstwerk. Menschen lesen seit 2000 Jahren auf Papier, seit mehr als 500 Jahren gedruckt. Natürlich hat das etwas mit ihnen und ihrem Erleben angestellt.

Kein wohlfeiles Genörgel über die Entsinnlichung der Digitalisierung

Möglich, dass das alles ein bisschen pathetisch klingt – nach dem nostalgisch-wohlfeilen Genörgel über die Entsinnlichung durch die Digitalisierung. Aber es geht nicht um Nostalgie beim aktuellen Versuch zweier Hamburger, einem alten Text zu neuem Leben und neuen Lesern zu verhelfen. Es geht um Respekt vor der Kraft seines Inhalts. Vor acht Jahren brachten der Journalist und Medienkreative Oliver Wurm – bekannt vor allem für edle Sportmagazine – und der Designer Andreas Volleritsch das Neue Testament als Magazin auf den Markt.

Es war ein großer Erfolg: Bis heute wird das Heft in der Jugendarbeit und in der Seelsorge eingesetzt. Nun haben sie einem weiteren Text einen edlen Rahmen gegeben: dem deutschen Grundgesetz. Ihre Idee ist so schlicht wie schön: Das Grundgesetz erscheint morgen als Magazin am Kiosk – in einer Auflage von 100 000 Exemplaren, gut lesbar gestaltet auf 124 Seiten für 10 Euro. Warum? Nach einer „Markus Lanz“-Sendung, in der der Wissenschaftsjournalist Rangar Yogeshwar vom Grundgesetz geschwärmt hatte („Das ist sensationell, das ist die Nation!“), habe er sich gleich ein Exemplar bestellt und es gelesen, erzählt Wurm. Er war „gleichsam fasziniert wie ermattet“. Fasziniert „von den zum Teil herausragend weitsichtig, klug und in Teilen ausnehmend schön formulierten Gesetzestexten“ – ermattet dagegen vom dünnen Papier, von der kleinen Schrift, der fehlenden Bebilderung. „Das hat einfach keinen Spaß gemacht.“

Frische Bildsprache für den 70 Jahre alten Text

Also tat sich Wurm wieder mit dem Designer Volleritsch zusammen – und fand eine frische Bildsprache für den fast 70 Jahre alten Text, die auch Gelegenheitsleser lockt. Am Wichtigsten seien bei der Magazinarbeit „die Lesbarkeit und die Freude am Blättern und Entdecken“ – durch Luft, großzügige Weißräume, angenehme Pastelltöne, feine Typografie, das Ganze sinnfällig ergänzt mit Grafiken und Zahlen zur Lage der Nation. Das Ergebnis ist ein Kunstwerk zu Ehren der Demokratie – das zwangsläufig auch knochentrockene Passagen enthält („Ab dem 1. Januar 2014 entfällt die nach Absatz 2 Nr. 2 vorgesehene Zweckbindung der nach Absatz 1 zugewiesenen Finanzierungsmittel; die investive Zweckbindung des Mittelvolumens bleibt bestehen ...“). Es geht Wurm nicht um eine Spielerei. Es geht um den Wert von Rechten. „Indem sich die Leute überhaupt mal wieder mit den Grundrechten befassen und auseinandersetzen, beginnt die Debatte ja bereits.“

Das Grundgesetz

Gültig seit:23. Mai 1949 Wörter insgesamt: 20 319 Wörter im Grundrechtskatalog: 2515 „Väter des Grundgesetzes“ (Männer im Parlamentarischen Rat): 61 „Mütter des Grundgesetzes“ (Frauen im Parlamentarischen Rat): 4 Änderungen seit Inkrafttreten: 54 Artikel: 146 (von Art. 1 „Schutz der Menschenwürde, Menschenrechte, Grundrechtsbindung“ bis Art. 146 „Geltungsdauer des Grundgesetzes“)

Der Zeitpunkt für das Projekt ist nicht willkürlich gewählt: 70 Jahre wird es am 23. Mai kommenden Jahres her sein, dass die 65 Mitglieder des Parlamentarischen Rates in Bonn in 265 Tagen die neue Verfassung formulierten – „im Bewusstsein ihrer Verantwortung vor Gott und den Menschen“. Wurm hofft, „dass wir mit unserer zeitgemäßen Umsetzung möglichst viele Menschen an den Text heranführen, die sonst eigentlich nicht damit in Verbindung kommen“. Das Grundgesetz gehöre „auf jeden Schreibtisch und in jeden Haushalt“. Lange ist nicht mehr so intensiv über Grundrechte und -werte in diesem Land diskutiert worden wie in den vergangenen Monaten. Die Rechten stellen Rechte infrage, Gewissheiten zerbröseln. Es kann der Qualität dieser Auseinandersetzung nur dienlich sein, wenn mehr Menschen den Text, über den sie so leidenschaftlich streiten, auch tatsächlich kennen. Das Magazin „GG“ hilft dabei.

Von Imre Grimm/RND

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