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09:26 09.01.2017
Steve Jobs, Mitbegründer von Apple, stellt am 09.01.2007 das erste iPhone in San Francisco, USA, vor. Quelle: dpa
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Hannover

Hype und Hybris gehören in der Technikbranche ebenso sehr zum Geschäft wie Silizium und seltene Erden. Das galt insbesondere für den verstorbenen Apple-Mitgründer Steve Jobs. Wenn er neue Produkte vorstellte, waren die meist mindestens „magisch“ – auch wenn es sich, wie etwa beim iPod, in Wahrheit lediglich um verfeinerte, perfektionierte Versionen von Geräten handelte, die es längst gab.

Auch als Jobs am 9. Januar 2007, heute vor zehn Jahren, auf einer Apple-Hausmesse namens Macworld Expo in San Francisco das erste iPhone vorstellte, war das auf den ersten Blick wieder einmal so: „Ab und zu“, begann Jobs seine Präsentation, „taucht ein revolutionäres Produkt auf, das alles verändert“. Wieder einmal zeigte der Mann im schwarzen Stehkragenpulli dann ein Gerät, das diverse Dinge konnte und tat, die andere Geräte vorher auch schon gekonnt hatten: Das iPhone war bei Weitem nicht das erste internetfähige Mobiltelefon, es war nicht das erste mit Kamera und auch nicht das erste mit einem Touchscreen. Trotzdem hatte Jobs diesmal recht. Das iPhone war tatsächlich ein „revolutionäres Produkt, das alles verändert“.

Ein tragbarer, internetfähiger Minicomputer

Fragte man in den vergangenen Jahren Menschen, wann denn wohl das erste iPhone auf den Markt gekommen sei, verschätzten sie sich oft grob. 2002 oder 2003, bekam man da oft zu hören, jedenfalls Jahre früher als die tatsächliche Markteinführung. Das hat seine Gründe: Die Veränderungen, die dieses heute so simpel erscheinende Konzept – ein tragbarer, internetfähiger Minicomputer, dessen gesamte Oberfläche aus einem Bildschirm besteht – gebracht hat, sind so tiefgreifend und allgegenwärtig, dass es uns heute vorkommt, als müssten sie schon vor längerer Zeit eingetreten sein. Zehn Jahre iPhone heißt vor allem: zehn Jahre mobiles Internet im Alltag, zugänglich für fast jedermann in der westlichen Welt und darüber hinaus.

Natürlich gab es schon vor jenem 9. Januar 2007 Menschen, die E-Mails auf ihren Smartphones lasen – oder auf dem, was man damals eben so nannte. Leute, die mobil online waren. Leute mit Blackberrys oder Geräten wie dem bis heute legendären Nokia Communicator, einem Telefon mit einer vollwertigen QWERTY-Tastatur im Inneren seines waagerecht aufklappbaren Gehäuses. Viele dieser Leute machten nach der iPhone-Vorstellung höhnische Bemerkungen darüber, dass ein Touchscreen so eine richtige Tastatur ja wohl kaum werde ersetzen können.

Erfindung einer neuen Geräteklasse

Was aus dem Blackberry-Hersteller Research in Motion und aus Nokia wurde, ist bekannt. Und viele Smartphones mit physischen Tasten sieht man heute nicht mehr.

Das iPhone-Prinzip dagegen – ein rechteckiges, möglichst flaches Objekt mit Sensoren, Kameras und einem durchgängigen Touchscreen auf der Vorderseite – ist heute synonym mit dem Begriff Smartphone. Nicht umsonst sehen die Modelle der Apple-Konkurrenten wie Samsung, LG oder HTC alle nahezu identisch aus, was bekanntlich schon zu dem einen oder anderen Prozess geführt hat. Die Erfindung des iPhones war die Erfindung einer neuen Geräteklasse, eines universellen Standards, wie einst des Kühlschranks oder des Fernsehgerätes.

Erst diese neue Geräteklasse machte für Normalanwender das attraktiv, worauf die Netzbetreiber schon im Jahr 2000 Milliardensummen gewettet hatten: immer und überall online gehen zu können. Vielleicht erinnert sich der eine oder andere noch an den Hohn, den Vodafone, E-Plus, O2, T-Mobile und zwei weitere Betreiber damals einstecken mussten, weil sie zusammengenommen umgerechnet etwa 50 Milliarden Euro in UMTS-Lizenzen investierten. Wo doch kein Mensch dieses mobile Internet brauchte! Wo doch für das bisschen E-Mail und die paar kläglichen WAP-Webseiten zur Not auch der alte GPRS-Standard noch ausreichte! Wo doch diese sogenannten UMTS-Handys, mit denen entsprechende Artikel im Wirtschaftsteil immer illustriert wurden, fast immer Prototypen blieben, die nie in freier Wildbahn gesichtet wurden!

Der Hohn über die erste UMTS-Versteigerung und auch der über das erste iPhone sind symptomatisch für ein Phänomen, das die nach wie vor exponentiell verlaufende Digitalisierung mit sich bringt: Die Veränderungen sind so schnell und tiefgreifend, dass sie mit unseren herkömmlichen Vorstellungen gesellschaftlicher und technologischer Entwicklungen kaum überein zu bringen sind.

Zweite umwälzende Innovation: Der App Store

Um sich das vor Augen zu führen, muss man nur einmal ein Foto aus einer beliebigen U-Bahn zur Zeit des Berufsverkehrs von 2006 mit einem von 2016 vergleichen. An der Kopfhaltung der Menschen hat sich wenig geändert: Sie schauen schräg nach unten, bloß nicht dem Gegenüber ins Gesicht, sie lesen. Nur hielten die Passagiere 2006 in der Regel unhandliche Stapel Zeitungspapier oder Bücher in den Händen. Im Jahr 2016 starren fast alle auf ihre Smartphones.

Was genau sie da tun, ist aber nicht mehr zu erkennen: Lesen sie einen Artikel auf einer Nachrichtenwebsite? Eine E-Mail? Stecken sie mitten in einer Whatsapp-Konversation mit der Ehefrau? Sehen sie sich ein Katzenvideo an? Oder eine Folge „House of Cards“? Suchen sie auf Spotify nach einem bestimmten Song?

Diese kurze Aufzählung verweist auch auf die zweite umwälzende Innovation, die Apple 2008 als zentrale Ergänzung des iPhones vorstellte: den App Store. Der Geniestreich, eine offene Plattform zu erschaffen, die Kreativität und Arbeitskraft unzähliger Anbieter rund um den Globus anzuzapfen, indem man ihnen einen Marktplatz für kleine Softwareanwendungen eröffnet, hat die Digitalwirtschaft erschüttert und für immer verändert. Und nicht nur die. Inzwischen krempelt die Plattform-Idee ganze Märkte um, vom Personentransport – Stichwort Uber – bis hin zum Hotelgewerbe – Stichwort Airbnb.

Regeln des mitmenschlichen Umgangs hat gelitten

Tatsächlich hat das mobile Internet von heute, das ohne das iPhone-Prinzip kaum denkbar wäre, gerade erst begonnen, unsere Welt zu verändern. Wir wissen jetzt immer, wo wir sind, auch in der Fremde. Wir können von fast jedem Ort der Welt jederzeit auf Sendung gehen, mit übers Netz gestreamten Livebildern. Wir streiten nicht mehr über belanglose Fragen wie die, wann Napoleon starb – weil fast jeder von uns nahezu jede beliebige Information binnen Sekunden nachschlagen kann. Wir sind aktueller und schneller über das Weltgeschehen informiert als je zuvor, weil Eilmeldungen auf unseren Sperrbildschirmen uns in Echtzeit darüber informieren, welcher Prominente verstorben ist oder wer den Literaturnobelpreis bekommen hat.

Gleichzeitig hat die rasante Entwicklung dazu geführt, dass die Regeln des mitmenschlichen Umgangs gelitten haben. Die Etikette hat Mühe, mit der digitalen Revolution mitzuhalten, und deshalb sind Eltern, die ständig ihre Smartphones in der Hand haben, erstaunt, wenn ihre Kinder das Gleiche tun. Wir sind immer noch dabei, die Umwälzungen, die das iPhone ausgelöst hat, zu verdauen. Wir müssen uns damit beeilen, denn die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass die rasche Entwicklung bald das nächste „revolutionäre Produkt, das alles verändert“ hervorbringt. Auch, wenn es diesmal vielleicht nicht von Apple stammt.

Das Duell: iPhone 3G gegen iPhone 7 Plus

Von RND/Christian Stöcker

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